Werde ich meine Entscheidung gegen Kinder bereuen? 10 Frauen und Männer berichten über gewollte Kinderlosigkeit

Hier erzählen zehn ältere Paare und Singles, die beschlossen haben, keine Kinder zu bekommen, oder keine Kinder bekommen konnten, wie ihr Leben ohne Kinder sich anfühlt.

Für viele ist es sonnenklar: Eines Tages möchte ich Mama oder Papa sein und ein Baby in meinem Leben begrüßen dürfen – oder auch gleich mehrere. Für andere ist die Baby-Frage schwieriger. Sie grübeln lange darüber nach: Soll ich ein Kind bekommen? Wie wird diese Entscheidung mein Leben verändern? Werde ich es eines Tages bereuen, wenn ich mich gegen Kinder entscheide? 

Viele Paare können auch keine Kinder bekommen, obwohl sie sich von Herzen ein Baby wünschen. Auch sie fragen sich: Wird für uns auch ohne unser Wunschkind ein erfülltes Leben möglich sein?

Niemand kann in die Glaskugel schauen und diese Fragen zweifelsfrei beantworten. Aber wir können andere Menschen fragen, wie sich ihr Leben ohne Kinder anfühlt. Genau das hat eine Person auf Reddit getan. Dort fragt ein User:

Ältere Menschen, die beschlossen haben, keine Kinder zu haben: Steht ihr zu eurer Entscheidung oder bereut ihr es?

Zahlreiche ältere Paare und alleinstehende Frauen und Männer antworten auf diese Frage und berichten aus ihrem Leben ohne Kinder. Hier haben wir zehn dieser Antworten für euch übersetzt.

1: "Ich wollte mein Geld nicht für Windeln ausgeben"

Ich liebe unsere Entscheidung, keine Kinder zu haben. Ich hatte schon immer Probleme, erwachsen zu werden, und die Idee, mein ganzes Geld für Windeln und Flaschen auszugeben, gefiel mir nicht. Ich bin egoistisch, genauso wie mein Ehemann, und wir sind damit einverstanden. Ich muss mich auf das Alter vorbereiten, weil ich keine Kinder haben werde, die auf mich aufpassen, wenn ich gebrechlich und senil bin, was mich manchmal beunruhigt, aber dann erinnere ich mich, dass ich keine Kinder großziehen musste und ich lächle ein bisschen. 

2: "Wir mögen unsere Ruhe"

Wir sind seit fast 19 Jahren verheiratet. Wir haben am Anfang versucht, Kinder zu haben, konnten aber nicht schwanger werden. Es folgten ernsthafte Gesundheitsprobleme, die unsere Bemühungen behinderten. 2017 musste ich mich einer Hysterektomie unterziehen.

Wir haben das Glück, eine Nichte und einen Neffen zu haben, die wir als "unsere Kinder" betrachten. Ihre Eltern sind krank, so dass wir sie inzwischen offiziell aufgenommen haben. Jetzt hat diese Nichte viele persönliche Probleme und wir haben eine ähnliche Beziehung zu ihrem Sohn und ihrer Tochter, obwohl ihre Großmutter das Sorgerecht hat.

Nicht die beste Situation, aber zumindest haben wir die Möglichkeit, in elterliche Rollen zu schlüpfen. An diesem Punkt sind wir ziemlich fest in unserem Verhalten und haben akzeptiert, dass wir keine Kinder haben. Wir haben eine großartige Ehe und wir mögen unsere Ruhe.

3: "Ich denke, es war die richtige Entscheidung"

Wir sind seit 21 Jahren verheiratet und anfangs haben wir versucht, Kinder zu bekommen, fanden aber heraus, dass es schwierig werden würde. Anfangs war meine Frau deshalb am Boden zerstört, aber ich war sogar etwas erleichtert. Es ist eine Menge Verantwortung und dein Leben verändert sich komplett mit Kindern.

