Kinder? Gehören verboten!

Bloggerin Katja hat zwei Kinder, die immer jemanden stören - auch wenn sie einfach nur fröhlich sind. Was sagt das über ein Land, das seine Kinder am liebsten in schalldichte Räume verbannen würde?

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Das Blog: Grummelmama

Die Bloggerin: Katja hat zwei Kinder, einen Mann und bloggt seit 2013 über ihr Leben als Mutter und über die Welt aus ihrer Sicht.

Das gefällt uns: Grummelig? Nein, so kommen die Texte von Katja gar nicht rüber, sondern vielmehr: lebensbejahend. Ehrlich. Optimistisch. Nachdenklich. Und herrlich selbstironisch.

Ich weiß nicht, wie es euch Vätern und Müttern damit geht, wie die Umwelt auf eure Kinder reagiert – und wie ihr wiederum auf diese Reaktionen reagiert. Ich bin ein Mensch, dem es immer (zu) wichtig ist, was andere denken. Und ich bin eine der Mütter, die immer (viel zu!!!!!) oft "Pssssst!" oder "Nicht so laut!" oder "Rennt nicht so rum!" sagen, zischen oder in dem fiesen scharfen Mama-Ton flüstern. Gerade vorgestern hatte ich aber wieder ein paar Begegnungen der typisch deutschen Art, die mich immer wieder in dieser doofen Angewohnheit bestätigen.

Meine Kinder stören scheinbar. Wenn sie einfach auf dem Gehweg laufen und sich miteinander unterhalten. Ist ja auch total nervig, wenn eine sechsjährige Erstklässlerin und ein dreijähriges Kindergartenkind nebeneinander auf dem Gehweg spazieren und sich über ihr jeweiliges Mittagessen unterhalten und dabei die Dreistigkeit besitzen, nur Platz für zwei Arm in Arm laufende dicke Männer (also jetzt rein hypothetisch) zu lassen! Da ist schon klar, dass sich der dünne, alte Mann mit Hut total verdrängt und belästigt fühlt – und zwar so sehr, dass er stehenbleiben und den Kopf schütteln und unverständliche Flüche ausstoßen muss.

Kinder vor die Tür nehmen? Rücksichtslos!

Meine Kinder stören auch total, wenn sie beim Einkaufen ein bisschen Spaß haben. Supergrauenvoll, wenn die Sechsjährige die Dreijährige im Einkaufswagen schiebt und die beiden dabei kichern und singen. Das ist scheinbar dermaßen laut, dass man seine eigenen Gedanken nicht mehr hören und unmöglich weiter einkaufen kann! Nachvollziehbar, dass die alte Dame mit ihrem Ziehwagen laut stöhnend und "Unmöglich" grummelnd den Gang wechseln muss.

Wie kann man überhaupt so rücksichtslos sein, Kinder mit vor die Tür zu nehmen? Ich meine, die sind laut, wild, rennen rum, kichern, lachen, spielen Nachlauf, singen, oder – Gott behüte! – haben Spaß! Manchmal schreien sie auch! Oder heulen! Oder brüllen! Schrecklich! Man sollte sie nur noch im privaten PKW von A nach B transportieren. Mit geschlossenen Scheiben. Wobei A und B bitte auch nur für Kinder vorgesehene Aufbewahrungsstätten wie Kindergärten, Schulen oder für Kinder eingerichtete Kurse und Veranstaltungen sein dürfen!

Ja, so wäre das wohl am besten für Deutschland. Ach ja, die Aufbewahrungsstätten sollten aber auch nur IN Gebäuden erlaubt sein und sollten Sorge dafür tragen, dass auch dort die Fenster geschlossen und die Kinder in den Räumen gehalten werden. Nicht, dass die raus gehen und dort in Gärten oder auf Plätzen laut Spaß haben! Keine Sau will doch, dass die komischen, lauten Menschen mit ihren kleinen Händchen und kleinen Füßchen auf Wiesen rumlaufen, in der Früh-, Mittags- und Abendruhe auf Spielplätzen (gehören eh verboten!) jauchzen oder gar in öffentlichen Straßen mit Bällen oder Schlimmerem spielen! Wo soll sowas denn nur hinführen?

Genau dahin, wo wir gerade sind. Mitten rein in einen Alltag, in dem man sich für Gespräche zwischen Kindern, die über einen Flüsterton hinausgehen, in Läden, Bussen oder in der Öffentlichkeit schämen will. Mitten rein in einen Alltag, in dem man die Kinder ständig zur Ruhe, zur Ordnung und zum Stillstehen nötigt, nur damit kein fremder Mensch die Nase rümpft.

