Das sind die schlimmsten Nervensägen im Kinderzimmer

Vom Urmel bis zu Benjamin Blümchen: Diese Kinderfiguren aus Büchern und Filmen machen uns wahnsinnig. 8 Eltern rechnen ab.

Mit den Kindern holt man sich allerhand schräge Gestalten ins Haus. Sie bevölkern Bücher, Filme und Hörspiele, und viele von ihnen sind ganz zauberhaft. Aber manche gehen uns ordentlich auf die Nüsse. Unseren Kindern zuliebe haben wir sie jahrelang stumm ertragen. Damit ist jetzt Schluss: acht Abrechnungen mit den schlimmsten Kinderfiguren.

Verrückt: Dieses Paar setzt andere Prioritäten als die Fruchtblase platzt

Oh, wie blöd ist Panama!

Diese Spießergeschichte mit ihrer altbackenen Botschaft (zu Hause ist's am schönsten und so), in der ein geistig offensichtlich eingeschränkter Tiger mit dämlicher Tigerente und sein Freund, der Klugscheißer-Bär, im Kreis laufen, weil sie zu doof sind, sich den Weg zu merken - ich hasse sie, seit mein Blick auf dieses Werk frei ist von meiner 70erJahre-Kindheitsnostalgie. So sehr, dass ich unsere Janosch-Ausgabe vor dem dritten Kind endgültig entsorgt habe.

Merle Wuttke, zwei Söhne, eine Tochter

Wisst ihr eigentlich... wie sehr ihr nervt?

Ich finde es schön, wenn man sich lieb hat, und ich finde es schön, wenn man sich das auch sagt. Kann man nicht oft genug tun. Aber diesem Hasen-Duo aus "Weißt du eigentlich, wie lieb ich dich hab?" würde ich gern die Ohren noch länger ziehen. Und das liegt nicht nur daran, dass wir dieses Buch - warum auch immer - nur in einer französischen Ausgabe haben und ich beim Vorlesen simultan übersetzen muss (ich habe beschlossen, den Text auf keinen Fall auswendig zu können). Sondern vor allem an seinem einfältigen "Ich lieb dich aber immer einmal mehr als du mich". Ich erinnere mich an Frauen, die als Teenager oder junge Erwachsene dieses Buch ihrem Partner als Liebesbeweis schenkten. Ich vermute, dass die Beziehungen nicht lange hielten oder diese Paare jetzt gemeinsam "Shades of Grey" gucken. Geschieht ihnen recht!

Antje Kunstmann, vier Töchter

Das Urmel-Übel

Das hier zu schreiben fühlt sich an, als ob man mit Absicht etwas sehr Schönes kaputt machen würde. Denn diese Zeilen richten sich irgendwie auch gegen die Augsburger Puppenkiste, und die ist doch eigentlich gut und rein, über jeden Zweifel erhaben und hat uns so Wunderbares gebracht wie "Jim Knopf" und "Kater Mikesch". Aber, leider, eben auch das Urmel, nach den Büchern von Max Kruse. Und ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll mit meinem Urmel-Unmut. Das Urmel ist ein Dino, geboren lange vor dem Dino-Wahnsinn dieser Generation, nämlich schon 1969. Genau genommen, und da nimmt das Urmel-Übel seinen Anfang, ist das Urmel ein Dino-Baby. Darum trägt es einen überdimensionalen Schnuller um den dicken Echsenhals, was nicht süß aussieht, sondern an fette Männer erinnert, die sich zu Fasching mit Riesenwindel und Riesenschnuller als Baby verkleiden. Alle und alles um das Urmel herum haben extra-alberne Namen (Professor Habakuk Tibatong, Titiwu, Wawa, Ping), und - jetzt kommt das ganz und gar Unerträgliche - alle haben einen Sprachfehler. Regelmäßig sitzen die Tiere mit den albernen Namen in der Bambushütten-Schule vom Professor mit dem albernen Namen zusammen und üben mit ihren albernen Sprachfehlern das Sprechen. Ich sitze sprachlos dabei und grusele mich. Mein Mann sagt dann immer, ich hätte kein Herz. Ich wünschte eher, ich hätte keine Ohren.

