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Pipi, Kacka, Arschballon: Ja, auch das wird uns später fehlen

Pipi, Kacka, Arschballon
© Shutterstock / Kramynina
Eine Liebeserklärung in Wort und Faden von Autorin und Bloggerin Rike Drust. ♥

rike-drustImmer, wenn ich auf Klo gehe, fragt mich die Kleine "Musst du Pipi oder Kacka?" Immer. Ihr ist egal, wo, und ob Leute dabei sind, juckt sie auch nicht. Und genau genommen müsste sie gar nicht fragen, weil sie sowieso immer mitkommt.

Manchmal, wenn ich auf der Toilette sitze und die Kleine vor mir steht und singt oder mich bittet, ihre Zähne zu putzen, sehne ich mich sehr danach, ganz allein aufs Klo gehen zu können. Ohne vorher gefragt zu werden, was rauskommt.

"Jajaja", stöhnt dann mein klügeres Ich. "Denkste jetzt, aber wenn das dann so weit ist, dann ist das auch wieder verkehrt. Dann heulste rum, weil die Kinder schon so groß sind und gar nichts mehr mit dir zu tun haben wollen."

"Nicht mal mehr mit mir auf Klo", seufze ich dann.

"Genau. Dann hör doch jetzt mal auf zu heulen, sondern mach das Beste draus."
Also habe ich daraus gemacht, was es später sein wird: irgendwie unangenehm, aber irgendwie auch süß.

Stickbild Kinder vermissen
© Rike Drust

Und wo ich schon dabei war, habe ich überlegt, was sonst noch so in die Kategorie "Kann nerven und wird auf jeden Fall vermisst werden" passt. Es ist das Wort, bei dem jede Mutter vor Freude weint, wenn das Kind es das erste Mal sagt, und ab einem Kindesalter um die Drei häufig sehr viel Geld bezahlen würde, es NICHT mehrere hundert Mal am Tag zu hören.

Stickbild Kinder vermissen
© Rike Drust

Und weil ich gerade so viel Stickstoff hatte, habe ich weiter überlegt. Was ist gerade typisch für unsere Zeit und was wird mir später vor Sehnsucht ins Herz boxen wie der stärkste Rummelboxer? Der Große, der wird irgendwann leider richtiger schreiben, deshalb habe ich ihn gebeten, den Titel eines bei uns viel besungenen Liedes aufzuschreiben.

stickbild Muttergefühle
© Rike Drust

Und damit die Kinder sich nicht ungerecht behandelt fühlen, habe ich auch noch eine hübsche Erinnerung aus dem Lied gestickt, das die Kleine gerade mit Vorliebe an Supermarktkassen oder anderen Orten mit hoher schlecht gelaunter Rentnerdichte singt.

Stickbild Arschballon
© Rike Drust

Und wenn die Kinder irgendwann wirklich aus dem Haus sind und ich all den Wahnsinn und all die Immerzusammigkeit schlimm vermisse und die Kinder nicht an ihr Telefon gehen, weil ich die einzige bin, die mit dem zukünftigen Äquivalent der unterdrückten Rufnummer anruft, dann habe ich zumindest diese Bilder hier.

Text von Rike Drust, ursprünglich erschienen auf infemme.com.

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