Diesen Satz sollten alle getrennten Eltern kennen

Wie kann man nach einer Trennung gut miteinander umgehen? Trotz Hass und Eifersucht? Indem man sich einen Satz besonders zu Herzen nimmt, meint Susanne Petermann vom Stiefmutterblog.

Das Blog: Stiefmutterblog.com Die Bloggerin: Susanne Petermann hat einen Mann mit drei Kindern aus erster Ehe geheiratet. In ihrem Blog gibt sie Einblicke in das Leben und die spezielle Problematik der zweiten Frau eines Vaters. Das gefällt uns: Susanne gibt hier Frauen ein Sprachrohr, die in der Familiendebatte selten zu Wort kommen. Dabei ist sie ebenso ehrlich wie konstruktiv. Spannend, nicht nur für Stiefmütter!

"Ich habe mich dann dafür entschieden, dass es meinem Kind gut gehen soll".

Dieser Satz von Lucie, einer Frau, die ich vor kurzem bei einer Geburtstagsfeier kennengelernt hatte, ließ mich aufhorchen. Sie stand mit mir und anderen Gästen an einem Stehtisch, hatte von ihrer Jahre zurück liegenden Scheidung erzählt, und davon, wie sehr sie es damals gestört hatte, dass ihr Kind an den Besuchswochenenden gerne zum Papa und dessen neuer Freundin ging.

Die Gastgeberin, eine gute Freundin von mir, hatte ihr von meinem Stiefmutterblog erzählt. So kamen wir ins Gespräch. Heute ist Lucie selbst Stiefmutter, in einer glücklichen Beziehung und kann sehr offen über ihre Gefühle sprechen.

Damals war sie frisch getrennt, Mutter einer fünfjährigen Tochter und einfach nur verletzt. Es dauerte genau drei Wochen und zwei Tage, bis ihr Ex sich nach der Trennung in eine neue Frau verliebt hatte. Weitere zwei Wochen später zog er schon bei dieser Frau ein.

Während Lucie sich also noch die Augen ausweinte und sich immer wieder fragte, ob die Trennung voreilig war, hatte er sich kurzerhand neu verliebt und war glücklich.

"Ich war eifersüchtig", sagt sie heute. "Es fühlte sich wie ein glühendes Messer im Herzen an, als meine Tochter eines Tages vom Papa-Besuch zurück kam und mir von ihr erzählte. Nicht er hatte mir von der Neuen erzählt, sondern meine Tochter."

Auch wenn die Trennung einvernehmlich war, sie hätte sich gewünscht, dass ihr Ex längere Zeit Single geblieben wäre. "Ich weiß, wie dumm das klingt. Als ob ich ein Kleinkind wäre, dass sein Spielzeug zwar nicht mehr haben will, aber andere Kinder sollen auch nicht damit spielen." Lucie war nämlich diejenige, die die Trennung gewollt hatte.

"Er war einmal meine große Liebe, unsere Tochter war ein Wunschkind. Es war für uns beide keine einfache Entscheidung uns zu trennen, es ging aber einfach nicht mehr. Dass er sich so schnell neu verliebte, gab mir das Gefühl, unsere Ehe sei ihm nichts wert gewesen. Wahrscheinlich hatte ich unterbewusst gehofft, er würde um uns kämpfen und es würde dann alles wieder so werden, wie es ganz am Anfang war."

"Ich habe es gehasst, dass meine Tochter dort war"

Das Allerschlimmste für sie jedoch war, dass ihre Tochter die neue Frau "total cool" fand und begeistert von Papa und ihr erzählte. "Ich musste mich sowieso jeden Tag zusammen reißen, um nicht vor meiner Tochter zu weinen. Statt meine Tochter zu trösten, habe ich sie als Trost gebraucht. Als ich dann auch noch sah, dass meine Tochter fröhlich war, wenn sie von den beiden zurückkam, war das furchtbar. Ich habe es gehasst, wenn sie dort war."

Susanne Petermann hat über das Thema auch ein neues Buch geschrieben: "Du hast mir gar nichts zu sagen!: Stiefmutter sein ist nichts für Feiglinge", 240 S., 14,99 Euro, Diana Verlag.

Lucie hatte Angst. Irrationale Angst. "Die Neue hatte jetzt meinen Mann, wollte sie sich etwa auch noch meine Tochter greifen?", fragte sie sich. "Sollte ich ausgetauscht werden? Nicht nur als Frau, auch als Mutter?"

Die Vorstellung ersetzbar zu sein, und die Angst davor taten ihr fast noch mehr weh, als die Trennung an sich. "Das hat mich zermürbt und verbittert."

