Dieser Kita-Trend ist gefährlich für unsere Kinder

Einige Kindergarten-Konzepte sind nicht gut für unseren Nachwuchs, warnen Lern- und Hirnforscher.

Mama und Papa wollen nur das Beste für ihr Kind. Keine Frage also, dass sie es sich nicht leicht machen, eine geeignete Betreuung zu finden. Aber die Ansprüche an die Einrichtungen sind heute noch andere als vor einigen Jahren. Ein gefährlicher Trend, warnen Lern- und Hirnforscher. Wenn Eltern einen Kindergarten aussuchen, dann geht es oft auch nach den Angeboten der Träger. Immer wieder wird nach Kursen und Unterricht gefragt.

Englischunterricht und Co. können ausschlaggebende Punkte für die Entscheidung werden 

Aber der Optimierungswahn geht noch weiter: Mütter beurteilen sich gegenseitig nach Förderungskonzepten. Wenn eine Mutter eine andere nach solchen Kursen und weiteren nachmittäglichen festen Aktivitäten in Vereinen oder Unterrichten fragt, und die Gefragte keine angibt, dann fällt auch das schon negativ auf.

Mehr als 12 Stunden Freizeit pro Woche haben Kinder in den vergangenen 20 Jahren durch diesen Trend verloren 

Hirnforscher Gerald Hüther ist nur einer von vielen Experten, die jetzt warnen. Kinder müssen frei spielen. So viel wie möglich! Im Interview mit spielundzukunft.de sagen er und sein Kollege Christoph Quarch (Philosoph):

Rettet das Spiel!

Beide haben bereits vor zwei Jahren ein Buch zum Thema geschrieben und meinen: “Der Mensch ist als Suchender auf dieser Welt unterwegs. In reinster Form lässt sich das bei unseren Kindern beobachten. Sie machen uns vor, wie diese Suche läuft - und zwar beim Spielen. Spielerisch erkunden Sie die Welt und finden schrittweise durch Versuch und Irrtum heraus, was wie funktioniert, was sich auf welche Weise entdecken, gestalten und als neue Erfahrung verankern lässt. Kinderspiele sind immer ambitioniert. Kinder suchen sich aktiv die Anforderungen, die am besten zu ihnen passen. 

Kinder spielen automatisch das, was sie weiter bringt

In jeder Lebens- und Entwicklungsphase verfügen Kinder über ein sicheres Gespür dafür, welche Art von Spiel sie jeweils weiter bringen kann: Am Anfang sind es eher Spiele mit Gegenständen, später dann Als-ob-Spiele, Rollenspiele und Regelspiele, zuletzt Wettkampfspiele und Gewinn-Spiele. Kein Förderprogramm könnte etwas Vergleichbares leisten. Kinder sind Meister der Spielkunst. Solange man sie ihnen nicht austreibt, was leider häufig geschieht, vor allem durch den Einsatz eines sich ausbreitenden Förderwahns.”

Wichtig ist FREIES SPIELEN

Jetzt können Eltern argumentieren dass diese Termine ja oft dem Spielen dienen. Aber dem angeleiteten Spielen unter bestimmten Vorgaben eben. Programm, mit Ziel und Plan. Von Fantasie und Freiheit keine Spur. Und das kann die kindliche Entwicklung bedrohen.

Sebastian Purps-Pardigol (Neuromanagment) sagt dazu: „Wir wissen aus Experimenten, dass erzwungenes Verhalten – ob es nun bei Kindern oder bei Erwachsenen stattfindet – zu ungünstigen neuronalen Entwicklungen führen kann. 

Erzwungenes Lernen geht langsamer

Zwingt man Jemanden dazu, etwas zu tun, beispielsweise in eine frühkindliche Fördergruppe zu gehen, lernt dieser kleine Mensch langsamer als die, die es freiwillig tun. Man kann das neuronal messen: Ein Protein, das eine wichtige Rolle bei Lern- und Erinnerungsprozessen spielt, das BDNF, ist in eine um 80 Prozent geringeren Sättigung im gezwungenen Gehirn vorhanden. Wenn manche Eltern nun glauben, dass das eigene Kind wahnsinnig gerne zum Unterricht oder Kurs geht, können sie von einem neurobiologischen Grundbedürfnis des eigenen Kindes überlistet worden sein: Der Wunsch nach Verbundenheit zu Mama und Papa ist so stark, dass der oder die Kleine die Eltern glücklich machen will … und ganz gehorsam bereits mit 4 Jahren die Schulbank drückt."

Und weil es kaum besser zusammengefasst werden kann, hat das Schlusswort noch mal Herr Hüther: "Mehr spielerische Lebendigkeit, Leichtigkeit und Lebenslust sollte an die Stelle eines von ökonomischen Zwängen funktionalisierten Spielens, Lernens und Lebens treten können. Es würde uns und unsere Kinder glücklicher, gesünder, kreativer und damit als Gesellschaft entwicklungs- und zukunftsfähiger machen."

Wer hier schreibt:

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Kinder sitzen in Kita an Tisch, klatschen und melden sich
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