Ja, wir stillen noch! Diese Mütter wollen sich nicht verstecken

Mütter, die ihre Kinder länger als ein Jahr stillen, werden oft angefeindet. Eine Fotografin kämpft mit diesen Bildern gegen das Tabu des Langzeitstillens.

Stillen – ja natürlich! Aber nicht länger als ein Jahr, bitte.

Es ist verrückt. In unserer Gesellschaft wird verlangt, dass Mütter stillen. Stillen sie nicht, müssen sie sich dem Vorwurf aussetzen, ihrem Kind emotional und gesundheitlich etwas Entscheidendes vorzuenthalten. Sechs Monate sind gesetzt. Wer länger stillt, und dies auch noch öffentlich zugibt, muss sich rechtfertigen. Nach neun Monaten zum ersten Mal. Nach einem Jahr sowieso. Nach eineinhalb Jahren gibt's komische Blicke, darüber hinaus folgen die ersten verbalen Angriffe.

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"Ich stille meinen Sohn normalerweise nur heimlich"

Die amerikanische Fotografin Jade Beall will mit einem Fotoprojekt für die Akzeptanz des Langzeitstillens kämpfen. Sie hat nicht nur andere Mütter und ihre Kinder beim Stillen porträtiert, sondern auch sich selbst beim Stillen ihres dreieinhalbjährigen Sohnes. Das hat die Fotografin Überwindung gekostet: "Ich stille meinen Sohn normalerweise nur noch heimlich zu Hause. Sonst habe ich in der Öffentlichkeit das Gefühl, etwas Schlimmes zu tun."

Jades Bitte: "Fragt mich doch, wenn euch das komisch vorkommt, oder ihr nicht versteht, warum die Mütter und ich das tun, aber beschimpft mich nicht." Auf ihrer Facebook-Seite tun das schon viele Frauen, die ebenfalls von ihren Erfahrungen berichten.

Die Vorteile des Stillens sind erwiesen

Stillen stärkt das Immunsystem, es schützt vor Allergien, vor Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen. Es macht Kinder intelligenter und bewahrt die Mutter vor Brustkrebs. All diese Vorteile gelten als wissenschaftlich belegt. Warum also müssen sich Frauen, die stillen immer noch dafür entschuldigen?

Kritiker werfen Müttern vor, durchs Langzeitstillen die psychische Entwicklung der Kleinen zu hemmen, ein gestörtes Bindungsverhältnis aufzubauen und die eigenen Bedürfnisse und nicht die des Kindes zu befriedigen. In Diskussionsforen beschweren sich vor allem Frauen darüber, dass sie es irritierend finden, wenn im Café ein dreijähriger Junge der Mutter das Shirt hochschiebt, um an der Brust zu trinken.

Fotografin Jade Beall ist der Überzeugung, dass ihr Sohn eines Tages selbst signalisieren wird, wenn er nicht mehr an der Brust trinken möchte. So lange wird sie ihn stillen – ganz egal, ob das Irgendjemand negativ kommentiert.

Text: Sabine Rodenbäck

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