Warum berufstätige Mütter nerven

... und warum Unternehmen sie trotzdem brauchen, erklärt Bloggerin Jette von Halbesachen.net.

Das Blog: Halbesachen.net Die Blogger: Jette und Olli sind verheiratet, Eltern zweier Kinder, berufstätig (beide in Teilzeit) - und in fast allen Dingen des Alltags gleichberechtigt. Das gefällt uns: Wir teilen uns als Eltern alle Aufgaben! Was so cool und modern klingt, ist im Alltag nicht immer einfach. Über Erfahrungen, Hürden und Vorurteile bloggen die beiden ehrlich und unterhaltsam.

Machen wir uns nichts vor: Die meisten Mütter arbeiten nicht Vollzeit (verstanden als 40-Stunden-Woche) und selbst wenn, dann arbeiten sie irgendwie zu "komischen" Zeiten. Wenigstens muss es für Nicht-Eltern so aussehen: Gefühlt kommen sie quasi mitten in der Nacht ins Büro und gehen kurz nach dem Mittagessen.

Bleiben wir ehrlich: Das nervt gewaltig!

In einem Team aus Kollegen, von denen einer – oder schlimmer noch: mehrere – in Teilzeit arbeiten, passieren zwangsweise früher oder später eines – oder schlimmer noch: mehrere – der folgenden Dinge.

Hier meine ganz persönlichen Top 3, warum Eltern-Kollegen, besonders in Teilzeit, echt nerven:

1. Das Kind ist krank!

Gerade zu dieser Jahreszeit ein Klassiker: Nicht mal im Labor des Tropeninstituts gibt es so viele Viren und Bakterien pro Quadratmillimeter wie in einem gewöhnlichen deutschen Kindergarten.

Aber im Büro naht der Abgabetermin für das Projekt oder die Kollegin hat Urlaub und die Schicht ist eh schon unterbesetzt? Sicher hat die Mutter jemand anderen, der sich um das Kind kümmern kann.

Liebe Kollegen ohne Kinder – nein. Denn was ihr im Zweifelsfall nicht wisst: Es ist der vierte Infekt in fünf Wochen, aller Bonus bei Oma und Opa ist schon aufgebraucht, der Vater hat das letzte Mal übernommen (außerdem ist er sowieso grad auf Dienstreise) und bei Magen-Darm findet man für kein Geld der Welt einen freiwilligen Babysitter. Aber seid gewiss:

Eure Kollegin wünscht sich auch grad ins Büro! Egal wie sehr wir unsere Kinder lieben: 20 Mal in acht Stunden die Betten neu zu beziehen und das 398. Mal das gleiche Conni-Hörbuch zu hören, macht niemandem Spaß!

2. Das Urlaubsplanungs-Tetris

Niemand bekommt durch Kinder mehr Urlaubsanspruch. Also sollte die Urlaubsplanung für und mit Eltern ja eigentlich kein Problem sein (dass es das manchmal doch ist, könnt ihr hier nachlesen). Was aber echt nervt, ist, dass die Urlaubspläne von Eltern in den meisten Fällen nicht verhandelbar sind. Die kommen um die Ecke und sagen: Da und da und da brauche ich Urlaub. Punkt. Ende der Diskussion.

Ist halt doof, wenn man mehrere Eltern im Team hat oder wenn, Super-Gau, die kinderlosen Arbeitnehmer auch mit Lehrern verbandelt sind und ebenfalls in den Ferienzeiten Urlaub haben wollen. Wirklich nervig.

Aber mal unter uns: Tetris haben wir doch alle gern gespielt. Und auch wenn es mit Planungs- und Organisationsaufwand verbunden ist: Es hat noch immer irgendwie geklappt. Ich bin davon überzeugt: Das wird es auch in Zukunft. Außerdem ist diese Zukunft rosig: Je größer die Kids werden, umso flexibler werden wir wieder. Versprochen.

3. Spontanität ist Mangelware

Keine Schicht, die spontan übernommen wird. Meetings um 5 werden von den Müttern in Teilzeit meistens abgesagt. Wenn urplötzlich Mehrarbeit ansteht, dann gehen sie trotzdem zur üblichen Zeit. Super nervig. Richtig, richtig ätzend.

