Geplanter Kaiserschnitt: "Warum ich es immer wieder tun würde"

Eine Mutter zwischen Ängsten, Selbsthass und Rechtfertigungen: Bloggerin Tamara erzählt, warum sie einen geplanten Kaiserschnitt wollte und es nicht bereut.

Ich bin nun eine Mama, ich habe ein Baby geboren. Nicht spontan, sondern geplant. Einen Wunschkaiserschnitt - gewünscht, meine Entscheidung. Und: Ich würde es immer wieder so tun!

09. Oktober 2017

Da ist er also, der Tag, an dem wir Eltern werden. Mama und Papa für immer sein. Aufgeregt? Nein, eher übersprudelnde Vorfreude. Wir sind ja vorbereitet.

Unser Blog-Liebling: Tamara ist 23 Jahre alt, wohnt mit Mann, Hund und neuerdings mit Kind in der Vordereifel. Auf Tamaracuja.de schreibt sie über ihr Leben. Ein Kind mit Anfang 20? Na klar! Ein geplanter Kaiserschnitt? Warum nicht? Uns gefällt, wie diese quirlige Frau sich nicht um den Mainstream schert, sondern ihr eigenes Ding macht. Mehr davon!

Genau, wir wussten, dass unser Jonah spätestens am 09. Oktober auf die Welt kommen wird, denn ich habe mich für einen geplanten Kaiserschnitt entschieden.

Ich habe mich dafür gehasst, war davon überzeugt, eine schlechte Mutter zu werden, weil ich mir die natürliche schöne Geburt nicht zutraue, mich nicht stark genug dafür fühle.

Ich reiße mein Kind in die Welt, obwohl er vielleicht noch nicht dazu bereit ist. Ich nehme ihm damit also die einzige Entscheidung, die er noch alleine treffen kann.

Die Geburt, kein Geburtserlebnis?

10 Monate habe ich mich damit beschäftigt, mich darauf vorbereitet, auf den Tag der Tage. Genaues Datum oder die spontane Geburt?

Ich war zur Kaiserschnittbesprechung sowie zum Geburtsvorbereitungskurs, richtig mit hecheln und so. Habe mir gesagt: Wenn er eher als am 09.10. kommen möchte, möchte ich ihm helfen, auf die Welt zu kommen, auf seine erste Reise begleiten, also spontan entbinden. Ich war also offen für alles.

Die große Angst vor dem Scheitern

Aber innerlich war ich ängstlich, ängstlich vor dem Gedanken, was passieren kann. Wenn meine Kräfte nachlassen, wenn mein Körper nicht kann. Wenn ich panisch werde, weil ich Stunden in den Wehen liege und das Kind vielleicht Probleme bekommt, irgendwas passiert, whatever, und alles nur wegen mir, weil ich schwach bin.

Ich kann nur sagen: Es ist kein schönes Gefühl bereit zu sein, eine Mutter zu werden und gleichzeitig Angst zu haben, schon bei der Geburt zu scheitern.

Ich möchte einen wunderschönen Start ins Leben für meinen Sohn. Mit einer starken Mama, die genau das tut, was sie am besten können sollte: beschützen! Und das kann ich ihm und mir nur garantieren, wenn ich weiß, dass ich nicht an meine Grenzen kommen werde, an denen ich vielleicht versage. Das könnte ich mir nicht verzeihen.

Ich gehöre jetzt zum "Team Kaiserschnitt"

Ja, klar, man funktioniert. Irgendwie kommt das Kind da schon raus. Ist und war mir bewusst. Aber ich fühlte mich dabei einfach nicht wohl. Und ich bin ein Mensch, ich höre auf meinen Körper. Also gehöre ich ganz stolz zum "Team Kaiserschnitt" - und finde es super.

Und dann ist da diese Rechtfertigung, ohne die es nicht geht.

Warum wird es denn so verurteilt? Warum will ich hier so einen Text schreiben, bei dem es darum geht, dass man sich als Kaiserschnittmama nicht rechtfertigen muss, aber schaffe es selbst nicht, mich nicht zu rechtfertigen?! Verrückt.