Im Laufe der Jahre hat meine Frau tatsächlich einige Male gesagt, dass sie froh sei, dass wir keine Kinder haben, weil wir die Abenteuer, die wir erlebt haben, sonst nicht hätten haben können. Ich denke, es war für uns die richtige Entscheidung und wir sind besser dran, weil wir keine Kinder haben. Wir lieben unser Leben und setzen unsere Abenteuer jetzt in unseren 50ern fort. Wir fangen bereits an, Pläne für unseren Ruhestand zu schmieden.

4: "Ich bin verärgert"

Ich wollte gerne Kinder haben, aber ich habe nie die richtige Partnerin dafür gehabt. Ich bin sehr froh darüber, keine Kinder mit meinen früheren Partnerinnen bekommen zu haben, wir waren keine gesunden Paare. Jetzt habe ich die perfekte Partnerin, sie wurde schwanger, aber wir haben das Baby verloren. Jetzt sind wir langsam zu alt, um es noch einmal zu probieren. Ich bin sehr verärgert darüber, dass wir keine Kinder haben werden, aber ich bereue es nicht, mit meinen früheren Partnerinnen keine Kinder bekommen zu haben. 

5: "Es ist ein tolles Leben"

Ich bin Ende 50, verheiratet, keine Kinder. Es ist ein schönes Leben – unser Geld und unsere Zeit gehörten nur uns. Ich habe viele Nichten und Neffen und bin für die Kinder vieler Freunde der "Onkel". Sie sind alle sehr nett zu ihrer lustigen Tante und dem Onkel mit dem vielen Geld. Wenn sie Teenager und am College sind, werden wir Vertraute, wenn die Beziehungen zu den Eltern angespannt sind. Wir helfen ihnen gelegentlich bei der Finanzierung ihres Urlaubs oder bei der Beschaffung eines guten Gebrauchtwagens. Wir haben zwar keine eigenen Kinder, aber die Kinder in unserer Familie finden uns super.

6: "Es war schwierig, diesen Weg zu akzeptieren"

Ich bin alt genug und habe 100 Prozent akzeptiert, dass ich keine Kinder haben werde. Mein aktueller Partner und ich wollen auch nicht wirklich Kinder haben. Vorher habe ich mir aber mein Leben lang eine große Familie gewünscht, denn ich habe viele Geschwister und wir hatten eine sehr schöne, glückliche Kindheit. Zu akzeptieren, dass mein Leben nicht so verlaufen würde, war also schwierig.

Mein Wendepunkt kam, als ich merkte, dass ich meinen Erfolg als Frau danach beurteilte, ob ich Kinder hatte oder nicht. Die Gesellschaft erwartet von dir, Kinder zu bekommen, und jeder, den du kennst, hat Kinder, und sie scheinen glücklich und zufrieden zu sein (und sind es wahrscheinlich auch). Ich habe mich also gefragt: Was ist so falsch an mir, dass ich keine Kinder haben kann und warum bekommt jeder sonst Kinder, selbst die, die eigentlich keine wollen? Es schien unfair zu sein und ich war wütend darüber und habe im Laufe der Jahre viel geweint und darüber nachgedacht.

Aber irgendwann begriff ich, dass nur weil mein Leben anders sein würde als ich erwartet hatte, es nicht bedeutet, dass es nicht so glücklich wäre - wenn nicht glücklicher - als wenn ich Kinder hätte. Dass ein Weg für dich blockiert ist, muss nicht unbedingt schlecht sein. Vielleicht wäre ich mit Kindern unglücklich geworden? Ich dachte immer, ich bräuchte sie, um glücklich zu sein, aber wer weiß, was das Leben stattdessen mit mir vorhat?

7: "Die Biologie ist unfair"

Die Biologie ist unfair. Frauen haben einfach viel weniger Zeit als Männer, um zu entscheiden, ob sie Kinder wollen. Wenn du zu lange wartest, kann es für dich als Frau echt schwierig werden. Ich war zehn Jahre lang mit einem Mann verheiratet, der sich als Betrüger entpuppte. Inzwischen sind wir geschieden. Er hat immer noch jede Menge Zeit, Kinder mit einer anderen Frau zu zeugen, wenn er das will. Realistisch betrachtet, habe ich diese Zeit wohl nicht mehr.

