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Petition für mehr Elternrechte "Glückwunsch zum Baby. Sie sind gefeuert!"

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© Eltern / Brigitte
So offen formulieren es die wenigsten Firmen. Und doch ist Elterndiskriminierung im Job allgegenwärtig. Was hilft? Druck auf die Politik zu machen! Unterstütze unsere Petition unter www.brigitte.de/petition

Es ist Jahre her, anderer Job, tolles Team, wir verstanden uns gut. So gut, dass eine Entfristung im Raum stand. Nur: Weil ich so ehrlich war – oder wie mein Mann sagen würde: so dumm – zu sagen, dass ich im zweiten Monat schwanger bin, mich aber in einem Jahr auf die Stelle freue, sagte man mir: "Ja, nee, dann können wir dir die Entfristung doch nicht anbieten. Aber wir bleiben in Kontakt."

Diskriminierung aufgrund von Elternschaft

Und das Absurde war: Meine Vorgesetzten waren ja keine Unmenschen. Sie rieben sich auch nicht die Hände, voller Vorfreude, endlich die schwangere Alex über den Tisch zu ziehen. Es war eben der "normale" Vorgang gegenüber Müttern. Mehr noch: Ich machte mich zum Teil des Systems, als ich dachte: Ist halt so, ich hätte ja nicht schwanger werden müssen. Was offenlegt, wie perfide die Diskriminierung Eltern und besonders Müttern gegenüber in diesem Land funktioniert. Ich – als Opfer – gab mir selbst die Schuld.

Doch wie kann das sein? Warum hat jede von uns mindestens eine Freundin oder Kollegin, der so etwas schon mal passiert ist? Das weiß Sandra Runge. In ihrer Berliner Kanzlei hat die Juristin in den vergangenen zehn Jahren Hunderte solcher Fälle beraten. "Es ist einfach unfassbar, ich kriege immer und immer wieder dieselben Situationen geschildert", sagt sie, "und alle fragen sich, ob sie ein Einzelfall sind. Aber das sind sie nicht! Ich sehe eine strukturelle Diskriminierung Müttern und auch immer mehr Vätern gegenüber." Anfang des Jahres gründete die Anwältin zusammen mit der Kommunikationsberaterin Karline Wenzel die Initiative #proparents, um auf das Problem aufmerksam zu machen.

Das Ziel: auf eine gravierende Gesetzeslücke hinzuweisen. Dass eine Frau während Schwangerschaft und Elternzeit nicht entlassen werden darf, ist vielen klar. Laut Sandra Runge liegt das Problem in der Zeit danach: Denn dann kennt das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (kurz AGG), auch oft Antidiskrimierungsgesetz genannt, Schikanen gegen Eltern einfach nicht. Dort heißt es wörtlich: "Ziel des Gesetzes ist, Benachteiligungen aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen." Diskriminierung aufgrund von Elternschaft allgemein taucht im Gesetzestext nicht auf – und dadurch fallen viele Eltern in eine Schutzlücke.

Kinder und Familie als Aufgabe der Frau

Ein Beispiel: Wird einer Mutter direkt nach der Elternzeit gekündigt oder ihr die Führungsposition weggenommen, hilft selbst eine Klage auf direkte Diskriminierung des Geschlechts nicht weiter, denn Väter gehen ja auch in Elternzeit, ihnen kann theoretisch das Gleiche passieren. Allerdings: Benachteiligte Väter, die sich um ihre Kinder kümmern, werden vom AGG sogar komplett ausgeblendet. Doch wie kann eine solche Lücke im Jahr 2021 immer noch existieren?

Ein Faktor ist, dass gerade Mütter auf dem hiesigen Arbeitsmarkt ein Imageproblem haben: Einerseits waren Frauen noch nie so gut ausgebildet und bezahlt, andererseits haben wir unter Müttern die größte Teilzeitquote der vergangenen 30 Jahre. Die renommierte Soziologin Jutta Allmendinger zeichnet in ihrem aktuellen Buch "Es geht nur gemeinsam!" ein düsteres Bild: 1991 haben 30,2 Prozent der Frauen Teilzeit gearbeitet, heute sind es 46 Prozent. Einer der Gründe: Kinder und Familie werden immer noch als Aufgabe der Frau betrachtet. Und: Frauen wenden heute täglich mehr als doppelt so viel Zeit für Kinderbetreuung auf wie Männer.

