Oma sorgt für längere Liebesbeziehungen

Dass Omas wichtig für Eltern sind, wissen viele aus Erfahrung. Laut neuer Studien sind die Großmütter aber auch der Grund, warum wir überhaupt so lange Paarbeziehungen haben - und so lange leben.

Oma ist die Beste - wir wussten es ja schon immer!

Genau! Gerade von Familien mit vielen Kindern hört man oft, dass sie das ohne Oma gar nicht schaffen würden. Nichts erleichtert den Alltag so sehr wie ein vertrauter Mensch, den man jederzeit um Hilfe bitten kann. Tatsächlich ist die Oma aber nicht nur für einzelne Familien enorm wichtig, sondern offenbar für die ganze Menschheit. Die aktuelle Forschung vertritt die These: Ohne die Omas wären wir Menschen nie so soziale, langlebige Wesen geworden.

Warum denn das? Weil Omas so viel Schokolade verschenken?

Nein, aber Nahrung spielt eine wichtige Rolle. Schon lange fragen sich Forscher, warum Frauen so lange leben. Während zum Beispiel weibliche Menschenaffen kurz nach dem Ende ihrer fruchtbaren Zeit sterben, leben weibliche Menschen oft noch Jahrzehnte weiter - obwohl das biologisch eigentlich keinen Sinn macht.

Und woran liegt das?

Laut der "Großmutter-Hypothese" hat das folgenden Grund: Wegen Umweltveränderungen begannen unsere Vorfahren vor zwei Millionen Jahren, sich mehr von Wurzeln und Pflanzen zu ernähren, die für Kleinkinder nur schwer zugänglich sind. Da die Mütter meist schon das nächste Baby an der Brust hatten, übernahmen die älteren Frauen die Aufgabe, die größeren Kinder zu ernähren.

Familien mit Frauen, die lange lebten, hatten also einen Vorteil?

Ja. Eine Oma erhöhte die Überlebenschancen der Kinder um ein Vielfaches. Und darum, so die Anhänger der These, setzten sich diese "Langlebigkeits-Gene" im Lauf der Evolution immer mehr durch. Die menschliche Lebensspanne hat sich im Verlauf von nur 24.000 bis 60.000 Jahren um bis zu 49 Lebensjahre verlängert.

Laut der US-Anthropologin Kristen Hawkes hat die Oma aber auch einen Einfluss auf unsere Liebesbeziehungen.

Weil wir uns wegen der Oma mehr streiten?

Nein, im Gegenteil. Eine neue Studie von Hawkes und ihrem Team von der University of Utah kommt zum Ergebnis, dass der Einfluss der Omas erst dazu führte, dass Frauen und Männer Paarbeziehungen bildeten - und nicht ständig wechselnde Partner hatten wie zum Beispiel die Menschenaffen.

Liegt das auch am steigenden Alter?

Genau. Mit der steigenden Lebenserwartung der Frauen stieg über die Jahrtausende auch die Lebenserwartung der Männer. Während Frauen aber weiter nur bis zum Alter von ungefähr 45 Jahren fruchtbar waren, blieben die Männer bis ins hohe Alter zeugungsfähig. Das Ergebnis: Auf eine gleichbleibende Zahl fruchtbarer Frauen kamen immer mehr fruchtbare Männer. Bei Gemeinschaften ohne großmütterliche Betreuung wäre dieser Effekt nicht eingetreten, so die Berechnungen der Forscher.

Studie deckt auf: So geht es Kindern von lesbischen Paaren wirklich

Also hatten die Männer mehr Konkurrenz auf dem Paarungsmarkt.

Richtig. Und laut Kristen Hawkes führte das dazu, dass sich die Männer bevorzugt mit einem (möglichst jungen) "Weibchen" zusammentaten und lange mit ihr zusammenblieben. Denn das habe die Chancen erhöht, einigermaßen stressfrei so viele Nachkommen wie möglich in die Welt zu setzen.

Die moderne Familie war geboren!

Ja, dank der Großmütter sind wir Menschen nicht nur immer älter geworden - sondern auch treuere Partner! Allerdings erklärt die These auch, warum Männer tendenziell eher auf jüngere Frauen stehen. Aber in der Steinzeit gab es ja auch noch kein "Social Freezing" ...

Wer hier schreibt:

Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Brigitte-MOM-Newsletter

MOM-Newsletter

Mit unserem Newsletter erfährst du alles über die neuesten Online-Beiträge und verpasst keine MOM-Ausgabe!