Weihnachtscountdown: Wenn Mama den Paketboten verfolgt

Kurz vor Heiligabend geht der Weihnachtswahnsinn in die Endrunde – und wenn dann auch noch Geschenke fehlen, dreht Mama durch.

Drei Tage vor Weihnachten und ich hab immer noch nicht alles zusammen. Nicht, weil ich es nicht früh genug auf dem Schirm hatte. Nein, Toniebox und Wobbel sind seit Wochen ausverkauft und die Alternativen wollen auch ALLE anderen Eltern. Also habe ich, immer noch rechtzeitig, das dritte auf dem Brief für den Weihnachtsmann bestellt und hoffe auf die Onlinelieferanten. Immerhin versprechen die pünktliche Lieferung zu den Festtagen. Vergessen habe aber sicher nicht nur ich, dass keiner bis Samstagvormittag in der Wohnung sitzt und auf den Paketboten wartet. 

"Sex nach dem Baby? Ach Jungs, wenn ihr wüsstet ..."

Also vereinbare ich alternative Lieferungstermine und Ablageorte, um dann festzustellen, dass sich nur einer der drei Dienstleister daran gehalten hat.

Kurz vor Feierabend erreichen mich dann die ersten "Paket-konnte-nicht-zugestellt-werden"-Mails. Ungläubig starre ich aufs Smartphone und mir graut es vor der Bescherung. Ausgerechnet das Geschenk für das Kind und die Präsente für die Schwiegereltern drohen zurück geschickt zu werden. Auf dem Weg zur Kita habe ich schon mehrfach vom Fahrrad aus in der Infohotline der Zusteller gehangen und Lösungen gesucht. Keine gefunden. Dann das Kind eingesammelt und ab nach Hause. Schon damit abgefunden, dass mir die fehlenden Geschenke ewig vom Kind und den Schwiegereltern vorgehalten werden.

Aber dann ein Lichtblick am Horizont: das Zustellfahrzeug steht kaum zu übersehen, riesengroß und für mich fast leuchtend wie ein rettender Anker zwei Querstraßen von Zuhause geparkt.

Die Dreieinhalbjährige und ich bauen sich vor der Fahrertür auf und warten. Der Zusteller kommt, ich erkläre ihm die Bredouille und zeige meinen Ausweis. Doch das Paket ist nicht mehr im Lieferwagen. "Wir treffen uns in vierzig Minuten vier Straßen weiter, beim Container. Da ist das Paket schon zur Rücksendung drin und dann gebe ich es ihnen." Ich frage noch schnell, wieso er es nicht, wie vereinbart, beim angegebenen Nachbarn im fünften Stock abgegeben hat. "Vor Weihnachten schaffen wir sowas nicht und sind angehalten das nicht zu tun." Aber ich hatte das doch gestern extra beim Dienstleister ändern lassen ... Nicht seine Schuld, aber meine Verzweiflung.
Vierzig Minuten später habe ich das Kleinkind mühselig überredet, uns nochmal aufs Fahrrad zu schwingen und Richtung Containertreffpunkt zu fahren.

Wir sind jetzt Weihnachtsengel und müssen Weihnachten retten, sage ich, während ich ihr das Elsa-Kostüm anziehe.

Das war ihre Bedingung. In Glitzerschuhen erreichen wir den Treffpunkt und als der Zusteller das Rolltor des Containers öffnet und ich feierlich erkläre, dass das ein Weihnachtsmannlager ist, ist alles leer. Alle Pakte weg. Unsere letzte Chance wäre, dem Kollegen von der neuen Schicht zu folgen. Kurz erklärt uns der nette Herr die Route und schon fliegen wir auf unserem Hollandrad mit Kindersitz hinterher. Und als wir fast aufgeben und nach Hause wollen, kommt der große Lieferwagen um die Ecke und parkt vor uns ein. Wir haben es geschafft! Im Wohnzimmer packen die Kleine und ich dann noch (stellvertretend für den Weihnachtsmann natürlich) Geschenke für Oma und Opa ein. Und berichten Papa ganz stolz von unserer Weihnachtsengel-Heldentat.

An dieser Stelle ein großes Lob an alle Zustellerinnen und Zusteller, die das überhaupt möglich machen und auch übermenschliches Leisten. Sie sind die wahren Weihnachtsengel, neben meiner Tochter versteht sich. Und meinem Mann, der heute noch zur Post muss.


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