Kranke Kinder: Brauchen wir Schulpfleger, um Eltern zu entlasten?

Immer mehr Eltern schicken ihre Kinder krank zur Schule. Aus Bayern kommt nun eine Idee, wie man das Problem lösen könnte.

Norovirus, Grippewelle, Erkältungen: Dieser Winter hat's echt in sich. Viele Familien gehen kurz vorm Frühlingsanfang am Stock – im wahrsten Sinne. Ein Infekt jagt den nächsten, einer steckt den anderen an – und die 10 Kinderkranktage, die von der Krankenkasse finanziert werden, sind so schnell aufgebraucht wie der Maxivorrat an Taschentüchern.

Mehr kranke Kinder an den Schulen

Die Folgen sind in den Schulen direkt zu spüren: "Unser Eindruck ist, dass bei Grippewellen mehr kranke Kinder zur Schule geschickt werden als noch vor zehn Jahren", sagt der Sprecher der Hamburger Schulbehörde, Peter Albrecht, gegenüber Spiegel Online.

Nun ist es sehr leicht, sich darüber aufzuregen. Dass Eltern verantwortungslos seien. Dass sie ihren Kindern damit schaden. Dass sie den Job vor ihre Fürsorgepflicht stellen. Dass kranke Kinder ins Bett gehören – zu ihrem eigenen Schutz und zu dem der anderen Kinder.

Doch so einfach ist es nicht.

Arbeitende Mütter spüren im Job enormen Druck

Wer einmal mit einer alleinerziehenden Mutter gesprochen hat, die in Tränen ausbrach, weil ihr Kind zum vierten Mal in diesem Jahr krank geworden ist, wird sein Urteil schnell ändern.

In diesen Tränen steckt pure Verzweiflung und Erschöpfung. Und Angst – Angst, den Job zu verlieren, den man so dringend braucht. Weil man auf das Geld angewiesen ist. Und weil der Chef kein Verständnis mehr hat für das kranke Kind. Und die Kollegen schon blöde Sprüche klopfen.

Dass kranke Kinder in Schulen sitzen, hat also nichts mit Faulheit zu tun, sondern mit blanker Not. Denn ein krankes Kind kann man in unserer Gesellschaft nicht einfach wegorganisieren. Nicht jeder hat Großeltern um die Ecke, die sich kümmern. Und dann?

Schulkrankenschwestern – warum nicht?

Der Vorschlag des bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands ist darum gar nicht so abwegig, wie er erstmal klingt: Schulkrankenschwestern könnten doch für solche Notfälle einspringen und kranke Kinder direkt in den Schulen betreuen, so die Idee der Lehrer. Wer nicht selbst fürs Kind sorgen kann, würde entlastet. Und die Kinder bekämen die Pflege, die sie brauchen.

Ihr findet, das klingt traurig? An vielen Schulen in Großbritannien oder Skandinavien ist das ganz normal. Und es wäre eine konsequente Folge für eine Gesellschaft, die vor allem auf Leistung setzt, und in der sich die Bedürfnisse von Familien fast immer den Wünschen von Arbeitgebern unterordnen müssen.

Ein solches Angebot würde gerade viele Alleinerziehende entlasten und vor manchem Nervenzusammenbruch bewahren.

Scheitert's mal wieder am Geld?

Allerdings kosten professionelle Krankenschwestern natürlich was – die Schulbehörden halten den Vorschlag aus Bayern für kaum finanzierbar.

Bleibt uns also nur, mal wieder an die Politik und an die Arbeitgeber zu appellieren, die Eltern besser zu unterstützen. Solange die Arbeitswelt so wenig Verständnis für die Nöte von Eltern hat, werden auch weiter kranke Kinder zur Schule geschickt werden.V

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