Ist die Hausgeburt in Gefahr?

Eine Hausgeburt mit Hebammen-Begleitung ist kein Grundrecht. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden. Was bedeutet das für uns?

Worum geht es hier?

Eigentlich um einen Fall aus Tschechien. Zwei Frauen wollten ihre Kinder zuhause gebären. Doch der Staat verweigerte ihnen die Begleitung der Geburt durch eine Hebamme. In Tschechien dürfen Hebammen nur einer Geburt assistieren, wenn eine besondere medizinische Ausstattung vorhanden ist.

Wie haben die Frauen ihre Kinder dann bekommen?

Eine ging notgedrungen ins Krankenhaus. Die andere hatte bei ihrem ersten Kind schlechte Erfahrungen in der Klinik gemacht und bekam ihr zweites Kind trotzdem zu Hause. Allein, ohne Hebamme.

Und nun haben sie sich beim Europäischen Gerichtshof beschwert?

Richtig. Die Richter in Brüssel sollten nun grundsätzlich entscheiden, ob das Vorgehen des tschechischen Staates okay ist – oder ob die Frauen ein Grundrecht auf die freie Wahl des Geburtsorts haben, so wie es bei uns in Deutschland geregelt ist.

Was haben die Richter gesagt?

Für den Gerichtshof ist es okay, dass der tschechische Staat den Frauen eine begleitete Geburt zu Hause verwehrt. Die Staaten dürften die staatliche Gesundheitsvorsorge für höher erachten als das Recht auf die Entscheidung über die Geburt.

Aber damit mischt sich der Staat ja in eine höchst private Sache ein!

Das sehen auch die Richter so. Aber da es darum gehe, die Gesundheitsrisiken zu verringern, sei das in Ordnung.

Und was bedeutet das für Geburten in Deutschland?

Erst mal gar nichts. Frauen können hier bislang selbst über den Ort der Geburt entscheiden. Wenn sie eine Hausgeburt wollen, bekommen sie dafür auch eine Hebamme an die Seite gestellt. Und die Krankenkasse muss alle Kosten tragen.

Dennoch macht sich Deutsche Hebammenverband Sorgen: "Das Urteil für Tschechien betrifft zwar im Augenblick noch nicht das deutsche Gesundheitssystem. Aber es könnte ein mögliches Zukunftsszenario auch in Deutschland sein. Deshalb sind die Folgen des Urteils aus unserer Sicht kritisch zu bewerten, insbesondere für werdende Mütter", so Katharina Jeschke, Präsidiumsmitglied des Verbands.

Wieso kann das eine Gefahr für Hausgeburten in Deutschland sein?

Das Problem ist, dass immer mehr Kliniken ihre Geburtshilfe-Abteilungen schließen. Für eine Hausgeburt ist es aber wichtig, dass man schnell in eine Klinik gebracht werden kann, falls etwas ganz schiefläuft. Der Staat könnte nun öfter die Hausgeburt als "zu gefährlich" einstufen, weil keine ärztliche Versorgung gewährleistet ist – und das Urteil des Gerichtshofs stützt dieses Vorgehen, befürchten die Hebammen.

"Wenn immer mehr geburtshilfliche Abteilungen schließen, gibt es aufgrund des Urteils nun eine 'Begründung', dass Hausgeburten angeblich gefährlich wären. Es ist aber nicht die Hausgeburt an sich, die gefährlich ist, sondern der Mangel an wohnortnaher geburtshilflicher Versorgung. Durch lange Wege bestehen Gefahren auch für Frauen, die sich für eine Geburt in der Klinik entscheiden", so Jeschke.

Wie viele Hausgeburten gibt es eigentlich in Deutschland?

In Deutschland liegt der Anteil der Hausgeburten seit Jahren relativ konstant bei etwa zwei Prozent aller Geburten. Ganz anders sieht es zum Beispiel in den Niederlanden aus: Hier bekommt jede dritte Frau ihr Kind zuhause.

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