Büro trifft Kita: "Wir erfinden die Kinderbetreuung neu"

Arbeiten, während nebenan das Kind spielt: Eine Gruppe von Eltern will Büros mit Kinderbetreuung eröffnen. Wir haben mit Sandra Runge von "Coworking Toddler" über die Idee gesprochen.

So genannte "Coworking Spaces" kennt man bereits aus vielen Städten. Gerade Freie und Gründer schätzen die Flexibilität und den kreativen Austausch in den Bürogemeinschaften, in denen Menschen aus verschiedenen Branchen zusammenkommen. In Berlin will eine Gruppe von Eltern das Konzept nun ausweiten: Bei "Coworking Toddler" soll es in den Büros auch Räume für die Kinderbetreuung und gemeinsame Mahlzeiten geben. Aktuell ist das Projekt in der Crowdfunding-Phase (noch bis 14.6.). Das erste "Coworking Toddler"-Büro soll aber bald in Berlin an den Start gehen. Weitere Standorte sind geplant.

Wir haben Gründerin Sandra Runge gefragt, wie diese aussehen sollen und was Eltern und Kinder davon haben.

Sandra Runge gehört zum Gründerteam von "Coworking Toddler". Die Juristin betreibt außerdem das Blog Smart Mama, in dem sie Mütter über ihre Rechte aufklärt.

BRIGITTE MOM: Warum glaubt ihr, dass es Eltern und Kindern besser geht, wenn Arbeit und Kinderbetreuung Tür an Tür liegen?

Sandra Runge: In den ersten Lebensjahren brauchen Kinder ihre Eltern noch sehr stark. Gleichzeitig wollen Eltern arbeiten – oder sie müssen es auch. Damit beides so gut wie möglich zusammenpasst, ist es fast logisch, dass man die zwei Welten an einem Ort zusammenbringen muss, um beidem gerecht zu werden. Das bedeutet weniger Stress – schon allein, weil man morgens den Extra-Weg zur Kita spart, aber natürlich auch, weil die Eltern nie weit weg, sondern immer in Reichweite sind. Alle, vor allem auch die Kinder, empfinden es als eine Gemeinschaft, in der trotzdem jeder seinen Freiraum hat.

An wen richtet ihr euer Angebot? Vor allem an Selbständige? Oder können auch Angestellte profitieren?

Eltern, die selbständig arbeiten oder deren Arbeitgeber ihnen die Arbeit im Home Office beziehungsweise abseits des Arbeitsplatzes erlauben, sind sicher unsere größte Zielgruppe. Aber wir wollen Unternehmen auch zeigen, dass sie mit unserem Konzept echte Familienfreundlichkeit beweisen können und mit zufriedeneren und damit letztlich leistungsfähigeren Mitarbeitern belohnt werden. Dazu sind wir auch bereits mit Unternehmen im Gespräch.

Wie sollen die Räume in einem solchen Büro aufgeteilt sein?

An jedem Standort soll es drei Bereiche geben: Die Räume für die Kinder, in denen sie liebevoll von Erziehern betreut werden, die Büros sowie einen Gemeinschaftsbereich, in dem sich Kinder und Eltern tagsüber zu kleinen Pausen treffen und gemeinsam Zeit verbringen können. Dort essen Eltern, Kinder und Erzieher auch zusammen Mittag. Wir planen für den ersten Standort in Berlin für ca. 10 bis 15 Kinder und ihre Eltern.

Wie nah sind die Kinder an den Arbeitsplätzen dran? Können sie jederzeit zu den Eltern oder nur in Pausen?

Alle werden ihren Tag Tür an Tür miteinander verbringen. Aber so wie die Kinder nicht jederzeit in die Büros laufen sollen, sollen auch die Eltern nicht ständig in den Kinderbereich gehen. Das ist für konzentriertes Arbeiten auf der einen Seite genauso wichtig wie für die Erzieher und ihre pädagogische Arbeit. Wann immer aber ein Kind Mama oder Papa braucht, können die Erzieher Bescheid geben und alle treffen sich im Gemeinschaftsraum.

Bei Coworking Toddler werden die Kinder von professionellen Erziehern betreut.

Leidet nicht trotzdem die Konzentration, wenn ich weiß, dass nebenan gerade mein Kind spielt???

Eltern verstehen es in der Regel sehr genau, Zeitfenster zu nutzen und sie werden es zu schätzen wissen, wenn sie ein professionelles Arbeitsumfeld vorfinden. Im Gemeinschaftsbüro arbeitet man ja auch meist effizienter als beispielsweise im Home Office. Auch unserer persönlichen Erfahrung nach nutzt man diesen Freiraum dann produktiv. Und wenn ich weiß, dass mein Kind ganz in der Nähe ist und gut betreut wird, dann geht es mir auch gut und ich kann mich beruhigt meinen Aufgaben widmen.

Wie wollt ihr das Angebot finanzieren? Die Kinderbetreuung soll über das öffentlich geförderte System laufen: In Berlin braucht man dazu einen Kitagutschein vom Senat. Wir befinden uns da gerade im Antragsprozess, stehen in gutem Kontakt mit den Behörden und hoffen, dass wir die Förderung erhalten. Dazu kommt bei uns der Coworking Space, in dem die Eltern einen Schreibtisch mieten – die Kosten dafür werden sich an den Preisen anderer Coworking Spaces orientieren.

Gibt es Vorbilder für euer Konzept?

Coworking Toddler ist inspiriert vom Rockzipfel-Projekt, das es zum Beispiel in Leipzig und Hamburg gibt: Dort betreuen die Eltern selbst oder Ehrenamtliche die Kinder. Außerdem gibt es internationale Coworking Spaces mit Kinderbetreuung, unter anderem in Tokio, San Francisco und London.

Ihr habt auch ein Crowdfunding gestartet, wie läuft das bisher?

Wir bekommen unheimlich viel positives Feedback, und es haben uns bereits um die 100 Menschen unterstützt. Trotzdem ist es schwer, in der Menge von Projekten aufzufallen. Wir werden die Fundingschwelle von 15.000 Euro aber sicher überschreiten und können den ersten Standort in Berlin eröffnen. Für uns ist besonders wichtig zu sehen, dass es viele Unterstützer der Idee gibt, die mit ihrer Spende zeigen: Es ist an der Zeit, dass die Kinderbetreuung neu gedacht wird und sich an den Bedürfnissen der Familien orientiert.

So könnt ihr Coworking Toddler unterstützen

Das Crowdfunding läuft noch bis zum 14. Juni 2015. Wenn euch die Idee gefällt, könnt ihr sie mit einer Spende fördern. Wie viel ihr spenden wollt, könnt ihr natürlich selbst entscheiden. Jeder Spender bekommen außerdem ein "Dankeschön".

Hier geht es zur Crowdfunding-Kampagne.

Weitere Infos findet ihr auch unter coworkingtoddler.com.

Blick hinter die Kulissen: Coworking Toddler stellt sich vor

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