Babyprodukte: Wie Sie 2367 Euro sparen können

Kurz nach dem Schwangerschaftstest beginnt die Materialschlacht um die zahllosen Babyprodukte, die der Markt bietet. Julia Heilmann und Thomas Lindemann haben in ihrem Buch "Babybeschiss" über den elterlichen Ausstattungswahn geschrieben und festgestellt, was man tatsächlich braucht: Fast nichts.

Julia Heilmann und Thomas Lindemann leben mit ihren zwei Söhnen in Berlin. Nach ihrem Bestseller "Kinderkacke" erschien nun ihr zweites Buch, "Babybeschiss" (Hoffmann und Campe, 240 Seiten, 17 Euro)

BRIGITTE MOM: Frau Heilmann und Herr Lindemann, Sie haben sich mit all dem Quatsch beschäftigt, den Eltern für Kinder anschaffen. Fangen wir doch gleich mal mit den absurdesten Produkten an.

Thomas Lindemann: Mein Favorit ist der Nasensekretsauger für verschnupfte Babies. Wird an den Staubsauger angeschlossen.

Julia Heilmann: Oder die Stilllampe zum Anklemmen.

BRIGITTE MOM: Damit man nachts seine Brust wiederfindet?

Julia Heilmann: Verrückt, oder? Aber der Bedarf ist offenbar da. Eltern kaufen solche Dinge.

BRIGITTE MOM: Warum eigentlich?

Thomas Lindemann: Das erste Kind ist der perfekte Zeitpunkt für die Industrie, richtig Geld zu verdienen. Eltern sind die idealen Neukunden: Unsicher, aber erpicht darauf, alles richtig zu machen.

"Lebe lieber unperfekt": Ildikó von Kürthys Plädoyer an die modernen Mütter in der neuen BRIGITTE MOM. Jetzt bestellen!

BRIGITTE MOM: Aber kaufen Eltern nicht nur aus Unsicherheit, sondern auch aus schierer Verzweiflung? Das Kind ist da, man ist völlig fertig und setzt dann alle Hoffnung in die einschläfernde Wirkung einer Babywippe.

Julia Heilmann: Es gibt zwei Anschaffungsphasen. Einmal den großen Ausstattungswahn vor der Geburt und dann die Verzweiflungskäufe, wenn das Kind da ist.

Thomas Lindemann: Die Fähigkeit, kritisch zu denken ist aber auch kurz nach der Geburt besonders herabgesetzt. Die Beziehung ist schwierig, man bekommt keinen Schlaf und dann steht man vor dem Regal im Reformhaus und überlegt: "Muss der Babysaft denn jetzt eigentlich Ascorbinsäure enthalten?" Man kommt gar nicht darauf, sich zu fragen: "Hey Moment, brauch ich überhaupt Babysaft?"

"Babybeschiss" von Julia Heilmann und Thomas Lindemann, Hoffmann und Campe, 240 Seiten, 17 Euro

BRIGITTE MOM: Was sind denn die besten Verkaufsargumente für Babyprodukte?

Julia Heilmann: Angstmacherei funktioniert immer.

Thomas Lindemann: Der Windeltwister wird zum Beispiel zurzeit sehr viel verkauft. Das ist ein Windeleimer mit einer speziellen Verschlusstechnik, der Geruch reduzieren soll und noch wichtiger: Bakterien und Krankheitserreger.

Julia Heilmann: In der Anschaffung ist er relativ preiswert, teuer wird er erst durch die besonderen Mülltüten, die man nachkaufen muss.

Thomas Lindemann: Frühförderung, Konkurrenz und Leistungsdruck sind auch gute Verkaufsargumente. Babyspielzeuge wie zum Beispiel diese Trainingscenter, bei denen lauter bunte Spielzeuge dem Baby im Gesicht baumeln, fördern angeblich die Feinmotorik, die Auge-Hand-Koordination, usw. Was das genau bedeutet, ist eigentlich egal, aber es steht auf der Packung.

Julia Heilmann: So funktioniert es auch bei Lebensmitteln. Eine ziemlich unverfängliche Aufschrift wie "Für Babies geeignet" erhöht die Gewinnspanne des Herstellers ungemein. Ein gutes Beispiel ist Babywasser aus dem Drogeriemarkt. Das ist nichts anderes als stilles Mineralwasser. Letztlich ist Leitungswasser sogar besser.

BRIGITTE MOM: Was braucht man denn nun letztlich überhaupt, abgesehen vom Kinderwagen?

Julia Heilmann: Wir haben dazu eine Umfrage gemacht: Welche Anschaffungen sind sinnvoll, welche nicht? Einen Kinderwagen kaufen natürlich alle, den Autositz braucht man auch, wenn man Auto fährt. Es wurden aber auch ganz einfache sinnvolle Dingen genannt wie zum Beispiel die große blaue IKEA-Tüte, ein Küchenhandtuch oder Tupperdosen.

BRIGITTE MOM: Und welche Anschaffungen haben die Eltern bereut?

Thomas Lindemann: Zum Beispiel diesen ganzen bunten Holzkrempel an Ketten, den man für Babies zum Fummeln an den Kinderwagen hängt, das macht eh kein Säugling. Ich persönlich finde, man sollte auch nicht nur kaufen, was man wirklich braucht, sondern was einem Freude macht. Meine letzte Anschaffung für unseren 5 Jahre alten Sohn: So ein geniales Plastik-Laserschwert, das leuchtet.

Interview: Anne Petersen
Themen in diesem Artikel

Unsere Empfehlungen

Noch kein Fan?Folge uns jetzt auch
auf Facebook
Fan werden
Brigitte-MOM-Newsletter

MOM-Newsletter

Mit unserem Newsletter erfährst du alles über die neuesten Online-Beiträge und verpasst keine MOM-Ausgabe!

Diesen Inhalt per E-Mail versenden

Babyprodukte: Wie Sie 2367 Euro sparen können

Kurz nach dem Schwangerschaftstest beginnt die Materialschlacht um die zahllosen Babyprodukte, die der Markt bietet. Julia Heilmann und Thomas Lindemann haben in ihrem Buch "Babybeschiss" über den elterlichen Ausstattungswahn geschrieben und festgestellt, was man tatsächlich braucht: Fast nichts.

Du kannst mehrere E-Mail-Adressen mit Komma getrennt eingeben

Deine Mail wurde versendet
Deine Mail konnte leider nicht versendet werden