Bin ich schwach, weil ich keine stundenlangen Wehen durchlebe? Meinem Kind den natürlichen und ach so wichtig selbst entschiedenen ersten Schritt in die Welt nehme?

Es geht nicht um die Geburtsverletzung, die so eine natürliche Geburt mit sich bringt. Das ist mir völlig egal. Wenn es darum gehen würde, hätte ich normal entbunden und würde nicht die wochenlang anhaltenden Schmerzen der Bauchoperation durchleben. Jede Frau hat ihre eigene Geschichte und Gründe für einen gewünschten Kaiserschnitt.

Ein Hoch auf die Mamas, die ihre Schmerzgrenze mal erreichen wollen, ganz ohne PDA und sonstige Schmerzmittel - davor habe ich richtig Respekt. Ich wäre sehr gerne so bereit und so stark dafür.

Ich muss meine Schmerzgrenze nicht erreichen.

Diese Art von Geburtserlebnis brauche ich nicht. Ich wollte ein Baby auf die Welt bringen, mein Baby. Und richtig stark dafür sein.

Und jetzt, jetzt werde ich verurteilt. Mein Kind ist auf der Welt, es lebt und ist gesund. Aber jedes Mal muss ich erklären, warum ich einen Kaiserschnitt hatte. Nichts darauf zu sagen schaffe ich nicht, denn ich stehe dazu, bin stolz darauf, diese Entscheidung getroffen zu haben, nur so konnte ich eine starke Mama sein. Es gehört nun wahrscheinlich einfach dazu, dieses Rechtfertigen. Dann ist es so. Ich bereue es nicht, ganz und gar nicht. Es war alles perfekt!

Leben und leben lassen, glücklich sein und füreinander freuen. Ein neuer Mensch ist auf dieser Welt. Mein Mensch, mein Kind, mein Baby. Mein wundervoller, glücklicher und zufriedener Sohn!

Mein gewünschter Kaiserschnitt, mein Geburtsbericht!

Ein geplanter Kaiserschnitt wird in der Regel 7 Tage vor ausgerechnetem Entbindungstermin gemacht. Bei mir also der 10.10. - was ein schönes Datum!

Eine Woche vorher bekam ich von der Oberärztin jedoch einen Anruf, dass am 10.10. viele anderen Operationen anstanden, ob ich auch damit einverstanden wäre, wenn Jonah am 09.10. schon geholt wird. Ja klar - ich war ja eh der festen Überzeugung, dass er schon vorher kommt, und gar nicht bis dahin wartet.

War wohl nichts. Also stand der Geburtstag fest. Der 09. Oktober wird es also spätestens sein. Und, als wäre ein Ereignis am Tag nicht schön genug: Der 09. Oktober ist sogar der Kennlerntag von meinem Mann und mir.

In der Nacht vor der Geburt war ich gar nicht so aufgeregt, wie ich dachte. Ich war ja vorbereitet, ich wusste, was auf mich zukommt. Ich war eher voller Vorfreude, konnte es zugleich kaum glauben, dass ICH ein KIND bekomme. Ja klar, ich war schwanger, habe ihn strampeln spüren können, aber trotzdem ... Irgendwie war es immer noch nicht real.

Wenn dann auf einmal alles so schnell geht

Mein Tag begann schon um 4:30 Uhr, da war ich einfach schon immer wach, döste meistens wieder ein. Aber jetzt war ich hibbelig, die Zeit ging nicht rum. Also machte ich mir die Haare schön, schminkte mich richtig hübsch und suchte mir ein Outfit raus. Klar. Voll wichtig, wenn man gleich in den OP geschoben wird, locker die meiste Zeit vor Freude heult und eh eine Haube auf dem Kopf hat. Ich war also dezent overdressed.

Morgens um 7 Uhr kamen wir also im Kreißsaal meiner Wunschklinik an. Ich hatte Glück, denn keine andere Schwangere war sonst war im Kreißsaal, alle waren somit recht entspannt und gut gelaunt, haben sich sogar auf unsere Geburt gefreut – hey - und das für einen Montagmorgen!

