Die 10 häufigsten Kinderängste – und wie man sie angeht

Kinderängste sind völlig normal. Allerdings sollten sie mit dem Alter nachlassen, bestenfalls verschwinden. Sonst lauert die Gefahr, dass eine Kinderangst sich zu einer Störung entwickelt. Was ist zu tun?

Jeder von uns war einmal ein Kind. Und jeder von uns war als Kind weitaus ängstlicher, als heute als Erwachsener. Ängste sind von Natur aus erwünscht, sie schützen uns vor Gefahren, wie etwa von einer hohen Klippe stürzen, vor ein Auto laufen, sich am Lagerfeuer verbrennen, von einem Fremden angegriffen werden oder im Meer ertrinken – um nur einige offensichtliche Beispiele zu nennen.

Jedes Kindesalter bringt bestimmte Ängste mit sich, die an die jeweiligen Entwicklungsstufen angepasst sind. Schließlich lernen und entdecken Kinder in jedem Alter etwas Neues, probieren sich aus, erweitern ihre Fähigkeiten.

So kommt es, dass etwa ein einjähriges Kind zum ersten Mal von der Mama wegkrabbelt, um die Umwelt zu erkunden, es kurze Zeit später aber die Verlustangst packt und es weinend zur Mama zurück will. Gleiches gilt für das zweijährige Kind, das zum ersten Mal alleine in der Kita gelassen wird und zunächst vielleicht weint – am Ende des Tages ist der Kummer aber wie weggeblasen ist, da es so viel Neues erlebt hat. Die Angst verschwindet, die positive Erfahrung bleibt. Ähnliches gilt für den Schulanfang, die Pubertät, den ersten Tag im Sportverein.

Die 10 häufigsten Kinderängste

  1. Angst im Dunkeln
  2. Trennungsangst
  3. Angst vor Liebesverlust
  4. Angst vor Monstern / Einbrechern
  5. Angst vor Tieren
  6. Angst vor Wasser
  7. Angst vor Fehlern
  8. Angst vor Krankheit / Tod
  9. Angst vor Eigenständigkeit
  10. Angst vor Ärzten

Viele Ängste verschwinden ganz von alleine wieder: Weil die Kinder sich weiter entwickeln, an Situationen gewöhnen, mit Gefahren umzugehen lernen. Doch häufig brauchen Kinder bei der Bewältigung der Angst Unterstützung von ihren Eltern oder älteren Geschwistern. So hilft man als Elternteil Kindern, ihre Ängste zu überwinden:

1. Dem Kind Nähe signalisieren

Eltern können einem Kind seine Angst nicht "nehmen", wie es oft so einfach heißt. Aber sie können dem Kind beistehen und angemessen auf die jeweiligen Ängste reagieren. Eltern helfen ihrem Kind, wenn sie ihm beibringen, mit seinen Ängsten selbst umzugehen, ihnen also das Werkzeug dafür geben, ihre Ängste auf eigene Faust zu bekämpfen, statt sie stellvertretend für die Kinder anzugehen.

Dazu gehört auch, dem Kind Sicherheit zu vermitteln, etwa durch zärtliche Umarmungen, ungeteilte Aufmerksamkeit und offene Gespräche.

2. Auf die Ängste eingehen

Kinderängste müssen von Eltern ernst genommen werden. Hat ein Kind das Gefühl, dass Mama und Papa seine Ängste nicht "für voll nehmen", fühlt es sich schnell missverstanden und mit seinen Ängsten alleingelassen.

Besser ist es, auch völlig abwegig erscheinenden Ängsten des Kindes verständnisvoll entgegen zu treten und dem Kind sorgfältig zuzuhören.

3. Angstsituationen verarbeiten

Malen, Kneten, Rollenspiele: Wer mit seinem Kind die Angstsituation nachspielt, hilft ihm, Angstszenarien im Kopf zu überwinden.

Ein Bild zu malen, wie man das Schrankmonster verscheucht, einen Einbrecher kneten und ihn dann zerquetschen, ein wildes Tier spielen, das von dem Kind vertrieben wird – das alles kann dem Kind helfen, sich mögliche Abwehrsituationen vorzustellen und somit die Angst zu überwinden.

4. Als Vorbild dienen

"Als ich so alt war wie du, hatte ich auch Angst vor Monstern unter dem Bett ..." Wer seinem Kind signalisiert, dass man seine Ängste absolut nachvollziehen kann, dient seinem Kind als Vorbild. Wer dem Kind dann noch zeigt, dass er seine Angst überwunden hat, stimmt das Kind zuversichtlich, dass auch seine Angst endlich ist.

"Wenn Mama keine Angst mehr hat, dann habe ich auch keine Angst mehr", wäre die optimale Denkweise des Kindes. Eltern dienen ihrem Kind als großes Vorbild, die Kleinen streben danach, so zu werden wie sie – in diesem Fall also angstfrei.

5. Professionelle Hilfe holen nach einschneidenden Ereignissen

Ein Todesfall in der Familie, die Trennung der Eltern, schwere Erkrankungen oder überlebte Unfälle können Kinder traumatisieren. Auch Kinder, die missbraucht oder geschlagen wurden, können ein Trauma erleiden.

In solchen Fällen fragen sich viele Eltern, wie sie dem Kind helfen können, die entstandenen Ängste zu verarbeiten – zumal solche Ereignisse sogar Erwachsene traumatisieren können. Hier hilft es oft, sich professionelle Hilfe zu suchen, z.B. bei einem Familientherapeuten. Viele Institutionen, wie etwa Krankenhäuser oder Hospize, stellen auch Sozialarbeiter zur Verfügung, die auf die Betreuung Betroffener und Angehöriger spezialisiert sind.

Hat mein Kind eine Angststörung?

Leidet ein Kind an einer Angststörung, kann es eins oder mehrere der folgenden Symptome aufzeigen:

  • übertriebene Sorgen in alltäglichen Situationen
  • Anspannung
  • Kopf- und Bauchschmerzen (ohne organische Ursache)
  • körperliche Angstsymptome wie z.B.Herzrasen, Schwitzen, Zittern
  • Ein- und Durchschlafschwierigkeiten
  • Stottern
  • Einnässen
  • auffällige Essgewohnheiten

Kinderpsychologen oder -psychiater können Kindern mit Angststörungen helfen.

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