Mehr Schlaf, wenn die Kinder älter sind? Träumt weiter!

Bekommt man wirklich mehr Schlaf, wenn die Kinder älter sind? Quatsch! Sagt Bloggerin und Bestsellerautorin Jill Smokler. Für sie ist dieser Satz einer der dicksten Bären, die Müttern so aufgebunden werden.

Fragt jede beliebige Mutter eines Neugeborenen, was das Schlimmste am Muttersein ist, und sie antwortet bestimmt: "Der Schlafmangel." Es stimmt schon, dass Babys kaum etwas anderes tun als schlafen, essen und kacken. Das Problem ist nur, dass diese Aktionen im Zwei-Stunden-Rhythmus ablaufen. Ich weiß noch, wie ich immer wieder zu hören bekam, ich solle "schlafen, wenn das Baby schläft".

Das allerdings klingt theoretisch besser, als es in der Praxis funktioniert. Um genau zu sein, ist es der nutzloseste Ratschlag in der Geschichte aller nutzlosen Ratschläge. Wenn nämlich alle Mütter schliefen, während ihr Baby schläft, stünde die Welt mit einem Ruck still. Die Wäsche würde nicht gewaschen. E-Mails blieben unbeantwortet. Die Menschen würden verhungern!

Bei meinem ersten Neugeborenen lernte ich sehr schnell, dass der Schlaf eines der ersten Opfer ist in der langen Liste von Entbehrungen, die frau für ihre Babys bringt. Es machte mir nichts aus, weil ich fest daran glaubte, dass ich wieder mehr Schlaf bekommen würde, wenn die Kinder älter wären. Aber hier stehe ich nun mit drei Kindern, fünf, sieben und neun Jahre alt, und ich bekomme heute weniger Schlaf als damals, als sie noch Babys waren.

Meine Kinder ins Bett zu bringen ist eine zweistündige Tortur

In Bezug auf meine Kinder gibt es vieles, wofür ich wenig Geduld aufbringe. Zum Beispiel nervt es mich kolossal, dass sie sich aufführen wie die von Linda Blair gespielte Figur in "Der Exorzist", wenn sie ein Medikament einnehmen sollen, mit dem sie sich tausendmal besser fühlen werden. Oder dass sie mit unglaublicher Präzision Bauklotztürme bauen können, aber unfähig sind, beim Pinkeln die Toilette zu treffen. Was mich am meisten in den Wahnsinn treibt, ist jedoch ihre Weigerung einzuschlafen.

Meine Kinder ins Bett zu bringen ist eine zweistündige Tortur, die ich schon morgens beim Aufwachen zu fürchten beginne. Wäre das Hinauszögern des Schlafengehens eine olympische Disziplin, wären meine Kinder auf dem Cover von "Sports Illustrated". So wie sie sich anstellen, könnte man denken, ich würde sie zwingen, im eisigen Regen auf Holzlatten zu schlafen, nicht auf weichen Matratzen und in hochwertiger Bettwäsche in ihrem eigenen Zimmer. Sie heulen und handeln und betteln um ein paar weitere Minuten zum Spielen, während ich die Augen verdrehe und an ihrem Verstand zweifle. Wissen sie nicht, dass ich dafür töten würde, um halb neun mit einer Gutenachtgeschichte und einem Kuss ins Bett gebracht zu werden?

Wäre ich eine kaltherzige Zicke, würde ich ihnen stecken, dass das Leben nur noch schlechter wird, als es jetzt ist, und dass sie ihren Schlaf genießen sollen, so lange sie können.

Statt mit dem Mann kuschele ich mit dem Laptop

Wenn sie irgendwann dann endlich schlafen – in unserem Haus so gegen halb zehn oder zehn –, habe ich manchmal das Glück, selbst etwa drei Stunden Schlaf zu ergattern. An den meisten Abenden gibt es allerdings noch zu viel zu tun, und es ist die einzige Zeit am Tag, die für mich selbst bleibt. Meistens gehe ich daher wieder nach unten und kuschele ein paar Stunden mit meinem Laptop statt mit meinem Mann.

Mit verblüffender Regelmäßigkeit taucht genau in dem Moment, in dem ich schließlich ins Bett gehen will, eins meiner Kinder wieder auf. Falls es Evan ist, hat er wahrscheinlich in die Hose gemacht. Also schnell unter die Dusche, wobei er darauf besteht, dass ich mitdusche. Es ist Mitternacht, und ich wasche mir die Haare. Könnte mir auch gleich die Beine rasieren, wenn ich schon mal vor Ort bin, nicht? Bis wir abgetrocknet sind und ich Evan einen sauberen Schlafanzug angezogen habe, taumelt Ben ins Schlafzimmer.

"Ich habe schlecht geträumt", wimmert er und krabbelt ins Ehebett, wo mein Mann Jeff längst friedlich schlummert, vom ganzen Spektakel nichts mitgekriegt hat und mich stillvergnügt um den Verstand schnarcht.

Fragen nach dem Schwabbelbauch mitten in der Nacht

Endlich liege auch ich in den Federn. Die gute Nachricht ist, ich muss mir am Morgen nicht die Haare waschen. Die schlechte Nachricht ist, dass Evan und Ben denken, es sei bereits Morgen. Sie betteln, fernsehen zu dürfen. Sie fragen nach Cornflakes. Evan beginnt Fragen über meinen Schwabbelbauch zu stellen, und Ben, dessen Kopf an meiner Schulter liegt und der mein Gesicht aus nächster Nähe betrachtet, möchte wissen, warum ich so große Nasenlöcher habe.

Nach einer runden Dreiviertelstunde hören die Fragen auf, und die Jungs schlafen wieder ein. Und gerade, als ich bei Fantasien über Ryan Goslings Bauchmuskeln wegdöse, stürzt Lily aus ihrem Zimmer und wie eine Wilde ins Bad. Sie knipst alle Lampen an, knallt die Klobrille herunter und, wenn ich Glück habe, findet auch sie den Weg in unser Schlafzimmer. Natürlich muss sie auf dem Weg unter meine Decke ihre Brüder schubsen und treten, was zu einer dreiviertelstündigen Heulorgie führt. "Lily hat mehr Platz als ich." – "Ben tritt mich dauernd." – "Evan, hast du dir gerade etwa in die Hose gemacht ... schon wieder?" Es ist zwei Uhr morgens, als ich endgültig einschlafe, meist in irgendeiner unglücklichen Haltung, die am nächsten Morgen die Dienste eines Chiropraktikers erfordert.

Aber endlich, endlich schickt Ryan Gosling sich an, mich à la "Dirty Dancing" hochzuheben. Da klingelt Jeffs Wecker, und der Tag beginnt ...

Text: Jill Smokler, Auszug aus ihrem Buch "Babykacke riecht nach Rosen" (188 Seiten, 8,99 Euro, Bastei Lübbe)
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