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Nina Bott "Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich wohl nicht durchgehalten"

Nina Bott
Nina Bott
© Getty Images
Vier Kinder, ein fordernder Job und nun auch noch Corona: Für Nina Bott bedeutet das Leben mit drei kleinen Kindern gerade eine organisatorische Meisterleistung. Wir haben uns mit der Moderatorin und Unternehmerin über den ganz normalen Wahnsinn einer vierfachen Mutter unterhalten.

Anmerkung der Redaktion: Das Interview mit Nina Bott wurde Mitte April geführt. Am 03. Mai ließ Nina ihre 225.000 Instagramfollower wissen, dass ihr Partner Benjamin positiv auf das Coronavirus getestet wurde und sich die gesamte Familie in Quarantäne befindet. Alle Infos dazu findet ihr hier.

Nina Bott ist eine Superwoman. Vier Kinder, davon drei im Kleinkindalter, eine erfolgreiche Karriere, mehrere Unternehmensbeteiligungen und fast eine Viertelmillion Follower kann die sympathische 43-Jährige vorweisen. Wir sprachen mit der Elvie-Botschafterin über das Leben im Lockdown, ihr jüngstes Kind Lobo und wie man das alles unter einen Hut bekommt.

Vier Kinder – wow und herzlichen Glückwunsch! Wie hoch ist dein Stresslevel im Moment?

Um ehrlich zu sein: Es geht. Ich versuche einfach, vieles mit Humor zu nehmen. Und klar, ich hab mir das auch so ausgesucht. Ich wusste genau, dass vier Kinder auch viel Stress bedeuten. Das Gute ist, dass meine Kids auch im Lockdown sich gegenseitig haben, also immer jemand zum Spielen da ist. Ich habe inzwischen meine eigene kleine Kita zuhause.

Oft werden Mehrfachmamis gefragt, welcher Sprung zwischen den Geburten (Kind 1 zu 2, 2 zu 3, 3 zu 4) am fordernsten war. Wie würdest du darauf antworten?

Aktuell bin ich nicht so belastbar aufgrund meiner gesundheitlichen Probleme. Also wäre ich versucht zu sagen, der Sprung von drei zu vier Kindern. Andererseits muss ich sagen, ist wohl ein Kind allein für mich das anstrengendste gewesen. Weil eben nicht permanent ein Freund und Spielkamerad verfügbar war. Wenn wir Besuch hatten, war alles gut, aber sonst war das schon ziemlich fordernd. Also grundsätzlich der Wechsel „von kein Kind“ zu „ein Kind“. Obwohl ich sagen muss, dass mein erstes Kind wohl das pflegeleichteste war (lacht). Wenn es sein muss, hat er sogar in Schubladen geschlafen. Die drei Kleinen sind nun nah beieinander, das ist wirklich schön für sie und für mich.

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Perfektionismus hat im Lockdown keinen Platz

Wo müsstest du dich selbst noch ein bisschen erziehen?

Ich bin zu perfektionistisch. Selbst wenn ich das Baby in der Trage am Körper habe, sind viele Aktivitäten im Haushalt wie z.B. eine Waschmaschine ein- und ausräumen oder mit den Geschwistern spielen einfach körperlich anstrengend. Und ich hab’s nun mal gerne sehr ordentlich. Das nervt mich jetzt, dass ich das nicht nebenbei schaffe, mit den Kids und meiner Arbeit und dem Haus.

Hast du die Erfahrung der Mutterschaft mit voranschreitendem Alter anders wahrgenommen?

Ich hab auch schon in der ersten Schwangerschaft versucht, entspannt zu bleiben. Manche Dinge lernt man aber wirklich erst mit der Zeit, gute Vorsätze hin oder her. Ich vergleiche meine Kinder nicht mit anderen und nicht untereinander, weil ich ganz genau weiß, dass jedes Kind sein völlig eigenes Tempo hat. Drehen, krabbeln, sprechen, turnen – das lernen sie alle irgendwann. Und wenn ich beim ersten Kind noch in Panik ausgebrochen bin, wenn er zu hoch geklettert ist, schaue ich heute besser woanders hin. (lacht) Weil ich mittlerweile dieses Urvertrauen in Kinder habe und weiß, dass sie das packen. 

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Ich stelle mir den Alltag mit drei kleinen Kids unter Coronabedingungen wirklich hart vor. Wie managt ihr das Familienleben mit einem Säugling?

Mein Mann unterstützt mich, so gut er kann. Seine Arbeitstage verbringt er zwar zu 90% im Home Office, aber eben trotzdem am Schreibtisch und mit Terminen. Wenn einer „Hunger“ ruft und der nächste Pipi muss, kann er auch nicht so einfach im Videocall aufspringen und rausrennen. Es ist ein ständiges Abwägen für uns beide, was gerade oberste Priorität hat. Es ist eine verrückte Zeit, die wir versuchen, irgendwie zu meistern.

Diskriminierung: Mütter untereinander sind die schlimmsten

Mütterdiskriminierung ist nicht nur beim Stillen immer noch ein Thema. Wie begegnest du Menschen, die dich für dein Mama-Dasein angreifen?

Es gibt im Alltag ständig solche Situationen. Früher, als wir bedingt durch meinen Job viel nach Köln gependelt sind, war jedes Einsteigen ins Flugzeug ein Spießrutenlauf. Da sahen dich Dutzende Passagiere panisch an und alle haben gehofft: „Oh nein, bitte nicht hier, bloß keine Kinder“.

Oder in der Waschstraße. Selbst wenn die Kinder nicht dabei sind, habe ich drei Kindersitze für die Innenreinigung auszubauen. Da fangen die Leute teilweise an zu hupen, weil es ihnen nicht schnell genug geht. Das muss man sich mal vorstellen. Haben die keine Kinder, Neffen, Nichten oder Enkel?!

Am schlimmsten sind aber gar nicht „andere“ Leute, sondern Mamas unter sich. Wenn ich sehe, was bei anderen abgeht, kann ich echt nur mit dem Kopf schütteln. Eine Cathy Hummels zum Beispiel darf ja gar nichts mehr posten, die bekommt nur noch auf den Deckel. Weil alles so schön anonym ist im Internet, wird es immer schlimmer. Diese Debatten zwischen stillenden Mamas und solchen, die es nicht tun, oder überhaupt diesen ewigen Vergleichen.

Seitdem ich persönlich beim Stillen aus dem Café geflogen bin habe ich mir geschworen, da auch für andere Mütter eine Lanze zu brechen, weil das einfach nicht geht.

Schwangere, stillende Mütter und Eltern sind Stand heute (Mitte April) von der Impfpriorisierung ausgenommen, es sei denn, sie haben Vorerkrankungen oder einen berufsbedingten Anspruch. Wie stehst du zu dem Thema und der Politik, die gerade betrieben wird?

Eltern generell bekommen meiner Meinung nach gerade viel zu wenig Beachtung. Wir können den Kontakt zu unseren Kindern, die in Kitas oder Schulen gehen, nicht einfach abbrechen. Und wir dürfen auch nicht ausfallen, denn wer soll sich dann um die Familie kümmern? Wenn man vorher gewusst hätte, dass sich das so lange hinzieht, hätte man vielleicht nicht die Kraft gehabt, durchzuhalten. Jetzt hangeln wir uns von Tag zu Tag und irgendwie geht es.

Brigitte

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