Warum bin ich als Mutter für alle unsichtbar?

Da hilft auch kein Kinderwagen in Panzer-Größe: Seit Bloggerin Anke ein Kind hat, wird sie ständig auf der Straße übersehen. Woran liegt es wohl?

Das Blog: Lächeln und Winken

Die Bloggerin: Anke Neckar ist Texterin und Autorin, lebt mit ihrem Mann in Köln und erfüllt nach eigenen Angaben die "vielfältigen Aufgaben als Dienstmagd, äh... Mama der kleinen Ella".

Das gefällt uns: Was für ein Glück für uns, dass sich Anke derzeit aufs Mutter- und Bloggersein konzentriert - denn so können wir regelmäßig tollen Texte lesen. Witzig und herzerfrischend ehrlich!

Dass mich Männer auf der Straße keines Blickes mehr würdigen, wenn ich ihnen mit Kind und Kegel entgegen komme, finde ich nicht schlimm – den besten von ihnen hab ich ja schließlich eh schon geheiratet. Trotzdem fällt es mir natürlich auf, dass niemand mehr ein kleines Lächeln für mich übrig hat (früher gab's das durchaus mal).

Dabei habe ich wirklich gar nicht IMMER eine Kinderzahnbürste oder Babykotze im Haar! Ehrlich! Und manchmal ist meine Kleidung sogar größtenteils sauber (auf dem Hinweg zum Spielplatz geht's z.B. meist noch) und ich habe KEINE Gummistiefel an!

Am "Look" kann's also nicht liegen. Ich bin aber ja auch nicht nur für Männer unsichtbar ... sondern genauso für Frauen (ohne Kinder) und Teenies beider Geschlechter.

Wie unter der Tarnkappe

Ein Beispiel: Jedes mal, wenn ich in einer Schlange stehe – ob an der Eisdiele oder der Supermarkt-Kasse – und mich zu Kind oder Wickeltasche herunterbeuge, springt diese vermaledeite Tarnkappen-Technik automatisch an und lässt mich verschwinden.

So muss es jedenfalls sein, denn anders kann ich mir nicht erklären, dass, wenn ich mich wieder aufrichte, eine neue Person vor mir steht. Spreche ich denjenigen dann mit: "Entschuldigen Sie, ich glaube, Sie haben sich gerade vorgedrängelt", an, erhalte ich (fast) immer die folgende Antwort: "Oh, hab Sie gar nicht gesehen! Standen Sie hier an?"

WIE BITTE!?

Ich bin eine nicht gerade winzige Frau, trage gerade aktuell sehr oft einen quitsch-gelben Regenmantel, habe einen imposanten vor oder neben mit stehen, eine pinkfarbene Wickeltasche daran hängen und ein Kind dabei, dass wirklich NIE die kleine Schnüss hält! Also: WIE ZUM TEUFEL KANN MAN MICH ÜBERSEHEN???

Kann es sein, dass ich eine Tarnkappe trage, die sich selbst steuert? Ohne Knöpfchen am Kinderwagen? Das ist die einzig logische Erklärung!

Und das Erstaunliche ist, die Tarnung lässt sich sogar auf weitere Personen ausweiten! Beispiel: Mein Mann wollte sich vor einigen Wochen mal was "Kleines zum Freuen" gönnen. Eine neue Sonnenbrille. Er war bereit, dafür eine Summe zu bezahlen, die in mir leichte Übelkeit aufsteigen ließ (Ich bin eventuell ein bisschen geizig ... das tut aber hier nichts zur Sache).

Also steuerten wir samt Kind und Kinderwagen an einem Samstag ein schickes Brillen-Fachgeschäft an, gingen hinein, bewunderten schon mal die Auslage und warteten, dass sich jemand vom Personal um uns kümmern würde. Wir beobachteten, wie die anderen Kunden nach und nach mit Kaffee oder Sekt versorgt wurden und freuten uns schon darauf, selbst in den Genuss dieses Services zu kommen.

Für uns gibt es weder Sekt noch Kaffee

Nach 20 Minuten waren wir allerdings immernoch ganz ohne Verkäufer-Kontakt und wagten daher einen direkten Vorstoß: Wir sprachen einen Mitarbeiter an und fragten nach einem speziellen Modell. Der händigte es meinem Mann wortlos aus, verschwand aber sofort wieder. Wir standen da wie Trottel.