Ja, es gibt künstliche Befruchtung und Adoption, aber diese Optionen kosten viel Zeit und SEHR VIEL Geld. Und ich hätte gerne einen Partner, bevor ich Kinder bekomme – für die emotionale Unterstützung, aber auch für die wirtschaftliche Sicherheit. Leider sind meine Chancen, rechtzeitig einen Partner zu finden, nicht mehr so groß.

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8: "Mein Leben ist erfüllt und glücklich"

Mein Mann und ich sind 48 Jahre alt. Für uns ist es eine große Erleichterung, keine Kinder zu haben. Wir können reisen, ein schönes Haus haben, nackt herumlaufen, wenn wir das wollen, und ich habe ein verfügbares Einkommen, mit dem ich wichtige Anliegen unterstützen kann. Mein Leben ist erfüllt und glücklich.

9: "Mir fehlt einfach dieses Mama-Gen"

Ich bin eine 49-jährige Frau und habe meine Entscheidung gegen Kinder nie bereut. Ich glaube, mir fehlt einfach dieses Mama-Gen. Ich mag es, nicht die Verantwortlichkeiten und Pflichten (und die Ausgaben!) zu haben, die mit der Geburt von Kindern einhergehen.

10: "Wir bereuen unsere Entscheidung"

Wir sind ein Paar in den 40ern. Wir bedauern es sehr, keine Kinder zu haben. Wir sind allerdings ein etwas spezieller Fall und haben vielleicht noch eine Chance. Wir sind über das normale Alter zum Kinder bekommen hinaus, aber wir haben vor Jahren Geschlechtszellen einfrieren lassen, für den Fall, dass wir es uns anders überlegen. 

Für uns war die Entscheidung, keine Kinder zu bekommen eher praktisch als ideologisch. Damals hatten wir beide chronisch kranke Familienmitglieder, für die wir viel Zeit und Energie benötigten. Es erschien uns unfair, in diese Situation hinein Kinder zu bekommen. Keiner von uns verspürte ein großes Verlangen nach Kindern, wir genossen die Gesellschaft voneinander und das war mehr als genug. Das Leben mit Kindern schien uns selbst unter den besten Umständen sehr stressig zu sein und so konnten wir dem entkommen. Ich war der Typ Mensch, der Kinder liebt, solange ich sie nach einiger Zeit an ihre Eltern zurückgeben kann.

Allerdings bin ich Genetiker. Darum dachte ich, wir sollten unsere Geschlechtszellen einfrieren, damit wir, falls wir jemals beschließen, doch Kinder haben zu wollen, wenn wir älter sind, dann noch junge Ei- und Samenzellen haben. Ich weiß, dass erscheint unromantisch, aber wir haben eine praktische Einstellung zum Leben. 

Heute sind die Dinge wirklich anders, als damals, als wir uns vor vielen Jahren gegen Kinder entschieden haben. Wir haben weniger Verantwortung und viel Geld zur Verfügung. Wir hatten die Chance, zu reisen und die ganze Welt zu erleben, für unsere Karrieren zu leben und viele Jahre die Gesellschaft voneinander zu genießen. Jetzt wünschen wir uns eine Familie – also eine Familie mit mehr als uns beiden. Jetzt bereuen wir es sehr, keine Kinder bekommen zu haben und sie nicht bekommen zu haben, als wir noch jünger waren. Alt wie wir sind, werden wir jetzt wahrscheinlich auf unsere Ei- und Samenzellen zurückkommen und es versuchen – sofern unser Arzt sagt, dass es in Ordnung ist.

Das Lustige dabei ist, dass meine Antwort möglicherweise ganz anders ausfallen könnte, wenn wir diese Zellen nicht in Reserve hätten. Dann würden wir uns den Luxus des Bedauerns möglicherweise nicht erlauben. Wenn eine Entscheidung nicht rückgängig gemacht werden kann, ist es meines Erachtens nach natürlich, sich auf die positiven Aspekte dieser Entscheidung zu konzentrieren – insbesondere, wenn es sich bei dieser Entscheidung um einen Fehler handelt, aus dem man nicht viel lernen kann.

mh
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