Sieben Jahre gefangen im Kinderwunsch: So qualvoll kann der Weg zum Baby sein

84 Monate lang hofften Julie von Bismarck und ihr Mann John vergeblich auf ein Kind. Wie schwer es sein kann, jahrelang um die Erfüllung seines Kinderwunsches zu kämpfen, und warum sie und ihr Mann die Hoffnung trotzdem nie aufgegeben haben, erzählt Julie jetzt, um anderen Menschen in ähnlichen Situationen zu helfen. Dieser Text enthält einen Affiliate Link

84 Monate: Wenn Aufgeben keine Option ist

"Ich sehe zu, wie sich mein Blut in der Toilette verteilt. Hellrote Muster bilden sich, die zu ständig wechselnden Formen verschwimmen. (...) Heute ist es das 84. Mal, dass ich statt eines positiven Schwangerschaftstests einen Klumpen blutigen Toilettenpapiers in der Hand halte. Es ist der 84. Monat, in dem ich versucht habe, schwanger zu werden. Es ist das 84. Mal, dass sich größte Zuversicht und Hoffnung in größter Trauer und Verzweiflung auflösen. Sieben Jahre meines Lebens, die ich dem Wunsch nach einem Kind untergeordnet habe. Vergebens." 

Als die Pferdeexpertin Julie von Bismarck ihren künftigen Mann John kennenlernt, ist es Liebe auf den ersten Blick. "Ich hatte ihn gesehen und in dem Moment gewusst, dass dies der Mann ist, mit dem ich um jeden Preis mein Leben verbringen wollte. Und ihm war es mit mir genauso ergangen", erinnert sich Julie. Die beiden sind überglücklich und unbeschwert, sie heiraten und Julie wird bald schwanger.

Den überwältigenden Moment, in dem der Herzschlag des Babys auf dem Ultraschallmonitor erscheint, werden die beiden nie vergessen. Doch dann beginnt eine siebenjährige Leidensgeschichte: Julie hat eine Fehlgeburt.

Julie von Bismarck und ihr Ehemann Björn (der im Buch John heißt) - sieben Jahre lang kämpften sie um die Erfüllung ihres Kinderwunsches. Wie qualvoll für sie der Weg zum Baby war, schildert Julie von Bismarck sehr offen und berührend in ihrem Buch "84 Monate – Sieben Jahre gefangen im Kinderwunsch".

"Unser Baby war das größte Wunder und das größte Geschenk unseres Lebens. Sowohl für John als auch für mich. Später erzählte er mir, dass dieser Moment, in dem er zum ersten Mal das Herz unseres Kindes hatte schlagen sehen, der überwältigendste seines Lebens gewesen sei. Für mich war er das auch", schreibt Julie von Bismarck in ihrem Buch "84 Monate: Sieben Jahre gefangen im Kinderwunsch", in dem sie jetzt ihre schmerzliche Geschichte erzählt (Piper Verlag, ISBN: 978-3-492-06163-6).

Sie beschreibt was es bedeutet, wenn das sehnlich erhoffte Wunschkind einfach nicht kommt. Wie hart es sein kann, auf die Unterstützung der Kinderwunschindustrie angewiesen zu sein, wenn all die Behandlungsmethoden, die weltweit schon Millionen von Menschen zum Kind verholfen haben (Statistik Deutsches IVF-Register), nicht funktionieren . Und wie eine Beziehung solchen Herausforderungen standhalten kann.

Die Entscheidung, diese schwere persönliche Geschichte zu veröffentlichen, war nicht leicht für sie. Doch Julie von Bismarck hofft darauf, dass ihre Geschichte anderen Menschen in ähnlichen Situationen Trost und Hoffnung spenden kann. "Ich möchte zeigen, wie hart der Weg zum Kind sein kann. So viele Menschen sind von diesem Thema betroffen, aber nur wenige wagen es, offen darüber zu sprechen. Ich glaube, es würde helfen, wenn wir offener damit umgehen könnten." 

"Alles stand still"

Als Julie und John vom Tod ihres Babys erfahren, zerbricht ihre Welt. In ihrem Buch erzählt Julie von dem Moment des niederschmetternden Ultraschalls: "Der Arzt sagte nichts. Stumm suchte er weiter. Dann, nach einer Ewigkeit, sagte er die Worte, die unser Leben zerstören sollten: 'Ich sehe keinen Puls.' Ich fühlte mein Herz bei vollem Bewusstsein stillstehen und mein Blut stocken. Als hätte mich jemand schockgefroren. Das konnte nicht sein, das war bestimmt ein Irrtum! Wenn mit dem Baby etwas nicht in Ordnung gewesen wäre, hätte ich das doch gemerkt! Sicher war nur irgendetwas im Weg, was den Blick auf das Herz versperrte. Ich wollte ihn anschreien, er solle weitersuchen, das könne nur ein Irrtum sein – aber mein Mund bewegte sich nicht. Es bewegte sich gar nichts mehr. Mein Herz, mein Blut, meine Nervenzellen, mein Gehirn – alles stand still. So wie das Kind in meinem Bauch."

Nach der Fehlgeburt wird Julies Gebärmutter ausgeschabt. "Sie können jederzeit wieder schwanger werden" - versichern ihr die Ärzte immer wieder. Julie und John sind lange Zeit verzweifelt vor Trauer um ihr verlorenes Kind. Doch die Hoffnung bleibt. Julie und John hoffen weiter auf ein Kind. 

