Adoption - wie ihr die Wartezeit gut übersteht

Das Warten auf ein Adoptivkind kann Jahre dauern. Adoptionsberaterin Daniela Holm weiß, wie man aus der Zeit eine bereichernde Phase macht.

Spätestens wenn werdende Eltern die Herztöne ihres ungeborenen Kindes zum ersten Mal beim Gynäkologen hören, beginnt für sie die spannende Zeit der Schwangerschaft. Jeden Tag kann dem Wunder des Lebens beim Wachsen zugeschaut und gespannt mit Freunden und Familie auf den langersehnten Geburtstag gewartet werden. Der errechnete Geburtstermin hilft enorm, die bewusst zu gestalten und die Veränderungen zu genießen.

Eine Adoption kann Wochen dauern - oder Jahre

Adptionsberaterin Daniela Holm

Adoptionsberaterin Daniela Holm ist mit Haut und Haar Hamburgerin, Mutter, Ehefrau, Diplom-Soziologin, Yoga-Lehrerin und Adoptionsberaterin aus ganzem Herzen. Weitere Infos unter www.adoptionsberatung-hamburg.com

Paare, die sich als Adoptiveltern beworben haben, erleben die Zeit der "frohen Erwartung" ganz anders. Denn wann sie ihr Kind in den Armen halten werden, ist nicht planbar. Es kann wenige Wochen oder auch einige Jahre dauern - und für einige Paare leider auch vergebens sein!

Als Adoptionsberaterin begleite und berate ich Adoptionsbewerber. Wir sprechen über die Schwierigkeiten, das Warten auszuhalten und machen uns gemeinsam auf die Suche nach verbindenden und freudvollen Momenten und Projekten. Wir entdecken Möglichkeiten, um Wunsch-Erlebnisse in die Wartephase zu integrieren.

Dadurch gelingt es Paaren, die ein Kind adoptieren wollen, die Wartezeit aus der gefühlten Abhängigkeit von den Vermittlungsstellen zurückzuerobern. Sie schaffen es, diese außergewöhnliche Zeit ihres Lebens so zu gestalten, dass es eine Phase der Lebendigkeit, der Entwicklung, der Verbundenheit, der Fülle und des Genusses wird, die ganz anders, aber mindestens gleich wertvoll für die Partnerschaft und die Partner wird, wie die neun Monate einer Schwangerschaft.

Das sind meine Tipps für alle Adoptivbewerberpaare:

1. Selbstbewusster Umgang mit indiskreten Fragen

Indiskrete Fragen zur Familienplanung sind euch sicher nicht unbekannt. Überlegt euch passende, authentische Antworten, mit denen ihr auf unangenehme Fragen wie: 'Wollt Ihr keine Kinder?' - 'Wie lange muss ich noch auf meinen Enkel warten?' selbstbewusst antworten könnt, ohne den anderen ebenfalls vor den Kopf zu stoßen.

Bedenkt dabei stets: Nachfrage nach dem Familienzuwachs werden in den allermeisten Fällen absolut unbedacht geäußert. Sehr wahrscheinlich möchte euer Gesprächspartner einfach nur über das nette Thema „Kinder kriegen“ plaudern. Also: Entwickelt Pauschalantworten, die euer Gesicht und eure Würde bewahren und euer Gegenüber zufrieden nicken lassen, wie z.B. „Lass dich überraschen!“

2. Unterstützer und Vertraute suchen

Um in der besonders herausfordernden Wartephase über eure Gefühle und Gedanken offen sprechen zu können, sucht euch ausgewählte Vertraute in eurem Bekanntenkreis. Denkt auch über einen professionellen Ansprechpartner nach, der euch auf eurem Weg begleitet.

Überlegt euch gemeinsam genau, welche Personen aus eurem Bekanntenkreis ab wann von euren Adoptionsplänen wissen darf und warum? Nur wenn es für eure Familie oder die Beziehung zur anderen Person von Vorteil ist, die Information über eure Familienplanung zu teilen, ist es erfahrungsgemäß lohnenswert, die Person so intim in euer Leben einzubeziehen.

3. Die Wartezeit bewusst gestalten

Bereitet euch sowohl auf eine kurze (bis zu 6 Monate), als auch auf eine mittelfristige (ca. 3 Jahre) und eine lange Wartezeit (länger als 3 Jahre) vor, um die sich ergebenen Zeiträume nach euren Bedürfnissen gestalten zu können.

Notiert euch alle Projekte, die ihr in Phase 1 unbedingt vorbereitet haben möchtet. Dies kann  sein: Renovierung, Baby-Erstausstattung, Urlaube, Fortbildung, Babypflegekurse, Formulare  anfordern (Elterngeld, Kindergeld, Erziehungszeiten, Kita-Gutscheine etc.), große Feiern ... Organisiert eure Vorhaben für die ersten 6 Monate nach dem 4-Quadranten-System: 1. Wichtig und dringend, 2. dringend, 3. wichtig, 4. unwichtig.

Die anschließenden zwei Jahre könnt ihr mit längerfristigen Projekten beleben: Was möchte ich in dieser Zeit erleben und erledigen? Welche Hobbys und Rituale könnte ich beginnen, alleine und gemeinsam? Welche beruflichen Schritte wären interessant? Welche Erlebnisse füllen mein Leben alleine und gemeinsam mit Freude und Energie?

Wenn Phase 3 eintritt und die Ankunft eures Kindes aus verschiedenen Gründen auf sich warten lässt, solltet ihr euch fragen: In welche Richtung möchte ich meinem Leben einen Impuls geben? Gibt es z.B. Ehrenämter, die mich reizen? Wie wäre es, über die Aufnahme eines Pflegekindes nachzudenken? Ist es ein guter Zeitpunkt für ein Haustier, das auch mit Kind in unser Leben passen würde? Oder möchte ich beruflich etwas Neues ausprobieren? Sind in den ersten Jahren des Wartens Themen auf den Tisch gekommen, die ich jetzt mit professioneller Begleitung reflektieren und verarbeiten möchte?

4. Die Babys der anderen

Beobachtet euch und euren Partner genau: Wie viele Schwangerschaften und Geburten können wir im Freundeskreis in welcher Dosis authentisch genießen, und ab wann und bei wem wird es uns zu viel und schmerzhaft? Nehmt eure Gefühle ernst und sorgt gut für euch. Aber: Für sich sorgen heißt auch dafür zu sorgen, dass man sich nicht isoliert!

Allgemein gilt: Würdigt jeden Tag eure besondere Situation! Es ist emotional eine große Herausforderung, den Adoptionsprozess stabil zu durchlaufen und die vielen Höhen und Tiefen alleine und als Paar gut zu meistern. Dafür braucht ihr täglich eine gute Portion Selbstfürsorge.

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