Geburten: Warum Frauen im Kreißsaal mehr fordern sollten

Eine "schöne" Geburt? Ja, das geht! Hebamme und Autorin Jana Friedrich verrät, wie Frauen Ängste ablegen und warum ein Geburtsplan hilfreich ist.

"Das Geheimnis einer schönen Geburt" heißt der Ratgeber von Jana Friedrich. Die erfahrene Hebamme und Bloggerin gibt darin viele Infos und Tipps, wie werdende Mütter am besten ihre Wunschgeburt erleben können. Zunächst als eBook erschienen, gibt es das Buch aufgrund der hohen Nachfrage nun auch in gedruckter Form (erhältlich zum Beispiel bei Amazon). 
Wir haben mit Jana über ihr Buch gesprochen.

BRIGITTE MOM: Wenn die Geburt laut deinem Buchtitel so "geheimnisvoll" ist - heißt das, dass wir Frauen immer noch zu wenig darüber wissen?

Jana Friedrich: Das ist tatsächlich so. Wenn sich Frauen (und Männer) Gedanken über die Geburt machen, denken sie oft nicht weiter als bis zum Einsetzen der Wehen und wie sie möglichst schnell ins Krankenhaus kommen. Auch über die erste Zeit mit dem Baby denken sie nach. Aber dazwischen ist eine große Lücke. 

Die Vorstellungen zur Geburt sind oft diffus. "Die werden mir da schon sagen, wie es geht und mir helfen" – so ist die Hoffnung. Das tun wir ja dann auch, so gut das geht. Aber Frauen, die eine gute Vorstellung vom Ablauf, den körperlichen Prozessen, dem ungefähren zeitlichen Rahmen haben, und die auch mental vorbereitet sind, haben es viel leichter.

Warum sind unsere Vorstellungen denn so diffus?

Kaum eine Frau hat schon mal als Zuschauerin oder Begleiterin eine Geburt erlebt. Da die meisten Geburten in Krankenhäusern stattfinden, bekommen wir davon nicht viel mit. Daher wissen die wenigsten Frauen, was wirklich auf sie zukommt.

Jana Friedrich arbeitet seit 1998 als Hebamme in Berlin. Auf Hebammenblog.de schreibt sie über Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett.

Hat es auch was mit Angst zu tun, dass wir das Thema verdrängen? Viele denken bei Geburten vor allem an Schmerz, Blut, Erschöpfung.

Ängste zu haben, oder zumindest einen gewissen Respekt vor dem, was einen erwartet, ist ganz normal. Am weitesten verbreitet ist die Angst vor Schmerzen, die Angst vor Verletzungen und die Angst, die Selbstbestimmung zu verlieren.

Was kann man denn gegen die Ängste tun?

Zunächst ist es hilfreich, sich die Ängste anzusehen und darüber zu reden, zum Beispiel im Geburtsvorbereitungskurs. So verlieren sie einen Teil ihres Schreckens. Dann kann man überlegen, ob man ihnen etwas Positives entgegensetzen kann. Bei der Angst vor Schmerzen kann man sich umpolen: Anstatt die Wehe als etwas Furchtbares zu betrachten, kann man versuchen, sie als etwas Gutes zu sehen: "Jede Wehe bringt mich ein kleines Stückchen näher zu meinem Baby". Und anstatt sie zu erdulden, kann man sie nutzen und mit ihr statt gegen sie zu arbeiten. Es hilft auch, sich von schönen Geburten erzählen zu lassen oder über sie zu lesen.

Also nicht 'Augen zu und durch', sondern selbst das Ruder in die Hand nehmen?

"Wenn du deine Einstellung zur Geburt änderst, verändert sich auch deine Geburt", sagt Marie Mongan, die Vorreiterin der Hypnobirthing-Methode, und so sehe ich das auch. Der Geburtsverlauf ist nicht nur vom Schicksal vorherbestimmt. Es gibt einiges, das wir selbst dafür tun können, um eine gute Geburt zu erleben! Eine positive Einstellung ist ein guter Anfang.

Trauen sich Frauen zu wenig, ihre Wünsche einzufordern?