Meine Kinder sind keine unerzogenen Rüpelchen

Ich muss sagen, ich bin eine strenge Mutter, der das Verhalten ihrer Kinder immer sehr wichtig ist. Meine Kinder sind erzogen. Sie sind keine laut brüllenden Rüpelchen, die alles aus den Regalen reißen, marodieren, Menschen anrempeln oder ähnlich schlimm auffallen. Aber, verdammte Axt, sie sind halt Kinder! Sie sind laut! Und sie sind unbedarft! Und ja, wenn sie im Supermarkt einen bunten Ständer mit Kinderkram sehen, dann rufen sie mal laut "PAPIIIIIIIIII, das MUSST du sehen!!!!" Und wenn sie sich plötzlich in Gang 3 an das Elsa-Lied erinnern und es singen, dann drehen sie sich halt mal vor Freude im Kreis. Und wenn sie nach Stunden des Stillsitzens in der Schule endlich raus können, dann rennen sie auch mal hüpfend auf dem Gehsteig und spielen Einhorn.

Einmal – wirklich nur EIN EINZIGES MAL – reagierte eine alte Dame im Supermarkt auf mein "Psssst! Nicht so laut!" so, wie es sein sollte. Sie sagte: "Warum sollen die Kinder so leise sein? Das sind Kinder! Wer sich davon gestört fühlt, hat eben Pech gehabt! Engen Sie sie nicht so ein, sonst verlernen sie das eines Tages noch".

Und ich dankte ihr von Herzen dafür, mich und meine blöde Angepasstheit so ertappt zu haben. Aber genauso ist es doch. Unsere Kinder sind unsere Zukunft. Und ich habe lieber eine Zukunft, die laut lacht und springt und singt und kichert als eine, die sich kaum traut, den Mund aufzumachen und sang- und klanglos untergeht.

Text von Katja Niederländer, ursprünglich erschienen auf Grummelmama.de.

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Kommentare (20)

Kommentare (20)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Absolut genauso ist es hier in Deutschland!! Wir haben schon mehrmals im Ausland für Jahre gewohnt- es ist so beklemmend jedesmal sich wieder an den Umgangston hier mit Kindern zu gewöhnen!!
  • Anonymer User
    Anonymer User
    "Und die Annahme, dass man selbst damals immer brav war, zeugt von wenig Selbstreflektion."



    Da hast du etwas gründlich falsch verstehen wollen, was auch der Rest deines Kommentars zeigt. An der Stelle ist jede weitere Energie deutlich verschwendet. Guten Tag.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Blödsinn, Susi sorglos. Wenn 'zu meiner Zeit' im Kaiserreich war, vielleicht. Und die Annahme, dass man selbst damals immer brav war, zeugt von wenig Selbstreflektion (schon in der Antike beklagte man die ungezogene Jugend). "Angrabbeln" ist schon ein Wort, in dem sich mannigfaltiger Kinderekel ausdrückt. Erzählen Sie mir keinen Quatsch. Ich lege Wert auf gute Manieren bei Kindern, aber ich lege auch Wert auf einigermassen psychisch belastbare Erwachsene in meiner Umgebung. Und diese Kinderfeindlichkeit hierzulande nervt unsäglich. Natürlich kann man ein Kind direkt ansprechen. Es ist ja kein Unmensch oder Monster. Und erst, wenn dann die Mutter empört ist, dürfen Sie sich empören. Anders bei Hunden. Dort adressiert man das Unbehagen an den Besitzer. Aber Menschen wie Ihnen sind solche Feinheiten vermutlich nicht präsent. Im Sinne des Feminismus ist Ihre subversive Beleidigtheit der anderen Mutter gegenüber kontraproduktiv.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Im übrigen finde ich es bemerkenswert, dass du die Verantwortung für grenzüberschreitendes Verhalten des Nachwuches - wir sind uns einig, dass das nichts mit bloßer Anwesenheit oder Fröhlichkeit zu tun hat - bei den fremden Menschen siehst, die unter diesem Verhalten zu leiden haben.

    Verantwortung sowohl im Sinne von "Da muss der andere halt was zum Kind sagen" als auch im Sinne von "Ist sein Problem, wenn das für diesen hypergenervten Menschen nicht in Ordnung ist".

    Dann darf also erstmal jederzeit lustig gerempelt, getreten, beschmutzt oder geschrien werden.



    Zu meiner Zeit waren die Eltern für die Erziehung des Kindes verantwortlich. Meine Mutter hat mich allerdings auch nicht ständig ermahnen müssen. In der Regel reichte der entsprechende Blick. Nennt man Empathieschulung, so etwas.



    Für mich spilet es auch keine Rolle, ob es gerade Mama oder Papa derjenige ist, der wegsieht. In den meisten Fällen ist es schlicht die Mutter, die dabei ist.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Hypergenervt? Mitnichten.

    Sachen angrabbeln und wiederholt den Einkaufswagen in den Hacken ist aber durchaus eine Sache, die man als unangenehm empfinden könnte - und darf. Das gestehe ich übrigens jedem Menschen zu.



    Für dich hingegen reicht das Nichtbilligen solcher Aktionen durch einkaufende Mitmenschen offenbar bereits für einen übellaunigen Kommentar. Das lasse ich dann auch mal so stehen.



    Wenn du das Kind ansprichst, kommt der böse Blick von Mama, samt Bemerkung, wie man es wagen könnte, als Fremder ihren Goldschatz maßzuregeln.

    Und vor einem gewissen Alter sehe ich das Kind tatsächlich auch nicht als den richtigen Adressaten an.

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