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Papa-Phase Hilfe, mein Kind will nur noch zu Papa!

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© Liderina / Shutterstock
“Papaaaaaa!“ tönt es aus dem Kinderzimmer. “Und Mama? Ich bin auch da.“ – „Nee, mag ich nicht.“ Autsch! In manchen Situationen befallen unsere Autorin so einige Zweifel, ob sie das mit der Erziehung richtig oder gut genug macht. Wieso? Es gibt Momente, Stunden, nein, manchmal auch Tage, an denen ihr Sohn viel lieber an Papa hängt. Dann darf sie weder Zähne putzen, vorlesen noch kuscheln – all das bleibt lieber Papa vorbehalten.

Doch warum ist das so, dass der Kleine in so vielen Situationen lieber oder sogar ausschließlich zu Papa will? Klar, zur Beruhigung könnte ich auch argumentieren, dass es umgekehrt auch die Mama-Tage gibt. Und doch sticht es immer ein bisschen im Herzen, wenn das Kind nur Papa will. Es fühlt sich nicht schön an, zurückgewiesen zu werden. Und gleichzeitig bin ich froh über die schöne Beziehung der beiden zueinander – ein Dilemma.

Ist es nur eine Phase? Oder ist Papa wirklich immer der Beste?

Dabei trügt dieses Bild: Nur weil mein Kind gerade sehr auf Papa fixiert ist, heißt das nicht, dass ich nicht mehr liebgehabt werde. Auch wenn es in dem Moment den Anschein hat. Wichtig ist, nicht andauernd zu betonen, dass Mama nicht mehr gebraucht wird. Sich zurückzuziehen sendet ein falsches Signal – dein Verhalten spiegelt nämlich deine eigene Unsicherheit wider, was dein Kind sehr wohl bemerkt. Die Folge ist möglicherweise, dass dein Kind sich tatsächlich nicht mehr so sicher bei dir fühlt. Gerade im Baby- und Kleinkindalter benötigen die Kleinen Sicherheit, Beständigkeit, Akzeptanz und eine enge Verbindung. Zeige deinem Kind, dass du trotzdem bedingungslos für es da bist, egal was kommt – so förderst du Vertrauen, Stabilität und Bindung. Und glaub mir, es kostet eine Menge Überwindung und Überzeugung, die Papa-Phasen in positiverem Licht zu sehen – und sich mit den beiden zu freuen.

Denn andererseits hat es auch etwas Gutes: So komme ich – zumindest gerade – auch mal dazu, meinen Kaffee heiß zu trinken, habe auf einmal mehr Luft tagsüber und am Wochenende, wenn die Zwei ohne mich zum Kinderturnen abtraben. 

Die Triangulierung

Aber was steckt dahinter, wenn Kinder ein Elternteil bevorzugen? Mit Sicherheit gibt es welche, die überzeugte Mama- oder Papa-Kinder sind. Aber: Gerade bei jüngeren Kindern gibt es meistens einen anderen Grund: die Triangulierungsphase.

Das Konzept der Bindungstheorie hat John Bowlby, ein englischer Kinderpsychiater und Psychoanalytiker, in den 1950er-Jahren begründet. Darin erklärt er, dass ein Baby ein angeborenes Bedürfnis nach Bindung hat, also nach einer vertrauten Person, die es schützt, Trost und Nähe spendet. Bereits nach der Geburt sind die wichtigsten Bezugspersonen Mama und Papa. Und zu Beginn ist es die Mutter meist noch etwas mehr – durch die Schwangerschaft, die Geburt und überwiegend auch das erste Jahr nach der Entbindung. 

 

Euer Baby wächst – es wird größer, agiler und ist weniger abhängig von dir (rein pragmatisch gesehen zum Beispiel durch das Stillen oder das Fläschchen). Während dieser Phase wird Papa immer interessanter – und das nicht etwa nur, weil er vieles einfach anders macht, sondern auch, weil dein Kind dir und der engen Bindung, die zwischen euch besteht, vertraut. Durch das Urvertrauen kann es sich ganz natürlich aus der Symbiose lösen. Es entwickelt nach Bowlby ein Explorationsverhalten, das vor allem ab einem Alter von zwei Jahren zunimmt. 

Die Erweiterung der engsten Bezugspersonen von Mama auf Mama und Papa ist ein Prozess, der aus der Psychoanalyse kommt und sich Triangulierung nennt. Sie beschreibt das Beziehungsdreieck von Mutter, Vater und Kind. In dieser Phase liegt der Fokus des Kindes eher auf Papa, der zweiten vertrauten Person ab der Geburt. Der Radius deines Kindes vergrößert sich also schrittweise durch das neue Explorationsverhalten. Dieser aufregende Übergang ist von Familie zu Familie unterschiedlich – jedes Kind ist individuell und kann sich vielleicht schneller lösen, braucht doch noch etwas Zeit oder ist von heute auf morgen völlig vernarrt in Papa. 

5 Durchhalte-Tipps für Mamas während der Papa-Phase (und auch andersherum)

Die bindungstheoretische Erklärung klingt erst einmal ziemlich einleuchtend – und nimmt auch ein wenig den Druck raus. Für die andauernde, intensive Papa-Phase helfen aber diese Tipps (die ich mir immer und immer wieder zu Herzen nehmen werde, bis dann wieder eine Mama-Phase kommt und ich die Liste dankend an meinen Partner übergebe):

  1. Versuche, das bisschen freie Zeit, das entsteht, für dich zu nutzen – auch wenn es anfangs schwerfällt. Ein paar Minuten meditieren, ein Käffchen in der Sonne, ein paar Seiten lesen… dir fällt bestimmt etwas ein.
  2. Dich lässt das Thema nicht los, und es stört dich, nicht gefragt zu sein? Organisiere zum Beispiel eine wöchentliche Aktivität (oder ein wiederkehrendes Ritual), die nur du und dein Kind zusammen macht. Das kann ein gemeinsamer Besuch im Lieblingscafé sein, mit Milchschaum und Croissant (wie bei uns) oder beispielsweise ein Besuch auf dem Markt oder im Museum. 
  3. Teilt euch zusammen als Eltern ganz bewusst alle Aufgaben, so gut es geht. Denn auch wenn der kleine Schatz die Abendroutine am liebsten nur mit Papa machen möchte, ist es besser, wenn auch die Mama einen Teil übernimmt und ihr euch abwechselt. Wieso? Auf lange Sicht wird die Phase vorbeigehen und dein Kind akzeptiert, dass ihr beide es ins Bett bringt, die Zähne putzt oder zusammen spielt und auch aufräumt. Übernimmt das in der Papa-Phase wirklich nur der Papa, ziehst du dich automatisch zurück.
  4. Wenn alles nichts hilft: tief durchatmen, bewusst machen, dass es eine Phase ist (auch wenn es sich gerade nicht so anfühlt) und auch diese vorbeigehen wird.
  5. Bleibt im Austausch – so könnt ihr als Eltern und Paar viel besser auf den:die andere:n eingehen und auch herausfordernde Situationen mit eurem Kind gemeinsam gestalten. Klare Absprachen und ein gemeinsamer Fokus wirken Wunder.

Verwendete Quelle: sueddeutsche.de, tinybeans.com, Fachartikel "Grundlagen der Bindungstheorie" (Stegmaier, 2008) bei kindergartenpaedagogik.de

lha Brigitte

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