Ja, viele 'geben sich selbst an der Kreißsaaltür ab', ohne dabei ihre Optionen zu kennen. Aber das ändert sich langsam. Immer mehr Frauen schreiben vorher einen Geburtsplan. Das finde ich sehr gut. Ich empfehle das in meinem Buch auch.

Wer einen Plan schreibt, hat sich mit der Geburt und den eigenen Wünschen intensiv auseinandergesetzt. Das bedeutet zwar noch lange nicht, dass der Plan 1:1 umgesetzt wird - Flexibilität ist unter der Geburt essentiell - aber es bedeutet, dass man seine Optionen kennt und weiß, was man will und was nicht. Dadurch erhöhen sich die Chancen, genau das auch zu bekommen. Ansonsten bekommt man vielleicht eher das, was die Geburtshelfer für einen als gut empfinden. Und das ist nicht immer dasselbe.

Viele Frauen leiden nach der Geburt unter einem Trauma, weil es nicht so verlief, wie sie wollten. Kann diese Vorbereitung davor schützen?

Ja, so etwas kann leider passieren. Aber nach einer intensiven Vorbereitung wird es unwahrscheinlicher, weil man eben Vorkehrungen trifft, die einen davor schützen. Natürlich kann es trotzdem sein, dass ein Notfall eintritt und man zum Beispiel einen Notkaiserschnitt bekommt statt der erwünschten Spontangeburt. Selbst da hilft aber die Vorbereitung, weil man sich mit verschiedenen Szenarien auseinandergesetzt hat und flexibler damit umgehen kann.

Aber ist es nicht umso enttäuschender, wenn ich meine Traumgeburt ganz genau vor Augen hatte und die dann so nicht eintritt?

Ich denke, es bleibt immer eine gewisse Wehmut, wenn etwas Erwünschtes nicht eintritt. Eine Schicksalskomponente gibt es eben auch bei der Geburt.

Wenn man sich aber hinterher sagen kann, dass man alles Erdenkliche getan hat, um zur Wunschgeburt zu gelangen, kann man deutlich besser akzeptieren, wenn es anders läuft. Das ist auf jeden Fall besser, als wenn man mit sich hadert und denkt: 'Vielleicht hätte ich es geschafft, wenn ich doch nur mehr aufrechte Geburtspositionen eingenommen hätte / besser geatmet hätte / keine/eine PDA genommen hätte etc.'


Und was genau ist denn nun das "Geheimnis" einer schönen Geburt?

Es ist natürlich nicht ein einzelnes Geheimnis. Vielmehr habe ich in meinem Buch die vielen Faktoren zusammengetragen, die man selbst beeinflussen kann, um eine schöne Geburt zu erleben:

Das fängt bei der Wahl des richtigen Geburtsortes und Geburtsbegleiters an. Ich erkläre, wie man seine Ängste bändigt, wie man sich mental und körperlich optimal vorbereitet, welche Strategien es im Umgang mit den Wehen gibt und was der Partner tun kann, um seine Frau gut zu unterstützen. Aber ich erkläre auch ganz nüchtern, welche Schmerzmittel es gibt, und was man tun kann, wenn alles gar nicht so läuft, wie man es sich vorgestellt hat.

Im Prinzip ist das Buch eine Art Geburtsvorbereiter - ergänzend zu einem Kurs, den ich natürlich trotzdem jedem Paar empfehle. Mit den im Buch enthaltenen Wunschlisten, Checklisten und Fragebögen nehme ich die Leserin ganz konkret an die Hand, so dass sie sich ihren Weg zur 'Traumgeburt' Schritt für Schritt bahnen kann.

Selbst gebären, statt entbunden werden – das ist vielleicht eines der Kerngeheimnisse für eine schöne Geburt.

Der Ratgeber

Das eBook von Jana Friedrich könnt ihr für 17,80 Euro beim Hebammenblog downloaden oder im Buchhändler als gedruckte Ausgabe kaufen (19,95). Es enthält auf 163 Seiten viele hilfreiche Tipps, wichtige Fakten und konkrete Hilfestellungen. Super sind auch die Arbeitsblätter zum Selbstausfüllen: Wunschlisten (Traumgeburtskarte & Geburtsplan), Fragebogen für die Klinik, Fragebogen für die Hebamme und eine Checkliste für die Kliniktasche. Ein toller Begleiter für jede werdende Mom!

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