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Therapeutin warnt Dieses Wort solltest du niemals zu deinem Kind sagen

Egoistisches Kind: Ein beschämtes Mädchen auf dem Sofa
© IKO-studio / Shutterstock
Wir können nicht immer alles richtig machen, auch nicht in der Kindererziehung. Ein Wort sollten wir uns jedoch tunlichst verkneifen, wenn es um unsere Kinder geht, denn laut einer Therapeutin kann es nachhaltige Persönlichkeitsstörungen zur Folge haben.      

Hier kochen die Nudeln über, da klingelt das Telefon, während zeitgleich noch eine E-Mail eintrudelt, im Kopf treiben wir das Projekt für die Arbeit voran und mittendrin denkt Junior mal wieder nur an sich: "Maaaamaaa, kannst du mit mir spielen???" Ganz schön egoistisch und nicht gerade mitfühlend von ihm. Doch vorwerfen beziehungsweise sagen sollten wir es ihm nicht. Denn laut der Therapeutin Tina Gilbertson könnte das zu tiefen seelischen Wunden führen.

"Eine gute Zahl der Patient*innen, die bei mir in Therapie waren, wurden als Kinder egoistisch genannt", schreibt sie bei "Psychologytoday". Einem Kind Egoismus vorzuwerfen sei ihr zufolge nicht nur "unangemessen", sondern im schlimmsten Fall "zutiefst traumatisierend". Und zwar aus folgenden drei Gründen.

Darum solltest du dein Kind niemals selbstsüchtig nennen

1. Kinder sind nun mal egoistisch – so will es das Gesetz der Natur

Als Kinder haben wir, so die Therapeutin, noch nicht die intellektuellen Kapazitäten, um unterschiedliche Perspektiven einzunehmen oder die Gefühle von anderen in unser Gesamtbild einzuordnen. Erst mit zunehmendem Alter und zunehmender geistiger Reife lernen wir, dass unsere Sicht auf die Welt nicht die Wahrheit ist und dass unsere Bedürfnisse und Emotionen nicht das einzige bzw. wichtigste sind, was existiert. Hätte man uns das vorgeworfen, als wir klein waren – oder würden wir das unseren Kindern vorwerfen –, wäre das quasi ein Vorwurf dafür, dass wir nicht als vollständig entwickelte Erwachsene auf die Welt gekommen sind. Ebenso gut könnte man einem Kleinkind, das gerade das Krabbeln anfängt, vorwerfen, dass es nicht läuft.

2. Das Label bleibt hängen

Die meisten Menschen vergessen niemals, wenn ihnen als Kind Egoismus vorgeworfen wurde, insbesondere wenn der Vorwurf von den eigenen Eltern kam, schreibt Tina Gilbertson. Für negative Attributionen sind wir – vor allem als unfertige Persönlichkeiten, die ihren Platz in der Welt noch suchen, aka Kinder, – besonders empfänglich, daher prägen sie sich auch so stark ein (wie sich das Phänomen auch in unserem Erwachsenenleben bemerkbar macht, erfährst du in unserem Artikel zur Bing-Theorie). Gerade das Label "Egoismus" kann dazu führen, dass ein Kind zutiefst verunsichert wird und bei der Entwicklung seines Selbstwerts Probleme bekommt – z. B. in Bezug auf Fragen wie "Wann ist es okay, Nein zu sagen?", "Darf ich überhaupt an mich denken?" usw..

3. Vorbilder bringen mehr als Vorwürfe

Als Kinder wissen wir nicht, was Konzepte wie Rücksichtnahme, Umsicht und Mitgefühl sind. Wir lernen sie erst durch das Aufwachsen in einem Sozialgefüge kennen, durch Beobachtung und Erfahrung. Damit ist klar: Ein Kind kann gesundes, rücksichtsvolles Verhalten nur entwickeln, wenn wir es ihm vorleben, nicht aber, indem wir ihm sagen, dass es sich nicht rücksichtsvoll verhält. Indem wir unserem Kind Aufmerksamkeit schenken, ihm zuhören, es versuchen zu verstehen, auf seine Bedürfnisse eingehen, bringen wir ihm am besten bei, nicht übermäßig egoistisch zu sein. Und am Ende haben wir dann weder unserem Kind noch uns etwas vorzuwerfen ...

sus Brigitte

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