Gefangen in der Keimhölle Kinderarzt

Eigentlich will MOM-Autorin Alena nur mit ihrem gesunden Vierjährigen zum Impfen. Doch dann steckt sie im verseuchten Wartezimmer fest - und redet sich mal wieder den Mund fusselig. Ein Protokoll.

So, mein Schatz,

pschschscht, schön leise, schau mal, hier sind lauter kranke Kinder, wir dürfen nicht so laut sein, ja? Wir sind ja nicht lang hier, komm, lass das liegen, wir setzen uns erst mal hin.

Nee, lieber hier, schau mal, der Junge da hustet ganz schön dolle, und da müssen wir uns ja nicht direkt danebensetzen. Weil ich nicht will, dass du dich ansteckst. Ich will nicht, dass du krank wirst, wir wollen ja nur zum Impfen.

Soll ich dir was vorlesen? Ich hab dein Lieblingsbuch mitgebracht. Nein? Lieber spielen? Na gut, aber nicht so laut, ja? Schatz, nicht mit den Duplo-Steinen schmeißen. Und bitte nimm die nicht in den Mund.

Darum. Weil damit ja auch kranke Kinder spielen. Und ich will nicht, dass du dich ansteckst. Mitspielen? Ich würde ja gern hier mal kurz in der "Gala" ...

Okay, was willst du spielen? Mit dem Arztkoffer? Oh, Mann, muss ich? Gut, na dann untersuch mich mal. Aua, aua, Herr Doktor, mir tut alles weh. AUA, nicht so doll mit dem Hammer! Fieber messen? Na gut. Nein, ich kann mir hier nicht die Hose runterziehen, wir tun nur so, okay? Ist ja nur ein Spiel. Nee, auch nicht im Mund. Ich will das nicht im Mund haben. Du sollst das auch nicht in den Mund nehmen.

NICHT IN DEN MUND!

Weil das schon andere kranke Kinder in den Fingern hatten und ich nicht will, dass du dich ansteckst.

Komm, wir lesen was, ja? Ich hab den "Grüffelo" dabei. Lieber das Buch da? Aber schau, das hat ja jetzt das Mädchen mit der grünlichen Gesichtsfarbe, die liest da noch ganz lange drin. Oh, doch nicht? Schon ausgelesen? Können wir nicht ein anderes lesen, Schatz?

Du, ich glaube, das Mädchen war noch gar nicht fertig, die musste nur mal ganz schnell mit ihrer Mama aufs Klo. Magen-Darm, verstehst du? Ja, genau: Flitzekacke. Und deshalb würde ich wirklich lieber ein anderes Buch lesen. Lass das Buch da liegen. Lass es liegen! Malen? Na klar, da hinten ist eine Malecke, da kannst du malen. Die Stifte ... Nicht in den Mund, Schatz.

NICHT IN DEN MUND!

Okay, pschscht, nicht so laut. Schau, hier ist doch noch eine Seite fast nicht bemalt in dem Malbuch, mal die doch da einfach weiter. Wir sind bestimmt gleich dran.

Oh, na hallo, wer kommt denn da gekrabbelt? Schau mal, das kleine Mädchen will mal gucken, was du hier so malst. Süß, oder? Pass auf mit dem Filzstift. Oh, hast du ihr jetzt gerade ...

Die roten Punkte da im Gesicht, hast du ihr die jetzt aus Versehen mit dem Filzstift gemalt? Oder sind das ...?

Hatschi, na du bist ja ganz schön erkältet, kleine Maus! Wo ist denn deine Mama? Äh, hallo? Tschuldigung? Zu wem gehört dieses bezaubernde Mädchen, dem der Rotz bis zu den Schultern hängt? Oder hat mal einer schnell ein Taschentuch? Oh. Hat sich schon erledigt. Schatz, wir müssen ganz schnell deinen Pulli ausziehen, da ist jetzt alles voller Rotz an deinem Ärmel. Nicht ins Gesicht mit dem Ärmel, bitte.

NICHT IN DEIN GESICHT!

Komm, zieh mal den Pulli aus, das hat das kleine Mädchen ja nicht mit Absicht gemacht, aber den müssen wir trotzdem erst mal waschen.

Und jetzt komm mit, wir setzen uns noch mal und lesen den "Grüffelo", und zwar so lange, bis wir endlich dran sind. Also: "Die Maus spazierte im Wald umher, der Fuchs sah sie kommen und ..."

Was? Der Junge da? Keine Ahnung, was der hat, wahrscheinlich kann er nicht laufen und sitzt deshalb im Rollstuhl. Ich weiß auch nicht warum. Nicht so laut, Schatz. Fragen? Hm. Na gut, frag ihn. Aber es kann sein, dass er es dir nicht erzählen mag. Vielleicht bleibst du einfach bei mir und lässt den Jungen in Ruhe.

Nee, du kannst damit nicht fahren, der braucht den Rollstuhl ja. Nein, das ist nicht ansteckend, was der hat. Glaub ich. Trotzdem, bleib einfach hier bei mir, und wir lesen den "Grüffelo": "Hallo, kleine Maus, wohin geht die Reise, bei mir im Bau gibt’s Götterspeise ..."

Oh, hast du gehört? Da war dein Name, wir sind dran. Na, endlich. Komm, Schatz, wir lesen später weiter. Hey, los jetzt, wir sind dran. Ich les das später fertig, versprochen. Doch, jetzt komm schon, du kennst den "Grüffelo" auswendig. Ich übrigens auch. Da, hast du gehört? Noch mal dein Name. Komm jetzt, wir sind dran. Obwohl ... mir ist gerade so flau ... Vielleicht gehen wir zwei doch noch mal ganz, ganz schnell auf die Toilette.

Text: Alena Schröder Ein Artikel aus BRIGITTE MOM, Heft 4/2015

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Kommentare (3)

Kommentare (3)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    unser kinderarzt hat auch getrennte wartezimmer. aber mal ehrlich. so diee das da geschrieben os reagiert nur die sagrotanfraktion. ich jedenfalls ned.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Unsere Kinderärztin hat getrennte Wartezimmer für kranke und gesunde Kinder. Das ist ja schon super, und dennoch fürchte ich immer, dass wir mit Husten hingehen und mit Bonus-Durchfall nach Hause kommen.

    Aber im Ernst, sie hat mal gesagt, dass sie auch kleine Krebspatienten hat, die während der Chemo natürlich eine extrem schwache Immunabwehr haben und auf das " keimfreie" Zimmer angewiesen sind. Da kam ich mir ja albern vor mit meiner Durchfall-Sorge.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Unser Kindarzt hat seperate Zeiten für Krankenbesuche und Vorsorgeuntersuchungen

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