Julie ordnet ihr ganzes Leben dem Kinderwunsch unter

Wie so viele Frauen, die den Wunsch nach einem Kind in ihrem Herzen tragen, ordnet Julie ihr ganzes Leben dem Kinderwunsch unter. Sie verkauft ihr geliebtes Pferd, verzichtet auf Alkohol, Kaffee und Sport, Sex nach Terminkalender bestimmt ihre Partnerschaft. 

Mit dem Überschreiten dieser Schwelle, dem gezielten Verabreden zum Sex während der fruchtbaren Tage, setzt ihr leidvoller Weg sich fort. Denn auf natürlichem Wege kommt es nicht mehr zu einer Schwangerschaft. Also wenden Julie und John sich irgendwann an eine Kinderwunschklinik, entschließen sich zu Hormonbehandlungen, künstlicher Befruchtung und schließlich zu Embryonentransfer. 

All diese Versuche scheitern – doch selbst unter größten Qualen bringen Julie und John es nicht über sich, ihren Kinderwunsch aufzugeben. Immer haben sie die Hoffnung machenden Worte der Ärzte im Kopf, fürchten sich davor, vielleicht doch die eine, entscheidende Chance zu verpassen. Sie habe immer weiter daran geglaubt, wieder schwanger werden zu können, berichtet Julie in "84 Monate":

In jedem Zyklus wieder. Auch in diesem letzten. Die Spritzen, die Hormone, die Nebenwirkungen, die Operationen, die Vollnarkosen, die brutalen Schmerzen. Die Hoffnung, diese immer wieder aufkommende riesige Hoffnung. Seit sieben Jahren hoffen, seit sieben Jahren zusehen, wie die Hoffnung zerstört wird, neue Hoffnung aufbauen. Immer und immer wieder. Immer umsonst.

Der Kinderwunsch wird zu einer Zerreißprobe für die Beziehung. Mit jedem negativen Schwangerschaftstest wächst ihre Verzweiflung, ebenso wie die Entfremdung von ihrem sozialen Umfeld, denn Familienmitglieder und Freunde reagieren im Laufe der Zeit zunehmend verständnislos auf ihr Leid und gehen auf Distanz. Trotzdem kämpfen Julie und John weiter mit Kinderwunschbehandlungen um ihr sehnlich gewünschtes Kind. Die zunehmende Isolation, die enormen Kosten, die Medikamente und Nebenwirkungen, die erniedrigenden Situationen, die Spritzen und Schmerzen – all das nehmen sie in Kauf, um ihren großen Wunsch zu erfüllen. 84 Monate lang.

Oftmals spendet Julie in dieser Zeit besonders ihr Hund Henry Trost, der oben auf dem Bild zu sehen ist.

Schonungslos und ehrlich erzählt Julie von Bismarck in ihrem Buch "84 Monate" vom Verlust ihres Kindes und den Belastungen der Kinderwunschbehandlungen bis hin zu den Grenzen, die sie auf einmal zu überschreiten bereit ist, um ein eigenes Kind zu bekommen – und darüber, was dabei vom Leben übrig bleibt …

Julie erinnert sich in ihrem Buch: "Wie oft habe ich mir in den letzten sieben Jahren ausgemalt, wie wir unseren Kindern die schönste aller Kindheiten schaffen würden. Wie unsere Kinder von morgens bis abends durch die von Sonne und Heu und Lerchen und Sommerregen erfüllten Tage streifen würden, von Wärme durchdrungen, unbeschwert und glücklich. Wie meine Tochter das Pony bekommen sollte, das ich nie hatte, wie mein Sohn mit seinem Vater ein Baumhaus bauen würde. Wie wunderschön es alles werden würde für unsere Kinder. Und für uns. Jedes Mal, wenn ich andere Kinder beobachtete, dachte ich an unsere eigene Familie. "

Von den unzähligen Ärzten und Spezialisten, die sie aufsuchen, so berichtet Julie, wird ihnen immer wieder versichert, wie hervorragend ihre Voraussetzungen sind. Bis sich schließlich herausstellt, dass das nicht stimmt. Nach sieben Jahren, so berichtet Julie von Bismarck, stellt ein Arzt schließlich klar, dass ihre Gebärmutter durch die Operationen nach dem Verlust ihres Kindes ihre Funktionsfähigkeit verloren hat.

Zuerst sind Julie und ihr Mann einfach nur wütend auf die Ärzte, die über all die Jahre ihre Zeit verschwendet haben. "Das Geschäft mit der Hoffnung, das Geschäft mit der Verzweiflung, es scheint ziemlich lukrativ zu sein", so ihr Fazit. Vielleicht, so vermuten sie, habe so mancher der Ärzte sein Handeln mit dem Gedanken gerechtfertigt, dass es ja doch immer wieder "Wunder" gebe.

Ein Baby für Julie und John

Doch schließlich stellte sich Erleichterung ein: Immerhin wissen sie jetzt, warum es all die Jahre nicht mehr mit einer Schwangerschaft geklappt hat – und können sich auf einen neuen Weg einstellen, der ihnen schließlich doch endlich die Erfüllung ihres Kinderwunsches ermöglicht.

Mithilfe einer Leihmutter kommt ihre Tochter zur Welt – das für Julie und John größte Glück auf Erden wird endlich Wirklichkeit. 

Glücklich mit Kind: Der Ehemann von Julie von Bismarck mit der gemeinsamen Tochter in Südafrika.

Wie es sich anfühlt, wenn das eigene Kind von einer Leihmutter ausgetragen wird, das schildert Julie von Bismarck hier: "Unsere Leihmutter ist eine Heldin". Die Familie lebt abwechselnd in Norddeutschland und Südafrika.

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