Nochmal schwanger? Bloß nicht!

Nochmal schwanger werden? Anke * (37) hat sich bewusst für nur ein Kind entschieden, um selbst nicht zu kurz zu kommen.

Angeblich bin ich fürs Kinderkriegen gemacht

Der Terror ging schon am Entlassungstag in der Entbindungsklinik los. Die Krankenschwester zwinkerte uns beim Abschied zu: "Bis zum nächsten Mal!" Auch meine Frauenärztin gab mir bei der Nachsorgeuntersuchung mit auf den Weg, dass ich doch bitte nicht zu lange mit dem zweiten Kind warten sollte. "Sie sind einfach zum Kinderkriegen gemacht!" 

Ich habe mich schon damals gefragt, warum mich die Leute so kurz nach der Geburt nicht einfach in Ruhe lassen konnten. Nochmal schwanger werden? Ich? Uff. Nee, danke.

Dabei finde ich es gar nicht mal schrecklich anstrengend, Mutter zu sein. Im Gegenteil. Mir ging es nie so gut wie in der Schwangerschaft, die Geburt war okay, das Kind ist entzückend und pflegeleicht. Es wäre wahrscheinlich nicht verkehrt, alles noch einmal genauso zu erleben.

Mit einem zweiten Kind käme ich vermutlich zu kurz

Aber genau das ist der Punkt: Würde es wieder so herrlich glatt und unkompliziert ablaufen? Ich stelle mir eine zweite Schwangerschaft vor und sehe mich mit verkürztem Muttermund monatelang auf dem Bett liegen, anschließend tagelang in den Wehen, dann wochenlang wochenbettdeprimiert auf der Couch. Wer weiß, was alles anders, womöglich blöder laufen würde. Das Risiko ist mir zu groß.

Ich genieße es, dass die Kleine selbstständig wird, ich mich wieder in meinen Beruf schmeißen kann. Ein zweites Kind würde mich um Jahre zurückwerfen und dieses gut funktionierende System von Grund auf durcheinanderbringen. Außerdem wäre ein Kind mehr da, das verpflegt, lieb gehabt, getröstet, unterhalten, durch die Gegend gefahren werden muss. Ich wette, dann käme irgendetwas zu kurz. Ich zum Beispiel.

Nochmal schwanger werden? Dafür reichen meine Kräfte nicht aus

Andere Menschen zählen mir Gründe dafür auf, mehr als nur ein Kind zu bekommen. Ganz weit vorn: "Geschwisterliebe ist so etwas Einzigartiges!" 

Klar, ich nehme meiner Tochter die Erfahrung, einen Bruder oder eine Schwester zu haben. Aber wird ihr wirklich etwas fehlen, das sie nie erlebt hat? Da ich sie nicht Kaspar­-Hauser-mäßig isoliere, und sie viel Zeit mit anderen Kindern verbringt, wird sie sich schon nicht zur Soziopathin entwickeln und auch nicht vor Einsamkeit eingehen.

"Aber Geschwister spielen so schön miteinander, da habt ihr als Eltern viel mehr Freiraum!" Wirklich?

Ein beliebtes Geschwisterspiel, das ich bei anderen sehe, ist: "Ich trete die Tür meiner Schwester ein." 

Vielleicht tue ich meiner Tochter ja sogar einen Gefallen, wenn ich ihr das erspare?

Ich finde, dass die Welt einfach keine weiteren Kinder von mir braucht. Und so, wie es jetzt ist, kann ich meine Kraft, Aufmerksamkeit und Liebe großzügig verteilen. Auf meine Tochter, meinen Mann, meine Freunde, meinen Beruf und meine Leidenschaften.

VIDEOTIPP: Schwanger werden oder nicht?

Wenn du an Schwangerschaft denkst, solltest du diese 3 Fragen mit ja beantworten können

*Name geändert

BRIGITTE 23/2018
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