"Das bin ich, kurz nach meiner Sterilisation – warum ich keine Kinder will"

Für die einen sind Kinder das größte Glück im Leben. Andere können sich gar nicht vorstellen, Kinder zu bekommen. Maren (33) ist eine von ihnen und erzählt hier, warum sie sich für eine Sterilisation entschieden hat.

Auf Instagram erzählt Maren unter ihrem Usernamen "miezanthrop" im März 2019 offen von ihrer Sterilisation. Zu einem Foto ihrer Beine kurz nach der Operation schreibt sie: "Mehr Realität? Bitteschön. Vor einer Woche habe ich mich in einem Krankenhaus sterilisieren lassen. Und nein, ich werde das nicht bereuen. Ich fühle mich befreit und bin sehr glücklich mit dieser Entscheidung.

So funktioniert eine Sterilisation

Bei einer Sterilisation der Frau werden die Eileiter entweder mit Hitze verschweißt, mit einem Clip abgeklemmt oder durchtrennt. So können die Eizellen nicht mehr in die Gebärmutter gelangen und für die Samenzellen des Mannes wird der Weg zur Eizelle blockiert. Der Eisprung findet nach diesem Eingriff weiterhin statt. Allerdings wird die Eizelle in die Bauchhöhle geleitet und dort vom Körper abgebaut. 

Nach einer Sterilisation liegt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft laut dem "Berufsverband der Frauenärzte" bei 0,1, das heißt im Schnitt wird 1 von 1000 Frauen pro Jahr trotz Sterilisation schwanger. 

"So war die Sterilisation für mich"

Im Gespräch mit BRIGITTE.de berichtet Maren davon, warum sie keine Kinder möchte und warum sie sich für den radikalen Schritt einer Sterilisation entschieden hat. 

BRIGITTE.de: Liebe Maren, du hast dich für eine Sterilisation entschieden, deine Entscheidung gegen Kinder steht fest. Warum möchtest du keine Kinder haben?

Maren: Für mich war schon immer klar, dass ich keine Kinder haben möchte. Dafür habe ich viele Gründe, und keinen einzigen dafür welche zu bekommen. Ich habe einen großen Freiheitsdrang und will mich nicht an so eine große Verantwortung binden. Ich will keine Schwangerschaft durchmachen und auch keine Geburt. Außerdem gibt es so viele Kinder auf der Welt, um die sich niemand wirklich kümmert, oder die in Heimen aufwachsen. Da würde ich eher eines adoptieren, wenn ich einen Kinderwunsch hätte. Die Welt ist überbevölkert und irgendwann gehen die Ressourcen aus.  

Wie alt warst du, als du erstmals an eine Sterilisation gedacht hast, wie alt warst du bei der Operation und wie alt bist du jetzt? 

Das erste Mal ernsthaft über eine Sterilisation nachgedacht habe ich so mit 25 Jahren, beim Eingriff war ich 32 Jahre alt, jetzt bin ich 33.

Warum waren andere Verhütungsmethoden keine Option (mehr) für dich?

Ich habe mit circa 14 Jahren angefangen, die Pille zu nehmen, hatte dann mal das Pflaster, die Hormonspirale und den Vaginalring. Die Spirale habe ich gar nicht vertragen, die musste ich vorzeitig entfernen lassen. Das Pflaster fand ich irgendwie unangenehm und unpraktisch im Alltag. Immer an die Pille zu denken und bewusst jeden Tag Hormone zu mir nehmen hatte ich auch keine Lust. Außerdem gibt es ja bei allen Methoden einige Nebenwirkungen. Am besten habe ich den Vaginalring vertragen. Aber wozu meinem Körper das alles antun, wenn ich es endgültig und ohne Hormone verhindern kann, schwanger zu werden? Ich wollte wissen, wie mein Körper und meine Psyche ohne zusätzliche Hormone reagieren.

Hattest du keine Angst vor den möglichen Risiken einer Sterilisation, wie etwa Verletzungen im Bauchraum durch die Operation oder später auftretenden hormonellen oder psychischen Problemen, vor denen Ärzte warnen?

Vor möglichen körperlichen Risiken hatte ich gar keine Angst. Ich habe mich in der Klinik von Ankunft bis Abholung gut aufgehoben gefühlt und mir wurde alles, was ich wissen wollte, genau erklärt. Wegen psychischen Folgen/Nebenwirkungen habe ich mir eher davor Gedanken gemacht, als ich noch hormonell verhütet habe.

