Jessica stillt ihren eigenen Sohn - und seinen besten Kumpel

Es ist ein Aufreger in den sozialen Netzwerken. Eine Mutter, die nicht nur ihren eigenen Sohn, sondern auch seinen Freund stillt. Aber warum eigentlich?

Ist es wirklich so skandalös, ein fremdes Kind zu stillen?

Eine Mutter aus Pennsylvania postete bei Facebook ein ganz besonderes Foto von sich. Jessica Anne Colletti stillt darauf ihren 16 Monate alten Sohn Lucian – UND seinen 18 Monate alten Freund Mateo, den Sohn einer Freundin, die bei Familie Coletti lebt. Seit einem Jahr stillt Jessica die beiden Jungs, ihre Freundin, die Mutter des Sohnes, ist damit einverstanden. Liebe, Freundschaft und gesunde Muttermilch, das sind die Gründe, warum Jessica beide Jungs an ihrer Brust trinken lässt.

"So viel Liebe hat sich zwischen den Milch-Geschwistern entwickelt."

Als Jessica dieses Bild veröffentlichte, und das besondere Band betonte, das die drei miteinander verbindet, erntete sie dafür viel Zuspruch, aber auch dumme Sprüche und entrüstete Kommentare.

Aber warum eigentlich? Unsere Gesellschaft ist sich eigentlich einig: Stillen ist gut fürs kind. Und alle positiven Effekte des Stillens sind auch beim Fremdstillen gegeben. Vor allem, wenn es sich um eine enge Freundin der Mutter handelt, die gesund ist, sich gut ernährt und auch ihr eigenes Kind noch stillt.

Fremdstillen wird immer beliebter – ist aber auch mit Gefahren verbunden

Grundsätzlich ist es natürlich nichts Neues, dass Freundinnen sich auf diese Weise untereinander helfen – auch das Fremdstillen hat Tradition. Vor allem, wenn leibliche Mütter krank sind oder einen eingeschränkten Milchfluss haben. Eine aktuelle Studie der Ohio State University besagt sogar, dass "Cross-Nursing" immer beliebter wird – und warnt gleichzeitig davor, dass Fremdstillen mit Risiken verbunden sein kann – immerhin werden dabei Körperflüssigkeiten ausgetauscht.

Besonders bei komplett fremder Muttermilch (die zum Beispiel im Internet gehandelt wird) ist natürlich Vorsicht geboten: Krankheiten wie HIV oder Hepatitis können über die Muttermilch übertragen werden. Auch der Konsum von Medikamenten, Alkohol oder Kaffee muss von der Stillenden/Muttermilchlieferantin kontrolliert werden. Experten raten dazu, selbst bei sehr vertrauten Still-Ersatzmüttern einen Arzt hinzuzuziehen und die Krankengeschichte zu überprüfen.

Auch den psychologischen Aspekt sehen Experten kritisch: Ein Baby könnte verwirrt und frustriert reagieren, wenn es sicher an die Mutter gebunden ist und dann von einer anderen Frau gestillt wird.

Negative Kommentare bei Facebook: Der Milk-Storm auf Jessica Anne Collettis Foto

Aber all diese Punkte erklären nicht den regelrechten Milk-Storm, den Jessica Anne Collettis Foto auf ihrer Facebook-Seite ausgelöst hat. Warum wird das Bild als so anstößig empfunden, dass jeder zweimal hinsieht und ein Stirnrunzeln folgt?

Ist es die besondere Bindung, die zwischen fremder Mutter und Kind nicht entstehen soll? Liegt es daran, dass Mateo schon recht alt ist und darum deutlich unterscheiden kann, dass die Brust nicht seiner Mutter gehört? Die fremde DNA, die eine andere Frau durch ihre Muttermilch mitgibt? Oder ist es die Sexualisierung der Brust, die vielen im Hinterkopf herumschwirrt?

Wir sind sicher: Hätte Jessica Anne Colletti ihren Sohn und seinen Freund zwei Gläser Cola hingestellt, wären die Reaktionen nicht so heftig ausgefallen. Was denkt ihr über das Stillen eines fremden Kindes?

Mehr über Jessica Anne Colletti auf mamabeanparenting.com und auf ihrer Facebook-Seite.

Text: saro
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