Stefanie Hentschel, zwei Töchter

Schlimme Schlümpfe

Wir sind ständig zu Gast in Schlumpfhausen, mein Kind liebt die Hörspiele und DVDs der Schlümpfe. Ich bekomme sofort Stress-Kopfschmerzen, sobald ich die quäkigen Stimmen der blauen Zwerge höre. Die sind einfach zu viele! Ein Gewusel und Durcheinander wie früher beim Abholen in der Kita. Halt ich nicht aus!

Katja Böhlhoff, eine Tochter

Der Asoziale vom Dach

Ich litt hörspielkassettenlang stumm, dachte aber als gute Bildungsbürgerin immer, alle Werke von Astrid Lindgren wären sakrosankt. Bis das Kind plötzlich selbst sagte: "Ich hasse Karlsson vom Dach! Das ist so ein richtig asoziales, verfressenes Arschloch! Der lügt und verarscht doch immer nur alle. Und lustig ist der auch nicht." Beste Kurzrezension ever - danke, mein Sohn!

Karina Lübke, eine Tochter, ein Sohn

Maja, geliftet

Es ist nicht nur, dass sie dünner und mädchenhafter ist als die Biene Maja, die ich aus der Zeichentrickserie meiner Kindheit kenne. Das ist schlimm genug, ein weiteres Role Model für Mädchen, das zersetzender, böser und unfroher ist, als es diese Vorbilder früher waren. Aber wirklich wütend macht mich, dass es die neue, überarbeitete Biene Maja überhaupt gibt. Warum muss das so sein? Warum gibt es von den drei großen Zeichentrickserien aus der Zeit derer, die heute erwachsen sind, jetzt auf Kika computeranimierte Versionen? Und dann noch finanziert von den öffentlich-rechtlichen Sendern, also ohne Not? "Biene Maja", "Wickie" und "Heidi": Die heiter-subversive Dreifaltigkeit jeder Fernsehkindheit der späten Siebziger wird beschmutzt und verhöhnt durch die digitalen Neuauflagen dieser Serien. Die neue Biene Maja ist hässlicher und dümmer als die alte, und ihre Existenz bringt Kindern bei, dass die Dinge nicht immer besser, sondern immer schlechter werden. Und dass manche Erwachsenen keine neuen Ideen haben, sondern gerade noch genug Kraft, um die guten Ideen von gestern zu zerstören.

Till Raether, ein Sohn, eine Tochter

Stuss von Kokosnuss

Seit ich Kinder habe, freue ich mich darauf, ihnen den subtilen schwarzen Humor von Roald Dahls Kinderbüchern nahezubringen. Leider stehen meine Söhne auf den Kleinen Drachen Kokosnuss. Der rote Drache mit seinem viel zu kleinen Käppi erlebt mit seiner Freundin Matilda, einem Stachelschwein, erwartbarste Abenteuer bei und mit Indianern/ Wikingern/Piraten/Dinosauriern/Mumien/Gespenstern/ Außerirdischen. Das Oeuvre seines Erfinders wächst und wächst, denn gefühlt alle zwei Monate gibt es ein neues Abenteuer vom kleinen Drachen Kokosnuss. Es bleibt also kaum eine Chance, den Kindern mal was wirklich Lustiges vorzulesen. Ich hoffe von Herzen, der kleine Drache Kokosnuss kommt bald in die Pubertät und hängt einfach nur noch müffelnd in seiner Drachenhöhle ab. Das würde ich dann auch wieder gern vorlesen. Versprochen.

Alena Schröder, zwei Söhne

Dummer Dickhäuter

Bevor meine Jungs geborenen wurden, hatte ich eine natürliche Abneigung gegen die Geräusch-Belästigung durch "Kinder-Lala" von Kassette. Nach der Geburt der beiden wurde es besser. Manchmal fand ich Kindermusik sogar lustig. Selbst Nenas Kinderlieder gewann ich lieb. Nur an Benjamin Blümchen konnte ich mich nie gewöhnen. Sein depressives "Törööö" machte mir jedes Mal schlechte Laune. Die Jungs lieben den Elefanten, ich hasste ihn. Heute, Jahre später, teilen wir die Vorliebe für Pearl Jam und Linkin Park. Ich wünsche allen jungen Müttern Geduld und Zuversicht: Benjamin Blümchen geht vorbei. Dann kommt der Rock.

Bettina Lambrecht, zwei Söhne

Aus Brigitte MOM 02/2015
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