"Mein Arsch lag auf Glatteis": Eine Mutter erzählt von der großen Angst um ihr Baby

Bestenfalls ist eine Schwangerschaft eine wunderschöne Glückszeit voller Freude. Doch es gibt auch schwierige Schwangerschaften – und unerfüllte Kinderwünsche. An all die Momente voller Bangen, Hoffen und Warten, die solche Erlebnisse mit sich bringen, erinnert die dreifache Mama Jenny mit diesem Bild aus ihrer Schwangerschaft.

"Hier ein Foto von mir. In der Hälfte der Schwangerschaft angekommen. Mit ausgereiften vorzeitigen Wehen. Mit einem Herz voller Angst und Sorgen. Im Gesicht die Scham geschrieben. In dem anderen kleinen Gesicht Tausende von Fragen. Angst um die eigene Mama. Irgendwo zwischen Lungenreifung und Wehenhemmer. Mein Arsch lag auf Glatteis.

Diese sehr berührenden Worte schreibt Mama-Bloggerin Jenny alias "dreikleinewolfs", Mutter von drei Kindern, zu einem Bild von sich aus dem Krankenhaus. Sie liegt erschöpft auf einem Bett, ihr Babybauch ist verkabelt, an ihre Beine kuschelt sich verängstigt eines ihrer Kinder. Jenny beschreibt Momente, in denen sie große Angst um das Leben ihres Kindes hatte. "Meine Nerven an einer scharfen Klinge. Vorwürfe. Fragen. Und nach einer Fehlgeburt und dieser Schwangerschaft immer wieder dieser eine Satz ganz tief in mir drin – eine Schwangerschaft ist nichts Selbstverständliches. Ein gesundes Kind auch nicht".

Jenny hat das Bild veröffentlicht, um darauf aufmerksam zu machen, dass viele Frauen und mit ihnen ihre Familien unter schwierigen Schwangerschaften leiden, während andere ihr Glück unbeschwert zelebrieren können: "Instagram macht Schwangerschaften zu Events. Zu einer Sache, die von außen betrachtet völlig selbstverständlich passiert. Die Frauen sind hübsch. Die ganze Familie wie aus dem Bilderbuch. Das ganze Leben fein abgestimmt in einem Feed aus Bildern. Ganze Genderouting Partys werden online zelebriert."

Nichts, was mit einem anderen Lebewesen zu tun hat, ist selbstverständlich.

Zum #dickbauchdienstag, an dem so viele Frauen auf Instagram jede Woche glückliche Bilder ihrer Babybäuche teilen, möchte Jenny an all jene Familien erinnern, deren so sehnlich erhoffte Glückszeit durch unglaublich schwere Momente verdunkelt wird: "Und dann gibt es noch die Familien, die da draußen innehalten. Die hoffen und bangen. Die Kinder verlieren. Die keine gesunden Kinder erwarten. Die Sorge und Angst um ihr ungeborenes Kind tragen. Die, die all ihre Worte und Zeilen zwischen Tränen, Entscheidungen oder Klinikbesuchen verlieren. Die Frauen, welche niemals einen erfüllten Kinderwunsch in sich tragen werden. Die Frauen, welche unendlich unter einer Schwangerschaft leiden. Weil man das nämlich eigentlich auch darf! Es ist ein zerreißen mit der Moral und den Vorstellungen eines selbst und der Umwelt. Frauen und Männer, die schmerzlich feststellen, dass all der 'Zauber' eventuell doch gar nicht so selbstverständlich ist. Nichts, was mit einem anderen Lebewesen zu tun hat, ist selbstverständlich". 

Jennys Post schließt mit emotionalen Worten: "Anlässlich des heutigen #dickbauchdienstag, geht das raus an alle, die auch keine "Bilderbuch"-Schwangerschaft, Geburt oder Familie bei sich tragen. Ihr seid toll. Ihr seid Helden ❤️"

Hebamme Kareen Dannhauer

"Danke für diese Worte!"

Wie wichtig solche gedankenvollen Worte und Zusammenhalt gerade auch in schwierigen Momenten sind, die uns an die Grenzen des Ertragbaren und Begreifbaren bringen, zeigen die vielen dankbaren Reaktionen auf Jennys Worte. Eine Frau schreibt: "Oh jaaa! Danke für deine tollen Worte! Auch ich habe gezittert.... halte durch🙏🏽✨❤️💋". Eine andere postet: "Danke für diese Worte! Genauso erging es mir!!!"

Jennys Post ist ein wunderbarer Beweis dafür, dass Soziale Medien nicht nur gut sind, um die guten Zeiten zu feiern. Sie können auch in schweren Zeiten helfen, Menschen zu finden, die Mut machen können, die Trost spenden, auffangen und verstehen, wenn man selbst nicht mehr weiter weiß. Diese wunderbare Erfahrung machte auch Mama-Bloggerin Diana June, als sie im Dezember 2018 ihr Baby verlor. Hier erzählt sie, wie der große Beistand ihrer Community ihr dabei half, die Trauer um ihr Kind zu ertragen: Diana June: "Die Hoffnung hat mir nach dem Tod meines Kindes das Leben gerettet".

mh
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