Pssst! Von diesem Körperteil erfährst du erst, wenn du schwanger bist

Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Katrin, ich bin 30 Jahre alt und zum ersten Mal schwanger. Meine Schwangerschaft verläuft eigentlich ganz gut – wäre da nicht dieses Körperteil, von dem ich nie zuvor gehört habe ...

Die erste Schwangerschaft ist ein völlig neues Erlebnis. Man lernt seinen Körper ganz neu kennen und beobachtet und spürt, wie er sich verändert. Der Bauch wächst, hier und da spürt man hin und wieder ein Ziehen oder Drücken, ab einem gewissen Monat die Tritte und Fäustchenschläge des wachsenden Babys – abenteuerlich!

Auch wenn sich einige dieser Veränderungen etwas anders anfühlen als jegliche physischen Gegebenheiten zuvor, kann man sie doch ganz gut vergleichen: Das Ziehen im Unterleib ähnelt dem während der Periode, die Rückenschmerzen kennt man auch von einer Verrenkung, geschwollene Füße hatte man auch schon nach einer langen Wanderung im falschen Schuhwerk. So weit, so einfach einzuordnen. Doch dabei bleibt es nicht immer.

Symphysenlockerung: Kennste?

Irgendwann, so etwa um den siebten Schwangerschaftsmonat herum, kommt ein Schmerz an einer Körperstelle hinzu (allerdings nicht bei allen Schwangeren!), von der man gar nicht wusste, dass es sie gibt: die Symphyse. Sym- was?!

Ja, liebe Frauen, ob schwanger oder nicht, wir alle verfügen über eine sogenannte Symphyse, wie ich unter Schmerzen berichten kann. Die Symphyse, auch Schambeinfuge genannt, ist ein sogenannter Faserknorpel, der die beiden Beckenknochen miteinander verbindet.

Durch die in der Schwangerschaft ausgeschütteten Hormone lockert sich die Symphyse, hier pink im Bild.

Dieses Verbindungsstück der Beckenknochen haben wir alle – doch in der Regel bekommen wir es niemals zu spüren. In der Schwangerschaft wird allerdings das Hormon Relaxin freigesetzt, das den gesamten Beckengürtel lockert, um die anstehende Geburt zu ermöglichen. So weit, so sinnvoll.

Schmerzvoll wird es allerdings, wenn sich die Symphyse dadurch zu sehr dehnt und weder dem Gewicht des wachsenden Bauches noch einigen alltäglichen Bewegungen standhalten kann. Die Diagnose lautet dann ganz einfach: Symphysenlockerung – ein Begriff, den ich zuvor noch nie gehört habe, ÄrztInnen, ArzthelferInnen und Mitarbeitern von Sanitätshäusern allerdings sehr wohl ein geläufiges Wort ist, wie ich festgestellt habe.

Wie ein starker Muskelkater

Bei mir kam der Schmerz von einem Tag auf den anderen und variiert seitdem täglich. Zu große Schritte, auf einem Bein stehen und sich nachts im Bett umdrehen sind in meinem Fall sehr schmerzhaft. Es fühlt sich in etwa an wie ein sehr, sehr starker Muskelkater, der dich an gewissen alltäglichen Bewegungen hindert. Sogar das Sitzen mit überschlagenen Beinen wird zur Herausforderung.

Als ich meinen Gynäkologen darauf ansprach, schien er wenig überrascht zu sein, ja vielmehr hatte ich das Gefühl, dass er das ziemlich häufig von seinen Patientinnen zu hören bekommt. Ich bekam einen Symphysengürtel verschrieben, welcher der Symphyse wenigstens das Gewicht des Babybauchs teilweise abnimmt. Zudem ein paar gute aber teils schwer einzuhaltende Ratschläge:

  • keine Treppen steigen
  • nicht viel / lange bewegen
  • nicht schwer heben
  • nichts schieben (etwa Einkaufswagen)
  • Beine nicht spreizen (also auch nicht Brustschwimmen)
  • beim Anziehen hinsetzen (auf einem Bein stehen ist nämlich nun schmerzlich)
  • beim Gehen nur kleine, langsame Schritte machen

Letzteres ist insofern leicht zu befolgen, als dass größere (oder normalgroße), rasche Schritte ohnehin so schmerzhaft sind, dass man automatisch den Entengang einlegt. Was Abhilfe verschaffen kann, sind Übungen zur Stärkung des Beckenbodens oder Physiotherapie. Na toll.

Nicht schieben, heben, steigen

Was mich neben der Schmerzen und der fehlenden Medikamente erheblich belastet, ist die Ungewissheit, wie es weitergeht. Denn ob sich Symphysenschmerzen verschlimmern im Verlauf der Schwangerschaft und wann sie nach der Geburt nachlassen, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Sogar die Geburt kann dann in Rückenlage zum Problem werden – es wird der Vierfüßlerstand empfohlen.

Laut der Apotheken-Zeitschrift Baby und Familie leidet etwa jede zweite Schwangere unter solchen Beckenschmerzen – mal schwächer, mal stärker ausgeprägt. Das beruhigt mich insofern, dass ich mich mit diesem Problem nicht alleine auseinandersetzen muss. Auch Freundinnen und Bekannte von mir rückten bei Nachfrage mit der Sprache heraus, dass sie mindestens eine ehemalige Schwangere kennen, die dieses Problem hatte. Dieses Wissen beruhigt.

Also liebe Mitleidende: Sprecht miteinander auch über Dinge, die in der Schwangerschaft unangenehm sind. Auch dann, wenn ihr sie nicht benennen könnt, weil ihr das passende Wort dazu noch nie gehört habt. Manchmal stellt sich heraus, dass auch das Unbekannte ganz normal ist. Ein Glück ...

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