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Das Kind will die Medizin nicht? Das hilft!

Das Kind will die Medizin nicht? Junge mit Löffel und Medizin in der Hand
© Lapina / Shutterstock
Es hilft ja nix, manchmal muss die Medizin rein ins Kind. Und weil Not erfinderisch macht: Hier die in jahrelangen Versuchsanordnungen perfektionierten Lieblings-Tricks der MOM-Redaktion. 
Angela Wttmann

Flüssige Medizin

Einen Trick, wie man Arzneimittel in flüssiger Form verabreicht, haben wir euch schon gezeigt: Hinter einer verführerisch gekühlten Softdrink-Dose versteckt ihr ein kleines Gläschen mit dem eigentlich zu verabreichenden Saft. Und da steckt der Trinkhalm drin! Ein gieriger Zug, und runter ist das Zeug! Danach Trinkhalm nach vorn in den Softdrink stecken, und der süße Belohnungsschluck zum Runterspülen kommt gleich hinterher. Wenn beide Flüssigkeiten schön kalt sind, glückt diese Schummelei besonders gut. Die Kälte betäubt die Geschmacksnerven auf der Zunge. Vorsichtshalber in der Packungsbeilage nachschauen, ob das Medikament im Kühlschrank gekühlt werden darf.

Wenn das Kind noch zu klein für den Trinkhalm ist: einen "Medikamentenschnuller" einsetzen, mit dem die Medizin durch den Schnuller aufgesaugt wird. Oder nach dem gleichen Prinzip einen Trinksauger umfunktionieren, indem ihr ihn mit einer Einmalspritze (natürlich ohne Nadel) oder einer Dosierpipette mit flachem Ende "pimpt" und den Saft dann sanft durch den Sauger in den Kindermund drückt, während ihr das Kind im Arm habt.

Bei größeren Kindern kann man den im besten Fall gekühlten Saft mit der Pipette oder Spritze auch ganz hinten auf die Zunge träufeln. Dort gibt es kaum Geschmacksnerven. Oder ihr setzt auf eine nostalgische Methode, um die Einnahme von Saft und Tropfen zu versüßen: Rauf damit auf ein Stück Würfelzucker!

Ebenso süß und zum Unterschummeln gut geeignet ist auch Aprikosensaft, weil der einen starken Eigengeschmack hat. Und wenn euer Kind liebend gern flüssiges Obst aus dem "Quetschi" saugt, könnt ihr die Medizin auch mit der Einwegspritze einfüllen, mit einem Holzstäbchen umrühren und hoffen, dass der Inhalt ganz verputzt wird.

Tabletten

Wer zum Beispiel schon mal versucht hat, Madenwürmer zu bekämpfen, der kennt den zähflüssigen Saft mit Kirschgeschmack, der durch seine prägnante Rot-Färbung im Stuhl anzeigt, wann das Mittel an seinem Wirkungsort angekommen ist. Leider färbt diese Suspension so extrem, dass es eine kaum entfernbare Riesensauerei gibt, wenn sie durch die Gegend gespuckt wird. Zum Glück gibt es dieses Medikament auch als Dragees. Und hier kommt unser Toffifee-Trick für diese (und andere) Tabletten und Pillen, die geschluckt werden müssen: Toffifee unten mit einem scharfen Messer aufschlitzen, Dragee oder Pille reinschieben (wenn es eine große Tablette ist, kann man auch die Nuss rausholen und durch die Tablette ersetzen). Dann den weichen Karamell-Mantel wieder zusammendrücken und dem Kind mit unversehrter Schoko-Oberfläche anbieten. Durch die schlotzig-süße Konsistenz rutscht alles leicht runter, und der Fremdgeschmack wird beim Kauen erstaunlich gut überdeckt.

