"Wofür mach ich das hier eigentlich alles?": Über die Verzweiflung als Mutter

Weil im Kreißsaal nicht nur ein Baby, sondern auch eine Mama geboren wird, haben Lisa Harmann und Katharina Nachtsheim das Buch "Wow Mom" geschrieben – einen liebevollen Mama-Mutmacher für das erste Jahr mit Kind, aus dem wir hier einen Auszug veröffentlichen dürfen, der bestimmt vielen Mamas aus dem Herzen sprechen wird. Dieser Text enthält einen Affiliate Link

Gerade die erste Zeit mit Baby kann eine Mama in die Verzweiflung treiben. Da ist dieses winzig kleine Menschlein, das vollständig auf dich und deine Fürsorge angewiesen ist. Alles ist neu, alles ungewohnt. Auf der einen Seite bist du überglücklich, auf der anderen Seite wünschst du dir selbst jemanden, der dich immer mal wieder auffängt, in deiner ersten Zeit als Mama.

Für genau diese Momente haben Lisa Harmann (37) und Katharina Nachtsheim (38), die Autorinnen des Blogs "Stadt Land Mama", das Buch "Wow Mom - Der Mama-Mutmacher fürs erste Jahr mit Kind" geschrieben. Die beiden haben je drei Kinder, darunter Jungen, Mädchen, Zwillinge, Einlinge, Windelträger und Teenies zwischen zwei und 13 Jahren. Die Botschaft ihres Buches: "Macht Euch bloß keinen Stress. Ihr seid gut so, wie Ihr seid!".

Lisa Harmann und Katharina Nachtsheim, die Autorinnen des Blogs "Stadt Land Mama" wollen mit ihrem Buch "Wow Mom" den Druck aus der Mutterschaft nehmen und zeigen: Jede Mama ist die beste für ihr Kind!

"Wow Mom" bietet lustige und rührende Baby-Anekdoten, Interviews mit Experten, etwa zum Thema Sex nach der Geburt oder dem finanziellen Wert der Arbeit einer Mutter – und ganz viele persönliche Geschichten, die mit sensiblen Worten Mut machen.

Eine davon ist diese Geschichte, in der es um die Verzweiflung geht, die so viele Mütter kennen – und darum, wie wir mit dieser Verzweiflung umgehen können.

Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen!

"Wofür mach ich das hier eigentlich alles?"

"Manchmal fühlt sich alles dunkel an. Wie in einem Tunnel. Wir tasten uns durch dieses neue Leben und setzen einen Fuß vor den anderen. Immer wieder fällt Licht ein – aber manche Etappen sind auch wirklich herausfordernd. Vielleicht wissen wir bereits, dass nach dunklen Phasen immer auch wieder helle kommen. Oder ahnen, dass es nicht nur den einen Weg gibt. Dass es verschiedene gibt, niemals aber einen falschen. Und auch wenn einige Hürden oder Umwege mal aufs Gemüt schlagen: Jeder Streckenposten auf unserem Weg durch die Mutterschaft bringt uns weiter. 

Manchmal kommt uns Müttern die Situation aussichtlos vor

Soll das jetzt ein Dauerzustand bleiben? Werde ich nun für immer in meinen vier Wänden ausharren und mich fern meiner eigenen Bedürfnisse und Grenzen um einen anderen Menschen – oder um mehrere – kümmern? Manchmal kommt uns Müttern die Situation aussichtlos vor. Wir können nicht voraussehen, wann und ob uns unser Baby auch mal weniger intensiv braucht, wir haben ein schlechtes Gewissen, wenn wir Dinge anders machen als andere, wenn wir mal etwas für uns tun, wenn wir mal egoistisch sind ... 

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Dieses in unserem Kopf tobende Gefühlschaos ist anstrengend. Wie viel Fürsorge braucht mein Kind? Wie viel brauche aber nun mal auch ich? Und kann ich mir diese Selbstfürsorge gestatten? Das Baby schreit über Stunden, es schläft nachts nicht, es hat Schmerzen im Bauch oder beim Zahnen. Keiner Mama fällt es leicht, das eigene Baby leiden zu sehen. Fast ist der Schmerz auch bei uns schon körperlich. 

Dazu die vielen Ratschläge von außen, die angeblichen Geheimrezepte, die für das eigene Kind aber nicht zu gelten scheinen. Die Gedanken an den Job, in den wir – wann eigentlich? – auch mal zurückwollen. Oder gar nicht zurückwollen. Die Sorgen um die Finanzen, um die fehlende Zeit zu zweit mit dem Partner, der Frust. 

Das alles kann uns in der Summe schon mal in die Verzweiflung treiben. 

