Stillen bis der Schulbus kommt: Na und?

Maha Al Musa ist Bauchtanzlehrerin und Mutter. Womit sie international Aufsehen erregt: Sie stillt ein Schulkind - ihre sechsjährige Tochter Aminah.

Dem Kind gefällt's

Ein Kind sollte so lange und oft gestillt werden, wie es das wünscht, findet die Australierin Maha Al Musa (52). Und stillt ihre sechsjährige Tochter Aminah, wann immer sie das will. "Sie sagt zu mir: 'Mummy milkie', und egal, was ich gerade mache, sie darf an die Brust", erzählte sie dem australischen Magazin "Women's Day". Mit dem Stillen befriedige sie nur ein natürliches Bedürfnis ihrer Tochter - auch gern noch ein paar Jahre länger.

Schwester Nelle mit dem kleinen Pelle im Kinder-Hospiz Sternenbrücke

"Vielleicht höre ich auf, wenn ich acht bin", sagt Aminah

Das Grundschulkind liebt das Ritual. Die Milch "schmecke manchmal wie Zuckerstangen, sie schmeckt nach vielen verschiedenen Sachen", schwärmt sie in "Women’s Day". Und dass sie das Trinken an der Brust so genießt, dass sie wohl noch ein paar Jahre weitermacht: "Vielleicht höre ich auf, wenn ich acht bin."

Nur ein Zankapfel unter vielen

Maha glaubt an die positiven Effekte des langen Stillens - und erntet dafür auch Häme und Kritik. Sie möchte, dass die Gesellschaft endlich aufhört, Mütter zu verurteilen. Zur Frauen-Website "Mamamia" sagte sie: "In einer idealen Welt sollten wir die Entscheidung einer Mutter akzeptieren, das zu tun, was für sie, das Kind und ihre Umstände am besten ist. Das sollte kein Thema sein."

Brust oder Flasche? Tatsächlich ist das Stillen ideologisch so aufgeladen, dass es immer noch erbitterte Mommy Wars auslöst. So wie viele andere Entscheidungen auch, die Eltern treffen müssen: Hausgeburt oder Klinik? Kinderwagen oder Tragetuch? Impfen oder nicht? Schnuller ja oder nein? Egal, wie die Entscheidung ausfällt - Mütter können sicher sein, zumindest das Stirnrunzeln der gegnerischen Fraktion zu ernten.

Jahrelanges Stillen - spricht eigentlich was dagegen?

Es gilt als erwiesen, dass Stillen das Immunsystem des Babys stärkt, die Bindung zwischen Mutter und Kind festigt und den Nachwuchs sogar klüger macht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, Babys bis zu ihrem ersten Geburtstag die Brust zu geben - besser noch länger.

Gegen das Stillen bis ins Schulalter spricht aus biologischer Sicht offenbar nichts. "Es besteht eher die Frage, ob es Auswirkungen auf die seelische und mentale Entwicklung hat", sagte Professor Berthold Koletzko, Mitglied der deutschen Stillkommission, zu "Spiegel Online". Und verweist auf eine "mangelnde Triangulierung" bei lange gestillten Kindern: "Sie können sich nicht ausreichend von der Mutter abnabeln und wenig engen Kontakt zu anderen Personen wie etwa dem Vater aufbauen."

Mangelnde Mutter-Kind-Bindung bei Flaschenkost, eine zu große Nähe durch langes Stillen: Mütter können es offenbar nur falsch machen. Machen wir, was wir für richtig halten.

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