Meiner Erfahrung nach sagen die teilzeitarbeitenden Mütter und Väter allerdings häufig: "Ich muss das klären." Und können dann doch die Schicht/den Termin/die zusätzliche Aufgabe mit nur etwas mehr Vorlauf übernehmen.

Denn Arbeitnehmer in Teilzeit wissen um ihren schlechten Ruf und versuchen alles, um dem entgegenzuwirken! Ihre Loyalität ist legendär: Bevor sie wegen kranken Kindern einen wichtigen Termin absagen, haben sie alle anderen Möglichkeiten dreimal geprüft.

Glaubt ihr nicht? Ich habe meinen Vater mal mit nur 20 Stunden Vorwarnung 500 km quer durch die Republik gejagt, als unsere Betreuung für Kind Einhalb sich kurzfristig zerschlug. Dabei musste ich "nur" auf einen Kongress (Danke Papa!).

Und trotzdem: Elternzeit schafft bessere Arbeitnehmer

Das zeigt schon, es ist eigentlich nicht nur doof, mit den arbeitenden Eltern. Im Gegenteil: Ich sehe es sogar vielmehr so, dass sie einem Unternehmen große Vorteile bringen.

Elternzeit sollte als berufliche Weiterbildung anerkannt und steuerlich absetzbar sein. Dabei ist es völlig unerheblich, in welchem Beruf die Eltern tätig sind. In dieser Zeit lernen alle Eltern ein paar wesentliche Fähigkeiten, die universell einsetzbar sind und jeden Betrieb bereichern.

Das elterliche Organisationstalent übersteigt bei Weitem alles, was jemals in Kursen vermittelt werden kann. Wer einmal die Reisevorbereitungen einer Familie mit Kleinkind beobachtet hat, der wird nie wieder bezweifeln, dass Eltern Meister des strategischen Denkens, der Organisation und der generalstabsmäßigen Vorbereitung sind. Dabei ist es von beindruckender Unerheblichkeit, ob es sich um einen Ausflug zum Spielplatz, einen Wochenendtrip oder den dreiwöchigen Familienurlaub handelt. Weder der Aufwand, noch die Gepäckmenge sind diesbezüglich größeren Schwankungen unterworfen.

Wenigstens ist das beim ersten Kind so. Mit steigender Kinderzahl perfektionieren die Eltern ihre Kenntnisse der optimalen Priorisierung verschiedener Aufgaben. Das greift insbesondere, wenn die Kinder zahlenmäßig den betreuenden Erwachsenen überlegen sind.

Beispiel gefällig? Stellen wir uns einfach folgende Situation vor:

Samstagmorgen, die Familie sitzt am Frühstückstisch und alle genießen es, nicht hektisch, nörgelnd und meckernd zum Zeitpunkt x an Ort y sein zu müssen. Da schmeißt der/die Kleinste seinen Trinkbecher oder besser noch Papas Becher mit heißem Kaffee um. (Dabei gilt die Gleichung: Je voller der Tisch, desto klebriger, und je kleiner das Kind, desto heißer der Inhalt – egal wie weit Becher und Kind voneinander entfernt waren.) Die nächstgrößeren Kinder sind bereits mit dem Frühstück fertig und beschäftigen sich allein. Das mittlere Kind malt ein Bild. Jedoch nicht auf dem dafür bereit gelegten Blatt, sondern auf der frisch gestrichenen Wand. (Hier gilt grundsätzlich: Je teurerer die Wand-, desto weniger abwaschbar die Malfarbe.)

Währenddessen hat das größte Kind in der Schule von dem Mentos-Cola-Versuch gehört und von seinem Taschengeld unbemerkt die Zutaten erstanden. Jetzt ist es damit beschäftigt, einen beliebigen Bereich der Wohnung (tendenziell eher nicht die gefliesten Räume) unwiederbringlich zu zerstören. In diesem Moment klingelt der DHL-Bote mit der Lieferung Schuhe für Mama. Worum kümmert ihr euch zuerst?