Unsere Lebenssituation hat sich komplett gewandelt. Dachten wir anfangs noch: Pah! Bei mir hat sich doch nichts verändert! Die Wohnung ist die gleiche, der Mann auch, das Auto sowieso – merken wir nach und nach: Ui, es hat sich – vor allem innerlich – doch schon ganz schön was verändert. 

Wir tragen unser Herz nun zum Teil außerhalb unseres Körpers, nämlich in diesem kleinen Menschen, der da heranwächst. Wir möchten für ihn und für uns die besten Ausgangsbedingungen. Natürlich kann da zeitweise Panik aufkommen. Das ist – ganz ehrlich – vollkommen normal. Manchmal kann es helfen, die eigene Verzweiflung dann einfach zu benennen. 

Ich verzweifle manchmal, wenn ich am Fenster stehe, dich schuckelnd im Arm halte, dich nicht ablegen kann und draußen das Leben einfach weitergeht. 

Ich verzweifle manchmal daran, dass ich schon vor dem ersten Kaffee den Lieblingsschnuller suchen muss. 

Ich verzweifle manchmal, wenn ich nicht weiß, wie ich dir helfen kann, wenn du einfach nicht zu beruhigen bist. 

Ich verzweifle, wenn niemand sieht, was ich den ganzen Tag geleistet hab und ich mich nur noch im Kümmer-Modus befinde. 

Ich verzweifle, wenn ich es am ganzen Tag nicht schaffe, einfach mal eine einzige E-Mail zu schreiben oder ein Telefonat zu führen oder den Boden zu saugen. 

Ich verzweifle manchmal an dem Versuch, duschen zu gehen. 

Ich verzweifle manchmal daran, dass ich nicht einmal mehr Zeit zum Kochen habe und mir stattdessen eine Tüte Kekse aufreiße. 

Ich verzweifle manchmal daran, dass überall verstreut Kindersachen herumliegen. 

Ich verzweifle manchmal daran, dass ich den ganzen Tag kein einziges Gespräch führen kann, das über DutsiDutsiTütata hinausgeht. 

Ich verzweifle manchmal daran, dass alle Klamotten immer vollgespuckt sind. 

Ich verzweifle manchmal daran, dass ich vor lauter Müdigkeit nichts mehr wiederfinde und der Schlüssel komischerweise im Kühlschrank wieder auftaucht. 

Ich verzweifle manchmal daran, dass ich meine Ruhe nicht haben kann, wenn ich sie gerade brauche. 

Ich verzweifle manchmal daran, dass unsere Ehe kaum noch existiert. 

Ich verzweifle manchmal daran, dass ich das Gefühl habe, zu wenig Zeit zu haben für alles. 

Ich verzweifle manchmal daran, dass ich mein Baby so sehr liebe, dass die Angst um diesen kleinen Menschen mich aufzufressen droht. 

Und ja, ich stehe zu dieser Verzweiflung. Auch wenn sie zu allem gehört, was mein ganzes Glück ausmacht. Das Leben mit meinem Baby. Das Leben als Familie. 

Und auch wenn ich in meinen verzweifelten Momenten oft denke: »Verdammt, ich schaffe einfach nichts mehr«, so weiß ich im Grunde doch, dass das absolut nicht stimmt. 

Denn natürlich schaffen wir als Mütter etwas. Vielleicht sieht man es nicht auf den ersten Blick. Aber wir schaffen eine ganze Menge. Mehr sogar vermutlich, als wir jemals zuvor geschafft haben. 

Wir haben ein Kind geboren. Unser Körper hat das geschafft. Wir geben bedingungslose Liebe.

Wir schaffen Urvertrauen. 

Wir sind 24 Stunden am Tag mit Gedanken an einen anderen Menschen als uns selbst beschäftigt und jederzeit ansprech- und einsetzbar. 

Wir füttern und ernähren einen Menschen. Wir wechseln Windeln. 

Wir schuckeln, küssen, kuscheln, tragen einen kleinen Menschen. 

Wir trösten. 

Wir machen ganze Nächte durch und freuen uns über ein einziges Lächeln. 

Wir gehen flexibel auf Bedürfnisse ein, weil kein Tag dem anderen gleicht. 

Wir investieren Zeit. 

Wir sorgen uns. 

Wir sind die Sprungschanze ins Leben unseres Babys, das Trampolin, das unser Kind kraftvoll aufspringen lässt und es wieder auffängt. 

Wir sind das Netz, das nie reißt.  

Wir liegen auf Teppichen rum und begeistern mit Fingerspielen oder Liedersummen. 

Wir schaffen einfach nichts mehr?

Vielleicht nicht mehr die Dinge, die uns in unserem Leben bislang wichtig waren, die vielleicht einfach unkommentiert nebenherliefen.

Aber wir schaffen natürlich etwas. Eine ganze Menge. Alles. 

Wir schaffen Leben. 

mh
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