Ich fand es sehr mutig von Lucie, mir gegenüber, einer bisher wildfremden Frau, so ehrlich zu sein. Und ich konnte jeden ihrer Sätze verstehen. Nach einer Trennung ist man extrem verletzlich, trauert oft noch eine ganze Weile, bevor das Leben wieder normal weitergehen und rosa werden kann.

Eine Scheidung bedeutet schließlich immer, dass ein Lebenstraum geplatzt ist. Zwei Menschen, die sich einmal versprochen haben, in guten wie in schlechten Zeiten zusammen zu halten, müssen sich eingestehen, dass sie gescheitert sind und ihr Versprechen nicht einhalten können. Bei manchen Menschen erzeugt das Wut, bei anderen Angst und manchmal auch Hass auf den Ex-Partner, weil man ihm die Schuld am Scheitern gibt.

Die Kinder rauszuhalten, ist schwer

Viele Mütter oder Väter schaffen es dann nicht, ihre Kinder aus diesen Gefühlen herauszuhalten, ihnen weiterhin die Liebe zum nunmehr getrennten anderen Elternteil zu gestatten. Sie können nicht akzeptieren, dass ihr Kind diesen Menschen weiterhin liebt, wo bei ihnen doch nur blanke Enttäuschung oder sogar Hass übrig geblieben ist.

Umso bewundernswerter war für mich der Satz meiner Tischnachbarin "Ich habe mich dann dafür entschieden, dass es meinem Kind gut gehen soll", als ich sie fragte, wie sie den Konflikt damals gelöst hätte.

Sie hatte nach etlichen Monaten, in denen es wohl ordentlich geknallt hatte und auch die Tochter in die Streitigkeiten involviert wurde, mit einer Bekannten gesprochen, einer Psychologin, die sie lange nicht gesehen hatte.

"Der wollte ich in allen Einzelheiten erzählen, was zwischen meinem Ex, mir und der Neuen passiert war. Wie furchtbar er sich benehmen würde und wie sehr meine Tochter darunter leiden würde.

Sie hörte mir lange zu, wollte dann nur eines wissen – ob meine Tochter eigentlich mal gerne bei Papa und der neuen Frau gewesen wäre und es ihr dort gut wohl gegangen sei. Das musste ich zähneknirschend zugeben, wollte aber sofort hinterher schieben, was seither alles passiert sei."

Die Bekannte ging aber überhaupt nicht darauf ein, fragte nur, was Lucie denn dagegen gehabt hätte, dass es ihrer Tochter gut ginge. "Dieser Satz haute mich total von den Socken. So hatte ich es noch nie gesehen. Dass ich etwas dagegen haben könnte, dass es meiner Tochter gut geht, wenn ich nicht möchte, dass sie bei ihrem Vater und der Neuen ist."

Ein Satz, der alles veränderte

Für Lucie hat dieser Satz alles verändert. Sie erkannte plötzlich, dass ihre Tochter sehr unter dem Konflikt zwischen Mama und Papa litt und sie selbst nicht unschuldig daran war.

"Ich rief noch am selben Abend meinen Ex an und sagte ihm, ich würde ihn und seine Freundin gerne sprechen und ob sie vorbei kommen könnten. Natürlich waren sie zunächst misstrauisch, es war ja einiges passiert, aber ich habe es dann genauso erzählt wie jetzt. Dass ich mich keinesfalls dafür entscheiden wollte, dass es meiner Tochter schlecht ginge. An diesem Abend haben wir alle drei besprochen, dass wir ein gemeinsames Ziel haben - der Kleinen soll es gut gehen."

Heute sind Lucies Ex und die Neue verheiratet, haben zwei gemeinsame Kinder. Auch Lucie selbst hat einen neuen Lebensgefährten, der zwei erwachsene Töchter aus einer vorherigen Beziehung hat. Die vier Erwachsenen treffen sich ab und zu, unternehmen auch einmal etwas gemeinsam. "Das klappt, weil wir uns alle entschlossen haben, dass es unseren Kindern gut gehen soll."

Hut ab, wirklich. Lucie ist eine Mutter, die mir imponiert. Eine Ex, über die jede Stiefmutter froh sein kann. Die beiden sind nicht beste Freundinnen geworden, respektieren sich aber und ziehen am gleichen Strang.

Ich würde mir wünschen, dass alle Eltern nach einer Trennung sagen würden: "Wir haben uns dafür entschieden, dass es unseren Kindern gut gehen soll" – wie viel einfacher wäre dann alles. Nicht nur für Stiefmütter!

Text von Susanne Petermann, ursprünglich erschienen auf Stiefmutterblog.com.

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