Kinder, die schon ein bisschen größer sind und dieses Spielchen durchschaut haben, tun sich beim Schlucken einer Tablette trotzdem viel leichter, wenn sie dazu ein Toffifee essen dürfen (oder einen anderen Happs, auf dem man herumkauen kann). Das funktioniert so: Tablette in der Backentasche parken. Leckerbissen kauen. Wenn man das Gefühl bekommt, schlucken zu wollen, Tablette mit der Zunge aus der Wangentasche holen und mitschlucken. Das flutscht!

Erstaunlicherweise kriegen ja selbst wir Mütter Tabletten manchmal kaum runter, die unzerkaut geschluckt werden sollen. Und das, obwohl wir mit viel größeren Bissen sonst keine Probleme haben. Mit dieser Methode können wir uns bei Bedarf auch mal selbst austricksen.

Zäpfchen

Wenn Saft und Sirup trotz Spezial-Sauger ein Problem sind, gibt’s zum Glück oft noch Zäpfchen als Alternative. Am besten bekommt man sie rein, wenn das Kind mit angewinkelten Beinen auf der Seite liegt. Zäpfchen kurz erwärmen, indem ihr es in eurer Faust einschließt oder kurz unter warmes Wasser haltet – besser nicht mit Creme oder Öl schlüpfrig machen, weil der Körper die Wirkstoffe sonst eventuell nicht mehr ganz aufnehmen kann.

Das Zäpfchen kommt übrigens nicht so schnell wieder raus, wenn ihr es verkehrt herum einführt, also nicht mit der Spitze zuerst, sondern mit der flachen Seite. Danach immer kurz die Pobacken des Kindes leicht zusammendrücken, damit das Ding auch wirklich drinbleibt.

Ohrentropfen

Ohrentropfen laufen am besten dahin, wo sie reinsollen, wenn das Kind seitlich auf unserem Schoß liegt und einen seiner Lieblingsfilme schaut. Weil das Ohr schon so empfindlich ist: Fläschchen mit der Flüssigkeit vorher in der Hand auf Körpertemperatur erwärmen. Wichtig bei allen Tropfen: nicht mit der Pipette ans Ohr stoßen – das tut weh und die Bakterien kommen womöglich ins Medikament.

Augentropfen

Bindehautenzündungen sind ansteckend wie Hölle. Antibiotische Augentropfen sind demnach bei Kindern häufig im Einsatz. Was diese nicht schätzen! Der Trick in der Not: Das Auge des Kindes muss nicht geöffnet sein, wenn das Tröpfchen kommt.

Größere Kinder legen sich hin und machen einfach die Augen zu. Dann bekommen sie einen Tropfen in den Augeninnenwinkel, und ihr zieht das Lid vorsichtig ein wenig herunter. Das Medikament verteilt sich beim Blinzeln von ganz allein im Auge. Da der Bindehautsack nur eine begrenzte Kapazität hat, könnt ihr ruhig einen großen Tropfen ins Auge geben. Der Rest läuft einfach heraus – eine Überdosierung müsst ihr nicht befürchten. Auch in diesem Fall gilt: Pipette oder Tropfflasche dürfen das kranke Auge nicht berühren. Und vorher und nachher Händewaschen nicht vergessen!

Kleinere Kinder bekommen ihre Augentropfen übrigens am besten im Schlaf. Und zwar in der Tiefschlafphase, ca. 10 Minuten nach dem Einschlafen. Ihr merkt ja, ob sie schon tief schlafen oder noch unruhig sind und sich vom Licht stören lassen. Dann ruhig noch ein bisschen warten oder mit Stirnlampe arbeiten.

Überhaupt ist der Schlaf der beste Verbündete von Doktor Mom: Wir haben nicht nur erfolgreich Tropfen aller Art (auch Nasentropfen!), sondern auch schon Zäpfchen verabreicht, mit dem Nissenkamm gearbeitet, Warzen behandelt, Splitter entfernt und entzündete Finger- und Fußnägel geschnitten. Schlafende Kinder sind super Patienten!

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BRIGITTE MOM 04/2020

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