Und hier ist der springende Punkt: Gerade weil das Frauenbild hierzulande immer noch so sehr vom Grundsatz geprägt ist: "Ein Kind gehört zur Mutter", sehen Arbeitgeber*innen besonders bei Frauen die Gefahr auszufallen, sobald ein Kind krank wird oder wenn wegen Corona mal wieder alle Kitas und Schulen schließen. Überhaupt, Corona: Fast jede*r Zweite sagt in der aktuellen BRIGITTE-Studie "Mein Leben, mein Job und ich", dass Corona die traditionellen Rollenbilder in Partnerschaften verstärkt haben.

Die Lösung für viele Firmen: Mütter bei Bewerbungen auszusortieren, Mütter nach der Elternzeit rauszuekeln, Müttern Führungsaufgaben abzuerkennen – oder sie gar nicht erst so weit kommen zu lassen.

Änderung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes

"Es ist absurd! Wir haben 20 Millionen Eltern in diesem Land, und wir fangen jetzt erst an, darüber zu reden, wie man sie nach dem Wiedereinstieg schützen kann", sagt Sandra Runge. Auch Digitalstaatsministerin Dorothee Bär sieht die Situation kritisch: "Es ist doch das Mindeste, dass Eltern nicht wegen ihrer Eigenschaft als solche diskriminiert werden", sagt die CSU-Politikerin. "Ein solches Verbot muss gesetzlich verankert werden." In Österreich ist man da übrigens schon weiter. Dort fällt unter Geschlechterdiskriminierung auch ganz offiziell jemand, der Kinder hat. Deutschland hinkt hier gewaltig hinterher. Bis jetzt.

Denn viele Hunderte Mütter und Väter haben uns geschrieben. Sie haben in den sozialen Medien gesehen, dass wir zu dem Thema recherchieren, und uns von ihren Schikanen, ihren Degradierungen und Entlassungen erzählt, um endlich für sich und für die Dunkelziffer hinter den Fällen einzustehen. Gemeinsam mit diesen Eltern fordern wir – BRIGITTE, das Magazin ELTERN und die Initiative #proparents die Änderung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes. Elternschaft, und zwar egal ob biologische, Pflege- oder Adoptivelternschaft, muss als Diskriminierungsmerkmal ins AGG aufgenommen werden!

Denn es ist doch so: Ja, Frauen entscheiden sich freiwillig für ein Kind. Sie entscheiden sich aber nicht freiwillig dafür, deswegen finanziell und beruflich degradiert zu werden.

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© Eltern / Brigitte

#GLEICHESRECHTFÜRELTERN

So unterstützt du unsere Kampagne: Eltern-Diskriminierung ist ein Skandal. Gemeinsam mit dir wollen wir die Politik bewegen, endlich zu handeln. Deshalb haben wir eine Petition gestartet, damit Elternschaft im Antidiskriminierungsgesetz aufgenommen wird. Wir wollen so viele Stimmen wie möglich sammeln und unser Anliegen offiziell beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags einreichen. Unterstütze uns dabei, unterzeichne unsere Petition zur Änderung des AGG auf
www.brigitte.de/petition
Die Petition läuft bis zum 14. Juni 2021.

Je mehr Beispiele wir zeigen, desto wirksamer wird unsere Forderung. Deshalb möchten wir wissen, was du selbst als Elternteil im Job erlebt hast. Maile uns deine Geschichte – auch anonym – an elternrechte@brigitte.de und erzähle: Welche Diskriminierungen hast du am Arbeitsplatz erfahren? Wann ist es passiert? Wie hast du reagiert? Diese Geschichten sind wichtige Belege für die Benachteiligung von Eltern. Wir werden sie sammeln und in Berlin übergeben. So erhöhen wir den Druck auf die Politik. Gemeinsam ändern wir das Gesetz!

Alle Infos auf www.brigitte.de/elternrechte und www.proparentsinitiative.de

BRIGITTE 08/2021

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