Protestaktion: 400 Kilometer Radfahren für die Hebammen

Mit einer Protestaktion wollen vier Mütter auf die finanzielle Not der Hebammen aufmerksam machen. Sie fahren mit dem Fahrrad von Hameln nach Berlin - ihre Babys sind mit an Bord.

"Wir fahren alle sonst kaum Rad. Wir müssen verrückt sein"

Simulierte Wehen: So sehr leiden Männer bei einer Geburt  

400 Kilometer Fahrradfahren, bei jedem Wetter, einmal quer durch Deutschland: Es ist kein Wellnesstrip, den sich vier Mütter vorgenommen haben. Zumal sie nicht nur für sich selbst in die Pedale treten müssen, sondern auch für ihre Babys - die sind bei der Tour dabei. Doch Laura, Jana, Christiane und Bianca haben etwas im Gepäck, was sie antreibt: Wut. Die Frauen sind sauer, dass die Politik immer noch keine Lösung dafür hat, wie freiberufliche Hebammen unterstützt werden können. "Wir fahren alle sonst kaum Rad. Wir müssen verrückt sein", sagt Bianca Kasting, deren Idee es war, die Tour zu starten. "Aber wir wollen zeigen, dass uns kein Weg zu weit ist, um für die Geburtshilfe zu kämpfen. Wir holen uns unsere Hebammen zurück. Tausende mussten schon aufgeben."

Das Problem der Hebammen wird seit Wochen in der Öffentlichkeit diskutiert: Aufgrund dramatisch gestiegener Versicherungsbeiträge und immer weniger Versicherern, die überhaupt noch Hebammen annehmen, sind die rund 15.000 freiberuflich arbeitenden Geburtshelferinnen in Deutschland vom Aus bedroht. Anfang des Jahres gab es darum eine große Protestwelle. Hunderttausende Eltern solidarisierten sich mit den Hebammen, darunter auch Bianca Kasting, deren Petition fast 400.000 Menschen unterschrieben. Die Bundesregierung sagte zu, sich um das Thema zu kümmern und diskutierte darüber am 20. März in einer ersten Bundestagsdebatte. Obwohl sich alle Parteien einig waren, dass es die freie Geburtshilfe weiterhin geben soll, gibt es bislang keine Lösung für das Problem. Für Bundesgesundheitsminister Gröhe (CDU) sind nun erstmal die Versicherer in der Verantwortung. "Wir haben die Versicherungswirtschaft wissen lassen, dass wir erwarten, dass es ein überzeugendes Angebot gibt." Im April soll eine Arbeitsgruppe Vorschläge für politische Lösungen machen.

"Gefühlsduselige Petitionen"? Das lassen sich die Frauen nicht bieten

Für Bianca Kasting und ihre Unterstützerinnen ist das zu wenig. Sie haben das Gefühl, dass die Dramatik der Lage nicht im Bundestag angekommen ist und dass viele Politiker die freie Geburtshilfe für ein Randgruppenthema halten. Auch das Aktionsbündnis "Hebammenarbeit sichern" kritisiert die Debatte: Alle Redner seinen "nicht vollumfänglich informiert" gewesen. Auf der Website des Bündnisses widersprechen die Hebammen vielen Aussagen der Politiker, unter anderem der Meinung von SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach, der den Aufschrei der Hebammen für "Populismus" hält.

Bianca Kasting, die ihre Tochter Lotta in einem Geburtshaus zur Welt brachte, ärgerte sich besonders über eine Rede des Bundestagsabgeordneten Roy Kühne. Darin lobte der CDU-Politiker zwar die Arbeit der Hebammen, sagte aber auch: "Ich bin ganz klar gegen gefühlsduselige Petitionen", er wünsche sich Sachlichkeit bei dem Thema. Dass sie alles andere als "gefühlsduselig" sind, wollen die Mütter nun auf ihrer Fahrradtour zeigen. Auf der Fahrt, die am 1. April startete, klären die Frauen in verschiedenen Städten mit Flyern und in Gesprächen mit Passanten darüber auf, wie wichtig die Arbeit der Hebammen ist. Finanziert wird die Fahrt mit Spenden. Regelmäßige Updates und Infos zu Terminen der Tour finden Interessierte auf dem Hebammenblog von MOM-Bloggerin Jana Friedrich. Zu viel Zeit dürfen sich die Radlerinnen nicht lassen: Am 12. April wollen sie in Berlin ankommen, um dort an einer großen Hebammen-Demonstration teilzunehmen.

Wir drücken die Daumen, dass Wetter, Reifen und vor allem die gute Laune bei allen Beteiligten halten!

Text: Michèle Rothenberg Hinweis: In einer früheren Version des Artikels stand fälschlicherweise, dass die Radstrecke 500 km lang sei. Wir haben den Fehler behoben.

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