Wundervolle Geburtsberichte: "Ist DAS nun alles, wovon mir gruselig erzählt wurde?"

Wie fühlt es sich an, ein Kind zu bekommen? In dieser Reihe teilen echte Frauen ihre ganz persönlichen Erfahrungen. In der ersten Folge berichtet Dorothea, wie die Geburt ihres Kindes trotz vorheriger panischer Angst die Urinstinkte in ihr weckte! 

Wir finden, es ist an der Zeit für positive Geburtserlebnisse. Deswegen haben wir einen Aufruf gestartet, in dem wir unsere Leserinnen nach ihren Geburtsberichten fragten. Unzählige Zuschriften erreichten uns und machen Mut, wenn sie führen weg von Ängsten und hin zu dem, was eine Geburt wirklich ist: Ein kleines, großes Wunder.

So hat auch Dorothea die Geburt ihres Kindes erlebt. Obwohl unsere Leserin früher große Angst davor hatte, ein Baby auf die Welt zu bringen, passierte in der Schwangerschaft etwas Faszinierendes: Mit der Veränderung ihres Körpers entfachte in ihr ein neuer Glaube an die eigene Kraft. In ihrem Geburtsbericht teilt die Mutter ihre wundersame Erfahrung und zeigt uns: Ängste können überwunden werden!

Fotografin knipst einzigartige Fotos bei der Geburt ihres Sohnes

Ein Geburtsbericht der anderen Art: Wie Dorotheas Ängste durch die Geburt verflogen

"Ich hatte unglaubliche Angst. Da ich sogar Zahnärzte fürchtete wie die Pest, grauste mich der Gedanke an die anstehende Geburt sehr. Von Freundinnen und Verwandten wurde ich mit Gruselgeschichten überhäuft, was meine Ängste nur noch mehr bestärkte.

Tief in meinem Inneren begann aber ein ganz anderer Dialog. Nämlich die Vorstellung, dass die Geburt in uns wohnt seit es Menschen gibt – und Ärzte ja erst seit 250 Jahren ... Und ich dachte, das werde ich schaffen, weil das alle meine Vorfahren auch geschafft haben. Sonst wäre ich ja gar nicht da. 

Mit diesem Gefühl wollte ich mich ganz meinem Körper und meiner inneren Stimme anvertrauen und folgen. So jedenfalls nahm ich mir das vor

Als ich dann plötzlich nachts um 2 Uhr regelmäßig ein Verhärten meiner Bauchdecke spürte und plötzlich auf Toilette musste, rief ich in der Klinik an. Man sagte, ich solle umgehend dorthin kommen. Es wären Geburtswehen. 

Ich wunderte mich, denn Schmerzen hatte ich dabei erst mal nicht. Es fühlte sich an als bekäme ich meine Periode. 'Aha', dachte ich, 'Wehen müssen also nicht unbedingt weh tun.'

Ich hatte mir vorgenommen ganz auf mich zu horchen

Wenn möglich, wollte ich auf alle äußeren Dinge verzichten, um meiner Natur Raum zu lassen. Es war beruhigend das ganze medizinische Back-up im Notfall in Anspruch nehmen zu können – aber eben nur dann.

So im Bett liegend fühlte ich mich zunehmend unwohl. Die Wehen begannen tatsächlich unangenehm und schmerzhaft zu werden und ich sprach zu meinem Baby im Bauch: 'Na du Kleine, willst du mich nicht schlafen lassen, sondern lieber jetzt kommen? Na gut ... Du bist der Chef!'

Wenn das Baby jetzt kommen will, dann stehe ich lieber auf und laufe ein wenig herum 

Damit verschwanden auch die Schmerzen und ich bewegte meinen Popo bei jeder Wehe. Auf diese Weise zeigte mir mein Körper genau, was zu tun war ... Ich fühlte mich wie eine stöhnende Bauchtänzerin.

Mein Mann war die einzige Verbindung zur Außenwelt. Eine Physiotherapeutin, die mich beobachtete, sagte später zu mir, dass sie mich nicht ansprach, da ich wohl intuitiv ganz bei mir war und alles richtig machte.

Ich tauchte immer tiefer und klarer in mich selbst und den Geburtsvorgang ein

Einige Zeit verging und plötzlich verwandelte sich das Gefühl in einen Drang, auf Toilette zu gehen. Dann ging alles recht schnell. Man berichtete mir, dass ich schon ganz weit offen wäre und nun dringend in den Kreißsaal müsse.

Dort legte man mich wieder auf den Rücken. Und jetzt begannen die Wehen wirklich sehr zu schmerzen. Also beschloss ich, mich auf alle Viere auf das Bett zu begeben und oh Wunder – die Schmerzen waren fast wieder weg. So blieb ich in der Position und räkelte mich je nach Befindlichkeit in Positionen, die meine Wehe schmerzfrei werden ließen. 

Das Gefühl, pressen zu wollen, verstärkte sich zunehmend und gleichzeitig überkam mich ein wundervoll kribbelndes Gefühl über den ganzen Rücken, sodass ich das Pressen gerne weiter zurückhielt. Ich dachte mir: 'Alles ist perfekt, weil sich alles perfekt anfühlt.' Meine Hebamme bat mich nun zu pressen, aber ich sagte, dass ich noch ein bisschen warten müsste.

Das kribbelige Gefühl war so eindeutig gut, dass ich mir absolut sicher war, das Richtige zu tun

Ich veratmete so noch einige Wehen, bis ich spürte, dass es nun nicht mehr anders ging, als loszulassen. Ich drehte mich auf den Rücken und mit der nächsten Wehe kam das Köpfchen meiner Tochter hinaus ... Die nächste Wehe brachte dann ihren Körper ... Und ich? Ich war nur völlig verblüfft. Weil das die Geburt war ... so ... und ohne Schmerzen ... ganz im Gegenteil mit so viel Lust und Freude! Ich fragte mich nur, war DAS alles?

Ist DAS nun alles, wovon mir immer so gruselig erzählt wurde?

Ich umarmte unsere Tochter und betrachtete das Wunder, gerade einen vollständigen Menschen geboren zu haben. Ein wahrlich göttlicher Moment. Der frisch gebackene Papa war stolz und auch ein wenig verwundert wie unkompliziert unser Baby geboren war.

Glücklicherweise ist er mein Zeuge ... da einige behaupten, ich hätte das Schlimme bei der Geburt einfach vergessen und verdrängt. 😉"

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