Schwangerschaft: Gefährliche Viren

Cytomegalie-Viren können in der Schwangerschaft schwere Schäden anrichten. Erst jetzt wird erforscht, was davor schützt.

"Um sicher zu gehen", so hört man es oft von werdenden Müttern. Um sicher zu gehen, dass alles in Ordnung ist mit dem Kind im Bauch, gibt es die in den Mutterschaftsrichtlinien festgelegten Vorsorgeuntersuchungen und zahlreiche weitere Tests, die selbst zu zahlen sind. Zum Beispiel den Test auf Cytomegalie-Viren (CMV): Er kostet etwa 20 Euro und wird vom Deutschen Grünen Kreuz ausdrücklich empfohlen.

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Vor gut zwei Jahren wurde dieser Test bei meiner damals schwangeren Freundin durchgeführt - mit positivem Ergebnis. Cytomegalie ist, anders als Röteln oder Toxoplasmose, relativ unbekannt und dennoch die häufigste Ursache von Schädigungen des Kindes während der Schwangerschaft. Etwa eine von hundert Frauen steckt sich während der Schwangerschaft zum ersten Mal mit dem Virus an, und in 40 Prozent der Fälle überträgt sich die Infektion auf das ungeborene Kind.

Während die werdende Mutter meist nur die Symptome einer leichten Grippe spürt, können die Folgen für das Kind dramatisch sein: Sie reichen von Früh- und Totgeburten bis zu schweren Hirn- und Organschäden. Und die einzige zynische "Therapie" dagegen hieß bislang: Schwangerschaftsabbruch.

Meine Freundin war zutiefst verstört. Erst ein zweiter Test gab nach quälendem Warten Entwarnung: Die Infektion lag deutlich vor der Schwangerschaft und war damit ungefährlich für das Ungeborene.

Eigentlich ist es erstaunlich, dass eine so häufige Krankheit, die noch dazu so gravierende Folgen hat, von der Forschung so lange vernachlässigt wurde. Schon in den 70er Jahren war ein Cytomegalie-Impfstoff in der Entwicklung, doch wegen fehlender finanzieller Mittel kam man damit nicht weit.

Jetzt gibt es endlich Grund zur Hoffnung. Seit drei Jahren behandelt ein italienischer Mediziner Schwangere, die sich erstmals mit dem Virus infizierten, mit so genannten Immunglobulinen. Die Übertragung des Virus auf das Ungeborene konnte so in vielen Fällen verhindert werden. Inzwischen kann das Medikament bei erstinfizierten Schwangeren auch bei uns eingesetzt werden - noch allerdings ist das eine experimentelle Therapie.

Dieser Tage startete eine große europäische Studie, die den Nutzen der Immunglobuline wissenschaftlich untersuchen soll. Etwa 25.000 Frauen aus sieben europäischen Ländern werden dafür ab der 12. Schwangerschaftswoche mehrmals auf das Virus getestet und im Falle einer Infektion mit Immunglubolinen behandelt.

In einem 2007 erschienenen Ratgeber ("Untersuchungen zur Früherkennung" ) bewertet Stiftung Warentest den Test auf Cytomegalie noch als "nicht geeignet", um die Gesundheit des Kindes zu schützen, weil es nach der Diagnose keine Benhandlungsmöglichkeit gab. Diese Bewertung könnte sich ändern, wenn die Medizin jetzt wirklich ein Mittel gefunden hat, um Schäden durch CM-Viren vom Ungeborenen abzuwenden.

Doch vorläufig gilt: Frauen, die den Test machen, werden eventuell vor die schwere Entscheidung gestellt, eine experimentelle Therapie mitzumachen oder eine späte Abtreibung in Erwägung zu ziehen. Darüber sollte man werdende Mütter informieren - aber man sollte nicht, wie es das Deutsche Grüne Kreuz tut, dafür werben.

Text: Antje Kunstmann Foto: Klaus Knuffmann Illustration: Tim Möller-Kaya

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Antje Kunstmann
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