Mama macht jetzt mal Urlaub - für drei Monate!

Gute Mütter sind immer für ihre Familie da. Diese nicht. Barbara war ganz allein in Australien. Zum Kitesurfen. Für drei Monate! Warum sie sich diese Auszeit gegönnt hat.

Auf einer Party erzählte ich einem mir bekannten Vater von meinem Plan, für drei Monate nach Australien zu gehen. Er sagte: "Wenn du meine Frau wärst, würde ich dir was erzählen. So etwas käme bei uns überhaupt nicht infrage." Bei uns schon. Gut so.

Ich brauchte dringend eine Veränderung. Was Großes, Einschneidendes. Keine Ayurveda-Kur, keine Yogareise. Ich war einfach nicht mehr besonders gut in meinen Jobs als Mutter von drei Kindern, Ehefrau, Hausfrau und Tochter einer betagten Mutter. Nebenbei arbeitete ich etwas, um nicht ganz den Anschluss zu verlieren.

Ich wollte nie eine "Meckertante" werden

Ich hatte mir das so ausgesucht und tat es gern, doch irgendwann waren die Akkus alle und die Motivation im Keller. Das hat auch meine Familie gespürt, die Kinder nannten mich "Meckertante". So wollte ich nie werden.

Immer häufiger dachte ich an die Dinge, für die so lange kein Raum gewesen war: meinen Beruf als Journalistin, der so viele interessante Begegnungen mit sich gebracht hatte, den Sport, die Reisen, die Bestätigung von außen.

Schließlich überlegten wir in der Familie, ob ich eine Auszeit nehmen sollte - von der Familie. Ich gebe zu, ich habe nicht lange gezögert. Ich wollte reisen, vielleicht ein Buch schreiben, Kitesurfen lernen und mal keine Verantwortung tragen. Ob ich das überhaupt noch konnte: wieder ganz allein zurechtkommen?

Kommen die Kinder ohne mich klar?

Natürlich habe ich darüber nachgedacht, wie das mit den Kindern werden soll. Aber: Wenn unser Jüngster auszieht, werde ich 25 Jahre lang Kinder erzogen haben. Da würden die doch mal drei Monate ohne mich auskommen können, oder?

Ich kam zu dem Schluss: Ja. Werden sie. Es wird keiner verwahrlosen. Schließlich haben die Kinder ja auch noch einen Vater.

Die Kinder haben mich tatsächlich nicht besonders vermisst. Das hat mir zuerst wehgetan, später war es eine Erleichterung. Denn: Ich habe sie auch nicht besonders vermisst. Manchmal haben wir stundenlang über Skype miteinander gesprochen und uns dabei so gut unterhalten wie lange nicht mehr.

Sie sind selbstständiger geworden, und mein Mann weiß jetzt genau, was es bedeutet, meinen Job zu machen. Während ich weiß, dass ich nicht unersetzlich bin. Große Erkenntnisse auf allen Seiten.

Australien gab mir die Lockerheit zurück

Drei Monate war ich in Australien und bin entspannt und fröhlich zurückgekommen. Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes Ballast abgeworfen und viel abgenommen. Ich habe meine Erfahrungen aufgeschrieben und eine aufregende Sportart gelernt. Und bin wieder locker im Umgang mit den Kindern.

Ich gebe zu: Es war nicht alles nur einfach in Australien. In den ersten Tagen saß ich am Strand, wusste nichts mit mir anzufangen und fühlte mich uralt unter all den jungen Surfern. Keiner sprach mit mir, und ich traute mich nicht, auf andere zuzugehen.

Ich dachte an den bevorstehenden Geburtstag unserer Tochter, der erste, an dem ich nicht bei ihr sein würde. Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Aber mit jeder Woche wurde ich klarer. Vieles war mir irgendwann einfach egal.

Die Kritik anderer Mütter überraschte mich

Auch die Kommentare der anderen Mütter zu Hause in Deutschland. Da wurde viel geredet, Gutes und Schlechtes. Einige fanden, dass man so was als Mutter nicht macht: drei Kinder, das Jüngste erst acht, das Älteste mitten in der Pubertät - ja, geht's noch?

Es hat mich überrascht, dass so viele Frauen kein Verständnis für mich hatten, während die meisten Männer mein Vorhaben mutig fanden.

Ich finde: Man kann andere nur dann glücklich machen, wenn man selbst glücklich ist. Wie das geht, muss jeder für sich selbst herausfinden. Natürlich muss (und kann) nicht jede einmal um die Welt fliegen, das ist mir klar. Ich bin sehr dankbar, dass ich es konnte.

Ich glaube, ich habe meinen Töchtern gezeigt, dass man etwas verändern muss, wenn man nicht mehr glücklich ist. Ich hoffe jedenfalls, dass sie auch ein bisschen stolz auf mich sind. Ich bin es nämlich.

Ein Artikel aus BRIGITTE MOM
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