Super hungrig und durstig kam ich in einen Raum, bekam mein schickes OP-Hemdchen, eine OP-Haube und 'ne Tablette mit einem 'Schnaps', zur Vorbereitung auf die OP, damit keine Magensäure hochsteigt. Auch der Zugang in der Hand wurde gelegt.

Und dann wurde es so ernst. Wir haben gleich unser Baby im Arm - also noch schnell ein letztes Gespräch von Papa zu Sohn durch die Bauchdecke.

Mein Mann wurde dann gebeten, sich umzuziehen. Als er wiederkam, ging es recht flott weiter. Ich wurde in den OP geschoben, jeder der 10 Leute im OP (warum auch immer so viele) hat sich richtig nett vorgestellt, jeder Schritt wurde mir erklärt.

Vollnarkose kam für mich nicht in Frage

Mein Mann musste draußen noch warten, da mir die Narkose noch gesetzt wurde. Bei einem Kaiserschnitt gibt es die Spinal-Anästhesie und die Vollnarkose. Bei der Vollnarkose darf der Mann nicht dabei sein und man selbst bekommt die Geburt auch nicht mit, das kam für mich nicht in Frage.

Also wurde mir für die Spinal-Anästhesie das Narkosemittel in den Rücken gespritzt, das macht Alles ab unter der Brust taub. Um die Narkose zu setzen, macht man den Rücken einmal ganz rund (also so, wie es die Kugel halt zulässt), Schultern hängen lassen, und dann stochern die da etwas rum, um den richtigen Punkt zu finden.

Schmerzhaft? Nein. Unangenehm eher, ist halt 'ne Nadel, aber wirklich nicht tragisch - und ich bin eine totaaaaale Schmerzmimose!

Dann fängt es an zu kribbeln und jucken, als wäre ein Bein eingeschlafen. Und das halt überall. Man denkt, man kann das Bein noch anheben, aber es geht einfach nicht. Ganz verrücktes Gefühl, total spannend! Auch wird der Blasenkatheter gesetzt, das merkt man zum Glück auch nicht.

Das Tuch wurde hochgespannt, dann kam endlich mein Mann, setzte sich an meine Seite und hielt meine Hand. Es ging los. Schon einige Minuten später hörte ich die Ärzte sagen, dass sie das Baby sehen, es ruckelte in meinem Körper.

Man merkt also, dass was gemacht wird, aber man hat absolut keine Schmerzen, kein bisschen!

Da ich schon relativ viele Wehen zum Ende der Schwangerschaft hin hatte, lag das Baby relativ tief, sodass er mit der Saugglocke rausgeholt werden musste (deswegen hat er auch so eine Beule am Kopf, die vergeht aber). 

Punkt 9 Uhr war er also da:

Der erste Schrei, das Baby ist geboren. Mein Baby, mein Sohn: Jonah Elija!


Direkt ging es mit meinem Mann zur Untersuchung in den Nebenraum, alles gut! Gemessen: 47 cm, gewogen: 2770 Gramm, trocken gerubbelt und ab zu mir auf die Brust für das erste Bonding zwischen Mutter und Kind. (Macht das unbedingt, macht nicht jede Klinik, aber es ist so viel wert!)

Jonah schrie die ganze Zeit, während der Untersuchung, erst auf meiner Brust war er plötzlich still. Ich konnte ihn halten und habe unser Lied gesungen, was ich die ganze Schwangerschaft über schon gesungen hatte. Direkt war er beruhigt, hatte die Augen ganz weit auf und schaute ganz vertraut. Er hatte mich erkannt, meinen Herzschlag, meine Stimme. Das war das absolut schönste Gefühl!

Ich bin eine Mama. Ich habe ein Baby geboren, oder gebären lassen - wie auch immer. Er ist gesund, so wunderschön und friedlich. Ich hätte mir kein schöneres Geburtserlebnis vorstellen können. Ich war zu 100 Prozent dabei, gut vorbereitet und stark.

Von daher kann ich voller Stolz sagen: Ich hab alles richtig gemacht!

Text (gekürzt) von Tamara Strawe, ursprünglich erschienen auf tamaracuja.de. Dort erfahrt ihr auch, wie es der jungen Familie in den Tagen nach der Geburt erging.

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