Stolze Alleinerziehende: Eine Mutter blickt zurück auf das, was sie geleistet hat.

Das Leben als Alleinerziehende ist oft hart. Aber auch diese Aufgabe ist irgendwann geschafft. Ein guter Grund, innezuhalten und stolz auf sich selbst zu sein.

Um diese Familie geht es:

Carola Marette, 44, kaufmännische Angestellte, vier Kinder: Yannic und Severin, 21, Gesellen,
 Maximilian, 20, Azubi, und Lara Desiree, 18, Abiturientin

Mann weg, vier Kinder, kein Geld, kein Job: Was mache ich jetzt?

Plötzlich Alleinerziehend: Als Mutter auf sich gestellt

Als mein Mann auszog, waren die Zwillinge fünf, Max war vier und die Kleine zwei Jahre alt. Ich kann nicht mehr genau sagen, woran die Ehe gescheitert ist, jedenfalls half auch eine Paartherapie nicht. Obwohl wir uns einig waren, dass eine Trennung das Beste wäre, ging dann aber doch alles viel zu schnell: Mein Mann räumte ein paar Sachen aus der Wohnung und war verschwunden – ohne jede Absprache in Sachen Unterhalt oder Kinderbetreuung. Ich erinnere mich genau an den Morgen, an dem ich die Großen in die Kita brachte und danach mit der Kleinen zum Jugendamt ging und sagte: "Mein Mann ist weg, ich habe vier Kinder, kein Geld und keinen Job. Was mache ich jetzt?" Zum Glück kümmerte sich ein sehr netter Sozialpädagoge vom Allgemeinen Sozialen Dienst sofort um mich. Er hörte mir zu, half mir, Gelder zu beantragen, und hat sich viele Jahre lang für mich eingesetzt und mich durch alle Krisen begleitet.

Mein Mann machte in der ersten Zeit komplett dicht - er war halt auch in einem tiefen Loch, denke ich heute. Er kümmerte sich nicht um die Kinder und zahlte keinen Unterhalt, den musste ich einklagen. Und ich musste ins Berufsleben zurück. Ich machte eine Umschulung und fand einen Job, erst stundenweise, dann Vollzeit.

Oft bin ich aus der Wohnung raus und zum See gerannt,
 um zu weinen und zu schreien

Irgendwann nahm mein Mann auch wieder Kontakt zu den Kindern auf, ab da waren sie alle zwei bis vier Wochen für ein Wochenende bei ihm. Aber die Situation blieb brutal. Die Kinder waren, als sie älter wurden und zur Schule gingen, viel allein, und ich musste ständig über meine Grenzen gehen. Oft bin ich aus der Wohnung raus und zum See gerannt, um zu weinen und zu schreien. Manchmal bin ich auch vor den Kindern zusammengebrochen. Und wenn ich sie in den Arm genommen habe, habe ich gar nichts gefühlt, das war schrecklich: Ich habe nur noch funktioniert. 

Auch die Kinder leiden am fehlenden Vater

Natürlich haben die Kinder gelitten, das äußerte sich vor allem in ihrem Verhalten. Mein einer Zwilling zog sich so sehr in sich selbst zurück, war für niemanden mehr erreichbar, dass er aus der Familie genommen wurde. Das hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen, ich hatte das Gefühl: Jetzt habe ich komplett versagt! Aber dann habe ich eine Familienhelferin bekommen, die mich als Mutter bestärkt und entlastet und erreicht hat, dass mein Exmann - trotz neuer Familie - noch regelmäßiger Kontakt zu den Kindern pflegte. Von da an ging es allmählich bergauf, auch mein Sohn kam zurück zu uns.

Alleinerziehend und stolz

Inzwischen ist aus allen etwas Vernünftiges geworden, die Zwillinge und Max haben sogar schon eigene Haushalte. Ich bin dankbar für jedes einzelne meiner Kinder - und auch dafür, dass sie immer zusammenhalten, dass sie gern nach Hause kommen und gut reflektieren können. Aber erst, als auch meine Tochter ihre mittlere Reife gemacht hatte, ging mir auf: "Was hast du da alles geschafft!" Da habe ich so sehr weinen müssen.  

Brigitte WOMAN 03/2018

Wer hier schreibt:

Protokoll: Julia Karnick und Stephanie Arndt

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