War es schwer einen Arzt oder eine Ärztin zu finden, die bereit war, die Operation durchzuführen? 

Ich hatte früher schon mehrere Ärzte angefragt, die sagten aber immer, dass sie es nicht unter 35 Jahren und nur bei Frauen, die schon Kinder bekommen haben, machen würden. Eine Freundin von mir, die Ärztin ist und wusste, dass ich mir zu 100 Prozent sicher bin, dass ich nie schwanger werden will, hat mit dem Chefarzt der Klinik gesprochen und so bin ich dann an einen Termin zum Vorgespräch gekommen. 

Hat deine Krankenkasse die Kosten für die OP übernommen? 

Die Krankenkasse übernimmt leider keine Kosten dafür.

Wie lief die Operation ab und wie hast du dich dabei gefühlt? 

Ich bin morgens in die Klinik gekommen, wurde dann abgeholt und in den Operationssaal gebracht. Die Operation wurde bei mir per Laparoskopie (Bauchspiegelung) gemacht und dauerte nur circa 30 Minuten. Danach wurde ich in den Aufwachraum gebracht und später aufs Zimmer, wo ich noch ein paar Stunden liegen musste, bis ich abgeholt wurde. Nach einer Woche spürte ich vom Eingriff gar nichts mehr und konnte die Fäden im Bauchnabel und am Unterbauch ziehen lassen. Die Fäden waren jeweils etwa einen halben Zentimeter lang.

Was hast du in den ersten Momenten nach der OP gedacht? 

Direkt nach der OP fühlte ich mich sehr erleichtert und glücklich, da ich das schon so lange wollte. 

Wie geht es dir jetzt, einige Monate nach dem Eingriff? 

Ich fühle mich auch jetzt, Monate nach dem Eingriff, immer noch befreit. Befreit davon, ständig an Verhütung zu denken und einfach die Gewissheit zu haben, dass ich nicht schwanger werden kann oder die Chance einfach extrem gering ist. 

Wie haben Freunde / Familie / Partner*in auf deine Entscheidung reagiert? 

Mein Umfeld hat durchweg positiv reagiert. Als ich bei Instagram über den Eingriff berichtet habe, habe ich jedoch nicht mit so viel positivem Feedback gerechnet. 

Kennst du noch andere Frauen, die sich für eine Sterilisation entschieden haben? 

In meinem Umfeld gibt es, soweit ich weiß, keine anderen Frauen, die sich sterilisieren haben lassen. 

Nie wieder die Pille vergessen

"Dein Körper. Deine Entscheidung."

Auf Instagram erhält Maren viel Zuspruch für ihre Entscheidung. Viele Frauen können ihre Entscheidung gut nachvollziehen.

Eine Frau schreibt: "Dein Körper, deine Entscheidung. Finde das ganz toll, dass du trotz allem Druck dir selbst treu bleibst." Eine andere kommentiert: "Ich find's toll von dir, dass du so offen dazu stehst ❤️ das macht mir Mut und stärkt mich in meiner Entscheidung!" Für sie selbst komme ein solcher Eingriff zwar nicht in Frage, es bestärke sie allerdings darin, trotz anhaltender Kritik und Unverständnis aus ihrem Umfeld zu ihrer Entscheidung gegen Kinder zu stehen. 

Chancen & Risiken einer Sterilisation

Viele Frauen fühlen sich nach einer Sterilisation befreit und haben das Gefühl, ihr Liebesleben jetzt unbeschwert genießen zu können. Mediziner warnen allerdings vor den möglichen Komplikationen einer Sterilisation.

Wie bei jeder Operation im Bauchraum kann es zu Infektionen, Nachblutungen, Verletzungen anderer Nachbarorgane, Schmerzen oder Thrombosen kommen. Nach einer Sterilisation ist außerdem das Risiko einer Eileiterschwangerschaft oder einer Bauchhöhlenschwangerschaft erhöht. 

Der Menstruationszyklus bleibt meist unverändert. Allerdings kann es in seltenen Fällen durch die verschlechterte Durchblutung der Eierstöcke zu hormonellen Störungen kommen, die unter anderem Stimmungsschwankungen, sexuelle Lustlosigkeit oder Hitzewallungen auslösen können. Langfristig warnen Ärzte vor möglichen psychischen Problemen. 

Zudem kann eine Sterilisation nur schwer rückgängig gemacht werden und sollte darum gut überlegt sein. Mediziner empfehlen daher, diesen Schritt unbedingt erst dann zu gehen, wenn die Kinderplanung ganz sicher abgeschlossen ist.

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mh
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