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Warum Mütter sich trennen - 3 Erfahrungsberichte

Warum Mütter sich trennen - 3 Erfahrungsberichte: Mutter und Kind schauen aus dem Fenster
© Lolostock / Shutterstock
Nora, Iris und Mila berichten von ihren Erfahrungen, nachdem sie ihren Partner verlassen haben. 

Nora, zwei Söhne (10 und 12)

"Endlich herrscht bei uns zu Hause wieder gute Laune! Wenn ich das geahnt hätte, hätte ich mich schon viel früher getrennt"

"Alles nur eine Phase", dachte ich, als unsere Eheprobleme anfingen. Dass diese Phase ein paar Jahre andauerte, fühlte sich ermüdend und zermürbend an – so sehe ich auf Fotos von damals auch aus: Falten, trüber Blick, ungemachte Haare. Versackt im Alltag einer Ehe, in der es nur noch darum ging, wer an was nun wieder schuld ist, wer was nicht gemacht hat und sowieso nie tut. Wann hatte er mich das letzte Mal gefragt, wie es mir geht?

Wann hatte es mich das letzte Mal interessiert, wie es ihm geht? Und dann hab ich mich getrennt. Eher: dazu durchgerungen.

Ich hatte erkannt, dass diese "Phase" eindeutig zu lange dauert. Anfangs fand ich mich egoistisch, den Kindern den Vater zu nehmen. Aber es gibt ihn ja noch, die drei sehen sich regelmäßig, ihre Quality Time zu dritt hat sogar zugenommen. Und den Alltag der Kinder zu organisieren, habe ich früher auch schon alleine gewuppt, weil "Papa arbeiten muss" (ich übrigens auch, nur mal so). Endlich herrscht bei uns zu Hause wieder gute Laune! Wenn ich das hätte kommen sehen, hätte ich mich schon viel früher getrennt. An den Papa-Tagen habe ich jetzt 24 Stunden nur für mich. Ich kann ausgehen, zum Sport oder auf der Couch Eis essen. Ein neuer Mann kommt mir so schnell nicht mehr ins Haus.

Höchstens als Bonusmann für besagte 24 Stunden. Dann geht es nur um uns. Weil sich dem Mann meiner Träume nämlich auch die Nackenhaare aufstellen würden beim Gedanken daran, dass jemand bei ihm mit dem Möbelwagen vorfährt und ihm vielleicht die Laune verdirbt.

Iris, zwei Töchter (16 und 18)

"‚Ich liebe eine Frau, ich muss dich verlassen‘ – das leuchtete sogar meinem Mann ein. Heute habe ich wieder einen Freund"

Die Ehe mit Stefan kippte in dem Moment, in dem unsere erste Tochter geboren wurde. Einerseits ließ er mich von einem Tag auf den anderen mit allem allein – dem Baby, dem Haushalt, meinen Sorgen und Ängsten – und zog irgendwie sein eigenes Ding durch, obwohl wir weiterhin offiziell ein Paar waren. Andererseits entwickelte er eine aggressive Dominanz, schrie mich und die Kinder an, knallte uns auch mal eine. Ich ließ es geschehen und versuchte nicht mal, zurück in meinen Job zu gehen. Er war der Boss, ich seine Haushälterin. Dann lernte ich Eva kennen, Freundin einer Freundin, lesbisch und sofort in mich verliebt. Was soll ich sagen: Ich habe eine Affäre mit ihr angefangen. Und plötzlich war alles ganz leicht. "Ich liebe eine Frau, ich muss dich verlassen" – das leuchtete sogar Stefan ein. Eva und ich blieben nicht lange zusammen, sind aber heute gute Freundinnen. Kaum war Stefan weg, blühte ich auf: Ich räumte die Wohnung um, strich die Zimmer, schrieb Bewerbungen. Heute habe ich wieder einen Job und einen Freund. Meine Töchter haben den Kontakt zum Vater abgebrochen.

Mila, ein Sohn (10 Jahre)

"Als ich ihm eine Paartherapie vorschlug, lachte er mich aus. Also ging ich allein. So habe ich es geschafft, auszuziehen"

Als ich meinen Mann zum ersten Mal traf, war es Liebe auf den ersten Blick. Er war clever, charmant und eloquent. Seinen Umzug nach Hamburg habe ich bezahlt, weil er kein Geld hatte. Ich fand es selbstverständlich, denn ich liebte ihn ja. Gleich am Anfang stand ein Gerichtsvollzieher vor unserer gemeinsamen Haustür. Da ich diejenige mit einem festen Job war, habe ich seine Schulden abbezahlt. Weil mein kleines Gehalt auf Dauer nicht für uns beide reichte, suchten wir nach einer Idee, die wir gemeinsam verwirklichen konnten. Wir stellten ein Festival auf die Beine, er war eingetragener Firmengründer. Ich steckte mein gesamtes Erbe, 100 000 Euro, in unsere Firma. Machte die Buchhaltung, stellte Mitarbeiter ein, alles ohne Gehalt und ohne offizielle Funktion. Wir hatten ständig das Haus voller Gäste. Als gelernte Hotelfachfrau wollte ich die perfekte Gastgeberin sein. Inzwischen hatten wir einen kleinen Sohn. Es war megaanstrengend. Mein Mann war ständig unzufrieden, bekam Wutanfälle, war übernächtigt. Als ich ihm eine Paartherapie vorschlug, lachte er mich aus. Ich hatte jeden Morgen Angst, ihm zu begegnen. Ich weinte andauernd. Am Ende ging ich alleine zur Therapie. Zum Glück: So habe ich es geschafft, mit unserem Sohn auszuziehen. Auf Ehegattenunterhalt habe ich verzichtet. Ich wollte meinem Ex keine Macht über mein Leben geben. Ich tue alles, um unser Leben auf die Reihe zu bekommen, füttere uns mit kleinen Jobs durch. Aber ich halte es mit dem Buddhismus. "Schwierige Zeiten im Leben sind dazu da, um zu wachsen", heißt es da. 

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