Kinderfotos posten: 10 Fragen, die ihr euch vorher stellen solltet

Wir lieben es, süße Kinderfotos im Netz zu posten. Aber auch Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre. Ein Eltern-Guide hilft dabei, die richtige Entscheidung zu treffen.

Als vor einigen Monaten die Hagener Polizei Eltern öffentlich dazu aufrief, keine Fotos ihrer Kinder für jedermann sichtbar im Internet zu posten, kochten die Meinungen im Netz dazu hoch. Viele Eltern begrüßen die Initiative in den Kommentaren. Andere halten die Warnung der Polizei, dass die Fotos für üble Zwecke missbraucht werden könnten, für übertrieben und für Angstmacherei.

Fakt ist: Mit den neuen Medien und Sozialen Netzwerken haben wir viele tolle Möglichkeiten bekommen, uns auszutauschen und mit anderen Menschen zu vernetzen. Aber es gibt auch Risiken, die für den Einzelnen oft kaum zu überschauen sind. Das gilt besonders für den Schutz der Privatsphäre. Und hier ganz besonders für Eltern.

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Forscher wollen Eltern unterstützen

Das Forschungsprojekt "Familienbilder im Social Web" der Uni Basel untersucht, wie Familien heute mit der digitalen Bilderflut umgehen und wie sie sich dadurch von anderen Generationen unterscheiden. Ziel der Forscher ist es auch, Eltern dabei zu helfen, verantwortungsvoll mit Bildern ihrer Kinder umzugehen.

Dafür hat das Team einen Guide entwickelt mit 10 Fragen, die sich Eltern vor jeder Veröffentlichung eines Kinderfotos stellen sollten:

Kann ich das Bild online teilen?

Nur wenn alle diese Fragen mit "Ja" beantwortet werden können, empfehlen die Wissenschaftler, das Foto online zu stellen.

1. Haben ich oder meine Familie das Foto selbst gemacht oder habe ich die Rechte am Bild abgeklärt?

2. Sind noch andere Personen zu erkennen und habe ich deren Erlaubnis, das Bild zu teilen?

3. Sind im Hintergrund des Fotos keine Dinge zu sehen, die anderen Personen unangenehm sein könnten?

4. Ist mein Kind auf dem Bild bekleidet und auch nicht in einer peinlichen Situation zu sehen?

5. Ist mein Kind mit dem Teilen des Fotos einverstanden, sobald es alt genug für eine Meinung ist?

6. Sind alle Elternteile oder Erziehungsberechtigten mit dem Teilen des Bildes einverstanden?

7. Wäre es für mich persönlich akzeptabel wenn ein solches Kinderbild von mir heute im Internet zugänglich wäre?

8. Habe ich meine Sicherheitseinstellungen überprüft und bin mir sicher zu wissen, wer Zugriff hat?

9. Möchte ich das Risiko eingehen, dass das Bild für kommerzielle Zwecke verwendet werden kann?

10. Wäre es tragbar, wenn durch einen Softwarefehler das Bild offen für jedermann zugänglich wäre? Nur wenn alle Fragen mit "Ja" beantwortet werden können, empfehlen die Wissenschaftler, das Foto online zu stellen.

"Hysterie ist fehl am Platz"

Ulla Autenrieth, die das Basler Forschungsprojekt leitet, hofft, dass der Guide dazu führt, dass sich Eltern mit der Problematik eingehend beschäftigen und einen für alle Beteiligten positiven Umgang finden.

"Eltern stehen heute vor neuen Herausforderungen, denen sie sich stellen müssen. Die Eigenschaften digitaler Technik, insbesondere des Internets wie Kopierbarkeit, Speicherbarkeit, Suchbarkeit und ein unsichtbares bzw. ungewisses Publikum, sind komplex", so Autenrieth gegenüber BRIGITTE MOM. Das einschätzen zu können, müssten die Eltern lernen.

Den Aufruf der der Polizei Hagen sieht Ulla Autenrieth jedoch kritisch. "Aus meiner Perspektive ist die Darstellung des Themas deutlich unterreflektiert und stempelt die scheinbar 'verantwortungslosen' Eltern ab."

Ihrer Ansicht nach sei die Diskussion bereits sehr stark im Gange, und natürlich sehnten sich Eltern nach einfachen Lösungen. Doch Aufrufe, gar keine Bilder zu veröffentlichen, gingen an der sozialen Realität vorbei.

"Hysterie ist fehl am Platz. Es gilt sich mit den Pros und Contras auseinanderzusetzen. Dies sollte als Familie geschehen, unter frühem Einbezug der Kinder, mit dem Ziel, möglichst kompetente Entscheidungen zu treffen", sagt die Sozialwissenschaftlerin.

Verhaltensregeln unter Jugendlichen

Dass das funktionieren kann, zeige zum Beispiel, wie viele Jugendlichen heute schon mit ihren Fotos umgingen.

"Viele Kinder und Jugendliche überlegen sehr genau, was sie online stellen", so Autenrieth. "Die anhaltenden medialen Diskurse haben Spuren hinterlassen. Gerade in jugendlichen Peergroups existieren vielfach konkrete Verhaltensregeln, was das Posten von Bildern angeht."

Mehr über das Forschungsprojekt der Uni Basel lest ihr hier: http://netzbilder.net

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