"Das Kind nicht impfen zu lassen, ist verantwortungslos"

Soll ich mein Kind impfen lassen? Gute Mütter diskutieren darüber bis zur Erschöpfung. Diese nicht. Sie impft durch. Und steht voll und ganz dahinter.

Einmal war ich mir ganz kurz unsicher. Als meine Tochter als Baby die erste der vier Sechsfach-Impfungen gegen Keuchhusten, Tetanus, Diphtherie, Kinderlähmung, Hepatitis B und Haemophilus influenzae bekommen hatte, ging es ihr hinterher nicht so gut. Sie hat gespuckt, war unruhig und hat sehr schlecht geschlafen.

Ich ging mit ihr zum Homöopathen, um eine Impfausleitung machen zu lassen, also die Impffolgen behandeln zu lassen. Aber dann hab ich mich selbst wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Sie war in dem Alter sowieso unruhig, und so kleine Kinder schlafen bekanntlich eher nicht "wie ein Baby". Alles in allem hat sie die Impfung also gut vertragen - und alle folgenden auch.

Es ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel, dass ich mit meinem Bekenntnis zum Durchimpfen immer noch auf so viel Empörung bei anderen Müttern stoße. Nicht in meinem engeren Freundeskreis, das sind alles Impfbefürworter. Aber ich erlebe es immer mal wieder, dass das Gespräch bei entfernteren Bekannten aufs Impfen kommt - nach wie vor eines der Dauerbrenner-Aufreger-Themen unter Müttern, wie Nicht-Stillen oder Wunsch-Kaiserschnitt -, und eine Mama wirft mir vor, mein Kind unkontrollierbaren Risiken auszusetzen.

Dazu kann ich nur sagen: Ich halte das Risiko eines Impfschadens für ungleich geringer als das Risiko, dass mein Kind sich im Falle einer Nicht-Impfung mit einer der ausgerottet geglaubten Krankheiten ansteckt.

Ich finde Eltern, die ihre Kinder nicht zu den Standard-Impfungen bringen, schlicht verantwortungslos. Nicht nur gegenüber ihrem eigenen Kind, sondern allen Kindern, die sie - vor allem in sehr jungem Alter, ehe die Impfungen alle durch sind - infizieren können. Das sage ich auch ganz offen so, und ich bin dafür schon heftig angegangen worden.

"Wir haben alle Möglichkeiten und leisten uns den Luxus, sie abzulehnen"

Leute: Wir haben das Glück, im 21. Jahrhundert in einem westlichen Land zu leben, wo uns die beste medizinische Versorgung auf einem Silbertablett serviert wird. Es will mir nicht in den Kopf, wie man da etwas so Grundlegendes wie Impfen ablehnen kann. In vielen Ländern der Erde fehlt Eltern der Zugang zu Impfungen, und wir haben alle Möglichkeiten und leisten uns den Luxus, sie abzulehnen?

Ich habe früh angefangen, mit meiner Tochter zu reisen, vor allem in asiatische Länder. Ich möchte sicher sein, dass sie gegen so viel wie möglich geschützt ist, im Inland wie im Ausland. Asienreisenden wird empfohlen, sich auch gegen Hepatitis A impfen zu lassen, was nicht zu den Standard-Impfungen in Deutschland gehört. Habe ich selbstverständlich auch bei meiner Tochter machen lassen, und ich bereue es nicht.

Dass ich das Impfen so befürworte, heißt aber nicht, dass ich immer Chemie will. Ich bin durchaus die Mutter, die bei Ohrenweh erst mal ein Zwiebelsäckchen aufs Ohr legt. Oder das Kind bei Schnupfen die Nase mit Kochsalzlösung durchspülen lässt. Ich bin immer offen für Hausmittel und nehme auch selbst nur dann ein Medikament, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Aber da reden wir von harmlosen Erkrankungen.

Ich kann das trennen: Wo es mit einem Hausmittel oder vielleicht sogar ohne alles geht - oft reicht ja schon ein Tag im Bett mit Schal um den Hals -, bin ich dazu herzlich gern bereit. Aber ich bin nicht bereit, mich als kritische Verbraucherin aufzuspielen und meinem Kind einer Haltung zuliebe Schutz vor einer Gefahr vorzuenthalten. Aber ich fürchte, dass manche Mütter der eigenen Ideologie aufsitzen, und die Kinder müssen es dann ausbaden.

Auch wenn ich sonst eher der Typ bin, der sagt: Jede Mami soll's so machen, wie es für sie und ihre Familie passt - bei diesem Thema lasse ich keine Gegenargumente gelten. Auch wenn ich dafür Prügel beziehe.

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Ein Artikel aus BRIGITTE MOM Heft 1/2015
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