(Lösung siehe unten)

Pragmatisch und knallhart im Verhandeln

Außerdem sind Mütter gute und vor allem schnelle Analytiker und Problemlöser. Maximal 30 Sekunden beträgt die Zeitspanne zwischen Tiefschlaf über Situationsanalyse bis zur richtigen Lösung, egal ob Brust/Fläschchen, Schnuller, frische Windel oder aufstehen und stundenlang mit Baby durch die Wohnung tigern.

Eltern sind knallharte Bestimmer Verhandler, sind sie doch täglich im Training. Aber sie wissen auch, wann sie verloren haben. Dann gehen Eltern ohne mit der Wimper zu zucken direkt zur pragmatischsten Lösung über und schrecken auch vor unkonventionellen Maßnahmen nicht zurück.

Eltern fördern das Betriebsklima

Streudeko ist für Menschen unter 1,20 m eine wichtige Zutat - Menschen über 1,20 m schmeckt sie allerdings selten.

Je geringer die Stundenzahl, desto weniger Zeit bleibt für Kaffeeklatsch. Vielmehr arbeiten Mütter konzentriert ihre Aufgaben ab. Nehmen sie sich doch mal Zeit für ein Schwätzchen, dann leisten ihre amüsanten bis abstrusen Geschichten aus der Parallelwelt "Leben mit Kind" einen wertvollen Beitrag zum Betriebsklima.

An regnerischen, nasskalten Herbsttagen backen viele mir bekannte Eltern mit ihrem Nachwuchs als Zeitvertreib. Allerdings kann das ganze süße Zeug natürlich nicht von den Kids verdrückt werden. Ihr wisst schon, der böse weiße Zucker und überdrehte Kinder zur Bettzeit. Mama und Papa kämpfen noch mit den letzten Pfunden der (Co-)Schwangerschaft und lehnen auch dankend ab.

Wer profitiert? Die Kollegen. Sie müssen nur den Zuckerguss in komischen Farben abkratzen und schon können sie Muffins zum morgendlichen Kaffee genießen.

Darüber hinaus sind Mütter super Begleiterinnen auf Dienstreisen. Die übliche Handtasche der Mutter mit Kind zwischen 2-5 Jahren umfasst Feuchttücher, Desinfektionsgel, Pflaster, Taschentücher und was zu Knabbern. Häufig auch Schnuller, Windel und Spielzeug – aber ich hoffe für euch alle, dass die Kollegen hiervon keinen Gebrauch machen wollen.

Last but not least: Ich konnte neulich zudem bei den kinderlosen Kolleginnen punkten, indem ich sie mit aktuellen Disney-Filmen versorgte (dass das Kind Einhalb noch kein Fernsehen schaut, habe ich nicht erwähnt).

Das Fazit muss also lauten:

Ja, Arbeitnehmer/Kollegen in Teilzeit mit Kindern sind eine Herausforderung, besonders für kleine Unternehmen. Aber wenn man sich darauf einlässt, können sie ebenso eine Bereicherung sein. Für das Unternehmen, für die Kollegen und – Achtung, jetzt wird's politisch – auch für die Gesellschaft. Denn in ihrer "freien" Zeit kümmern sie sich um nicht weniger als die zukünftigen Steuer- und Rentenzahler.

Lösung des Frühstückstisch-Dilemmas

Wer immer noch überlegt, was er am oben beschriebenen Frühstückstisch getan hätte - die richtige Lösung lautet selbstverständlich: sich um den DHL-Boten zu kümmern. Der Kaffeebecher gehörte ja eh Papa, also muss er auch aufwischen. Ob die Wand noch einen oder zwei Striche mehr abbekommt, ist jetzt auch schon egal. Das Mentos-Experiment kriegt ihr eh erst mit, wenn die Cola explodiert ist. Aber beim DHL-Boten habt ihr 'ne Chance. Allerdings liegt das Zeitfenster hier nur bei etwa 10 Sekunden. Also los jetzt!

Text von Jette Kilian, ursprünglich erschienen auf Halbesachen.net.

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