Offenbar wurden wir nicht als Kunden wahrgenommen ... nicht mal, nachdem wir VERBAL klares Kaufinteresse signalisiert hatten! Für uns gab es keinen Kaffee, keinen Sekt, nicht mal ein einziges an uns gerichtetes Wort. NICHTS! Es kümmerte sich nicht mal jemand darum, was wir mit dem besagten, teuren Brillen-Modell machten!

Wir sind dann natürlich einfach wieder gegangen. Und mein Mann hat im Internet bestellt. Was soll man sonst auch machen, wenn man als Familie mit Kind so unattraktiv bzw. unsichtbar erscheint, dass man im Einzelhandel nichts verkauft bekommt!?

Für Verkäufer sind wir das sichtbare Grauen

Geradezu EXTREM sichtbar werde ich offenbar hingegen, wenn ich mit dem Töchterchen Bekleidungsgeschäfte betrete: Sofort richten sich alle Verkäufer/innen-Augen auf mich und weiten sich vor Angst ... spätestens, wenn ich die kleine Madam abschnalle und aus dem Kinderwagen nehme. Dann kann ich förmlich sehen, was sie denken: "Oh, nein! Ein Kind! Es hat sicher Schokolade an den Händen! Es wird die Blusen berühren! Es wird die Hosen versauen! Es wird die Accessoires ZERSTÖREN!"

Zugegeben: Manchmal muss ich schmunzeln, ob der Panik dieser Damen. Weil sie aber nicht gaaaaanz unrecht haben mit der Gefahren-Einschätzung, bemühe ich mich sehr darum, meinen Nachwuchs im Zaum zu halten und nur mit sauberen Händen losziehen zu lassen. Und grundsätzlich wage ich mich eh nur sehr selten in Geschäfte mit Waren, die einem Kleinkind schutzlos ausgeliefert wären und die ich mir im Notfall nicht leisten könnte. Trotzdem: In so einer Situation wäre eine Tarnkappen-Technik ja durchaus ein Gewinn für mich und meine Bummel-Leidenschaft! Aber ohne Knöpfchen ...

Vielleicht hilft ein Nebelhorn?

NATÜRLICH kommt sowas nicht ständig vor (ausgenommen das Schlange-stehen-Phänomen – das passiert mir mindestens einmal die Woche) und manchmal liegt es sicher auch gar nicht an mir, dem Kind oder der nicht steuerbaren Tarnkappen-Technik, sondern es ist bloß Pech – mit genervten Verkäufern, die einfach so mal keinen Bock haben, mit unaufmerksamen Passanten, die total in Gedanken sind und DESHALB mein Kind umrennen und mit Teenagern, die sowieso zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind, um zu merken, dass sie mir an der Kasse fast auf den Arm klettern vor lauter Drängelei.

Und wie gesagt: Grundsätzlich fände ich es ja echt gut, ab und zu unsichtbar werden zu können. Aber eben bitte nur dann, wenn's MIR in den Kram passt! In all den Momenten, in denen sich fremde Menschen dazu berufen fühlen, meine Erziehung zu kritisieren, mir Tipps zu geben, mich anzupöbeln oder mein Kind anzutatschen, wäre ich schier begeistert, ein solches Tarnkappen-Knöpfchen zur Verfügung zu haben.

Das würde meine Nerven erheblich schonen! Aber ... so lange ich dieses Knöpfchen nicht finde ... macht das Verschwinden einfach keinen Spaß! Deshalb werde ich jetzt aufrüsten. Ich bringe ein winzig kleines NEBELHORN am Kinderwagen an! Super Idee, finde ich! Nur für alle Fälle - falls das Tarnkappen-Ding wieder einmal anspringt, wenn ich's nicht gebrauchen kann. Bestell ich direkt mal. Und für Ella ordentliche Ohrschützer. Ich bin ja schließlich keine Rabenmutter ... Also echt jetzt!

Text von Anke Neckar, in voller Länge erschienen auf www.laecheln-und-winken.com

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