Freundschaft im Kleinkindalter - gibt es die wie bei uns Großen?

Freundschaften sind wichtig - auch für Kinder. Aber können wir die Begegnungen im Kleinkindalter schon mit denen von Erwachsenen vergleichen? MOM-Redakteurin Nina Gaglio macht sich Gedanken.

Vor fast zwei Jahren sind wir weggezogen. In eine andere Stadt. Schon vor dem Umzug hatte ich als Mutter große Bauchschmerzen, wie meine zweijährige Tochter den Verlust von gewohnter Umgebung und geliebten Menschen verkraften würde. Immer wieder sagten mir Erwachsene, dass sie doch noch so klein sei und alles schnell vergessen werde.

Überlebt eine Kindergarten-Freundschaft einen Umzug?

Natürlich hab ich versucht, Rat dazu zu finden, um meinem Mutterherz Mut zu machen. Auf der Seite Kindergartenpaedagogik.de meinen die Experten tatsächlich, dass Kinderfreundschaften im Kindergartenalter noch keinen großen Belastungen standhalten. Zieht die Freundin an einen anderen Ort und die Eltern unterstützen einen weiteren Kontakt nicht, so sei die Freundin bald vergessen, und ein anderes Kind trete an ihre Stelle.

Klingt logisch. Trotzdem hatte ich weiter Bauchschmerzen. Immerhin hatte dieser kleine Mensch schon eine feste Clique an Kindern, die sie sich alle selbst und fast Liebe-auf-den-ersten-Blick-artig auf dem Stammspielplatz ausgesucht hatte.

Ich werde nie vergessen wie sie ihre Freundin Dilli zum ersten Mal gesehen hat und die beiden sofort unzertrennlich waren.

Sie teilten sich fortan Snackboxen, das Sandspielzeug und verteidigten sich gegenseitig. Es gab auch Streit, aber trotzdem war das ihre BFF. Und so wurden Dilli und diese anderen kleinen Menschen feste Bestandteile ihres täglichen Lebens. Und ihres Herzens.

Aber auch da haben Experten eine ganz logische Erklärung: Aus einer länger andauernden Spielfreundschaft werde für viele Kinder eine emotional wichtige Beziehung. Kinder nehmen schon als Baby gerne Kontakte zu Kindern auf. Man kann beobachten, dass Babys auf das Gesicht eines Kindes über der Wiege mit freudiger Überraschung, mit Juchzen und Lachen, mit Strampeln und Bewegungen der Händchen reagieren.

Die ersten wirklichen Kinderfreundschaften bilden sich aber angeblich erst ab dem dritten Lebensjahr.

Also meist mit dem Eintritt in den Kindergarten. Dort sind Kinderfreundschaften oft sehr kurzlebig. Sie umfassen eine Spielsequenz oder einen Vormittag. Kinder schließen schnell und beenden diese ebenso rasch. Angeblich weil sie sich in jeder Beziehung nehmen, was sie gerade brauchen, so die Meinung der Pädagogen.

Wir zogen also um. Eineinhalb Stunden weit weg. Nicht viel für Erwachsene, aber unerreichbar für kleine Kinder. Das erste halbe Jahr war furchtbar.

Meine zwei Jahre und drei Monate alte Tochter hatte großes Heimweh und litt sehr unter der Trennung von ihren Freunden.

Sie weinte viel und sagte auch, dass sie wieder nach Hause wollte. Sie fragte immer wieder nach Dilli und ihren Freunden. Natürlich gab es einen ganz tollen Kindergarten und auch in der Nachbarschaft jede Menge gleichaltrige Kinder. Und mit dem ein oder anderen funkte es genauso, wie mit ihren besten Freunden in der alten Heimat.

Aber bis heute hat sie ihre ersten Herzensmenschen nicht vergessen. Und auch wenn wir uns nicht oft sehen, hat sich die Sehnsucht nach ihnen und die Liebe für sie, nicht verändert.

Meine Erfahrung ist also: Es ist schon bei den ganz Kleinen ganz genau wie bei uns Großen. Für das Herz gibt es eben keine Expertise.  

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