Ein Fernseh-Sender nur für Babys - muss das sein?

Der amerikanische Sender "Baby First TV" begeht einen Tabubruch - und macht Fernsehen für Babys ab sechs Monaten.

Hase Harry zeigt Babys und Kleinkindern, wie eine Karotte aussieht, wie sie schmeckt und wie sie wächst. Die Color Crew - sprechende Buntstifte - erklärt den Kleinsten die Farben. Und die poppigen Wesen Bloop und Loop bringen ihren gewindelten Zuschauern Tiere und Formen nahe.

Was eigentlich Aufgabe von Eltern und Krippen-Erziehern ist, ist in den USA nun Sache des Fernsehers. Der amerikanische Sender "Baby First TV" bricht ein Tabu: Er macht Programm für Babys ab sechs Monaten. "Kika" und Co. entwickeln ihre Sendungen für Kinder ab drei Jahren.

Expertin: "Wer sein Kind damit ruhigstellt, kann ihm gleich Kokain geben!"

TV-Konsum bei Kleinstkindern: Wie sieht die Realität aus?

Machen wir uns nichts vor: In Zeiten, in denen beide Elternteile (soweit vorhanden) arbeiten, ist es Realität, dass elektronische Medien immer mal wieder die Rolle des Babysitters übernehmen. Fernsehen und Computer sind eben immer verfügbar, wenn Mama dringend ein Telefonat erledigen muss oder Papa aus anderen Gründen Ruhe braucht. So kommt es, dass schon 20 Prozent der Einjährigen nach einer Erhebung des "Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI)" regelmäßig vor dem Bildschirm sitzt, bei den Dreijährigen sind es fast 90 Prozent.

Ist das nun schädlich oder nicht?

Laut einer Empfehlung des "Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend" sollten Kinder zwischen drei und fünf Jahren nicht mehr als 30 Minuten pro Tag fernsehen, jüngere Kinder gar nicht. Thomas Feibel, Experte für Kindermedien, sagte der Süddeutschen Zeitung: "Ein Kind sollte wirklich, wenn überhaupt, erst mit vier, fünf Jahren erste Sendungen schauen."

Studien haben gezeigt: Fernsehkonsum kann die Sprachentwicklung hemmen, das Konzentrationsvermögen beeinträchtigen und Schlafstörungen hervorrufen. "Je kleiner Kinder sind, umso schlechter wirkt Fernsehen auf sie", sagt Fabienne Becker-Stoll, Leiterin des "Staatsinstituts für Frühpädagogik" in München. "Das Gehirn eines Babys braucht sofortige Rückkopplung. Damit es lernen kann, müssen Eltern nicht nur feinfühlig, sondern auch sofort auf das Kind eingehen, wenn es etwa schreit oder weint. Ein Fernseher reagiert jedoch nie."

Fernsehen ist zutiefst unsinnlich

Klar kommt es auch darauf an, was und wie viel geschaut wird. Und "Baby First TV" scheint die Kleinsten immerhin altersgerecht unterhalten und fördern zu wollen. Trotzdem: Fernsehen ist und bleibt unsinnlich, die Karotte bleibt ein elektronisches Abbild ohne Haptik und Geruch.

Daher kann Fernsehen menschliche Zuwendung niemals ersetzen. Kinder brauchen Interaktion, freies Spiel, Bewegung und Dialoge, um zu gedeihen. Und die meisten Experten sind sich einig, dass das Spielen Kinder mehr fördert als Fernsehprogramme oder Videos mit angeblichem Lerneffekt.

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