Liebe Mamas, wir müssen mal über eure Toiletten reden ...

In Australien wurde ein Papa aus dem Wickelzimmer eines Einkaufszentrums geworfen. BRIGITTE-Redakteur Henning Hönicke möchte da mal kurz was klarstellen.

Liebe Mamas,

wir müssen dringend mal reden. Über Windeln, kleine Kinder und öffentliche Damentoiletten.

Da sind wir Papas nämlich öfters mal zu Besuch und ja, ich kann verstehen, dass das Frauen gelegentlich irritiert. Wenn ich allerdings lese, dass in Australien jetzt sogar ein Vater aus dem Familien-Wickelraum geworfen wurde, weil die Mamas dort in Ruhe stillen wollten, geht das irgendwie zu weit. Können wir vielleicht neu verhandeln, in welchem Rahmen man als Papa einfach mal kurz in euren Waschraum darf?

Kein Wickeltisch, keine Chance

In einer perfekten Welt gäbe es natürlich überall leicht zugängliche Wickeltische und zum Glück ändert sich da ja schon viel (in den USA müssen Wickeltische jetzt schon per Gesetz auch in den Herrentoiletten sein). In der Praxis steht die Mehrheit aller öffentlichen Männerklos allerdings ohne Wickeltisch da. Ich will jetzt gar nicht in die Diskussion einsteigen, wie absurd sexistisch das ist (aber ja, was für eine Unverschämtheit, volle Windeln auf diese Weise zur reinen Frauensache zu machen), die Realität ist schlicht: Da ist kein Tisch. 

Kein Platz für Kinderkacke

Und schon ist beim Vater Improvisationstalent gefragt. Ist das Baby klein genug, kann man es manchmal einigermaßen auf einem Toilettendeckel wickeln - allerdings schwierig, weil man es mit einer Hand stets festhalten muss, damit es nicht runterfällt. Und klar, theoretisch geht das auch auf dem gemütlich gefliesten Fußboden des Waschraums. Allerdings, liebe Mamas, macht ihr euch keine Vorstellung davon, wie unfassbar ekelhaft die Fußböden vieler Herrentoiletten sind (ist allerdings leicht zu erraten, wenn ihr bedenkt: Die meisten Besucher haben es eilig und pinkeln im Stehen, da kommt es bei vielen leider nicht bei jedem Tropfen darauf an, wo er landet).

Flucht nach nebenan

Und irgendwann, wenn wir Papas versuchen, unser schreiendes, zappelndes Baby in einem Waschbecken zu wickeln, wird uns klar, wie bescheuert das alles ist. Dass wir uns und unser Kind quälen müssen, wenn doch drei Schritte weiter ein komfortables, geräumiges Wickel-Paradies in der Damentoilette steht. Im Einzelfall sogar weich gepolstert und mit bereitgestellten Wischtüchern. 

Könnt ihr uns verübeln, dass wir uns irgendwann das Kind schnappen, durch eure Tür marschieren, und es dort wickeln, wo alles darauf ausgerichtet ist? Wir wissen, dass euch das manchmal unangenehm ist, und das können wir wirklich verstehen - uns ist das ganze ja noch viel peinlicher! Aber vielleicht können wir in dem Fall einfach mal die Zähne zusammenbeißen und uns auf eine Sonderregelung einigen? Augen zu und durch, zum Wohl der Kinder?

Gleichberechtigung? Schief gewickelt!

Ich bin sicher, Tausende von Kindern wären euch sehr dankbar, wenn sie "euren" Wickeltisch benutzen dürften. Und Tausende von Vätern würden sich gleich mitfreuen, vor allem, wenn sie in der unangenehmen Situation nicht noch mit bösen Blicken und Kommentaren gestraft würden.
Wenn euch die Situation wirklich so sehr stört (und wie gesagt, das verstehen wir sogar), dann seid nicht böse auf das Kind mit voller Windel. Lenkt eure Wut lieber auf Politik und Gesellschaft, die einfach nicht so richtig wahrhaben wollen, dass selbstverständlich auch Väter ihre Kinder versorgen und es schlicht nicht anders können.

Daher, liebe Mamas: Wenn das nächste mal ein Vater mit panischem Blick in euren Waschraum stolpert, nickt ihm doch einfach mal nett zu und zeigt zum Wickeltisch. Und dann freut euch insgeheim, dass sein bis über den Rücken zugeschissenes Kind nicht zu euch gehört.

Herrentoiletten in New York werden umgebaut

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Wickeltisch in Herrentoilette
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In Australien wurde ein Papa aus dem Wickelzimmer eines Einkaufszentrums geworfen. BRIGITTE-Redakteur Henning Hönicke möchte da mal kurz was klarstellen.

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