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Helikopter-Eltern Was passiert, wenn wir versuchen, unsere Kinder vor allem zu beschützen

Illustration eines Kindes, das unter einer Glaskuppel sitzt – eine Hand von oben bestimmt, ob sie angehoben wird
© Marina / Adobe Stock
Als Eltern möchten wir unsere Kleinen vor Problemen beschützen. Wenn Eltern sich aber zu sehr aufdrängen, kann das Kinder negativ in ihrer Entwicklung beeinflussen.

Überbehütung ist das Stichwort, wenn es um sogenannte Helikopter-Eltern geht. Sie schweben bei allen Dingen wie ein Helikopter über den Kleinen, haben alles im Blick. Aus Sorge oder Angst, dass dem Kind etwas zustößt, packen sie es in Watte und treffen selbst die Entscheidungen. Expert:innen warnen aber davor, dem Kind nicht den nötigen Freiraum zu lassen, um eigene Fehler begehen zu können: Hinfallen und wieder aufstehen, lernen, was es allein bewältigen muss. Das gehört im Leben schließlich dazu.

Mögliche Effekte von Überfürsorglichkeit

Vorab ist klarzustellen: Elterliche Fürsorge ist natürlich wichtig für die Entwicklung der Kleinen. Es geht nicht darum, kühl zu sein oder die Bedürfnisse des Kindes außer Acht zu lassen. Doch wer ein Kind zu sehr umsorgt und ihm den Himmel zu Füßen legen will, der:die sorgt unter anderem oft für verzogenen Nachwuchs und hemmt die Entwicklung. Denn das Kind lernt, dass er:sie der Mittelpunkt aller Dinge ist und andere Meinungen weniger stark einzahlen. Selbstverliebtheit ist daher nicht selten und Kindern von Helikopter-Eltern fehlen im späteren Leben oft wichtige Kompetenzen. Denn Mama, Papa oder Elternteil haben immer alles für ihn:sie geregelt.

Es kann aber auch das Gegenteil passieren und das Kind ist eher zurückgezogen und schüchtern, da es sich nicht traut, eigene Schritte zu gehen. In diesem Fall hat es oft Trennungsängste bezüglich der Eltern. Der Hintergrund von Helikopter-Eltern ist in jeglichen Ausprägungen eigentlich gut gemeint: Die Eltern wollen nämlich nicht, dass das Kind versagt oder negative Emotionen erfährt. Doch gerade in Kinderjahren sind diese Erfahrungen Teil eines wichtigen Lernprozesses.

Fähigkeiten, die Kinder mit Helikopter-Eltern oft nicht lernen

Expert:innen und Forschende haben festgestellt, dass Kinder überfürsorglicher Eltern im Teenager- oder Erwachsenenalter meist gewisse Probleme haben. Erfahrungen, die sie normalerweise im familiären Umfeld gesammelt hätten, fehlen. Denn: An jedem Tag ab der Geburt (und teilweise auch schon in der Schwangerschaft) können Kinder etwas lernen. Vom Kopf heben übers Krabbeln bis hin zu den ersten Begegnungen mit anderen Kindern. Wenn Eltern zu sehr eingreifen, beispielsweise entscheiden, wo und mit wem das Kind spielen darf – oder dass es bloß nicht kleine (und ungefährliche) Aufgaben in der Küche erledigen sollte (beispielsweise aus Angst vor Verletzungen), kann es zu mangelnden Kompetenzen bei den folgenden Fähigkeiten kommen: 

  • Kommunikation
  • Umgang mit anderen Menschen und Geschick in Beziehungen
  • Haushaltsführung
  • Das Kümmern um die eigene mentale und persönliche Gesundheit
  • Das Zeigen und Erkennen eigener Bedürfnisse
  • Das Treffen von Entscheidungen oder Ergreifen der Initiative
  • Geld- und Zeitmanagement
  • Die Verantwortung zu übernehmen

Schwerwiegende Folgen, die sich daraus ergeben können

Im späteren Leben merken zu stark umsorgte Kinder oft, dass ihnen Fähigkeiten fehlen. Wer Probleme damit hat, Beziehungen aufzubauen oder zu führen, für den:die wird es mit Freund:innen oder Partner:innen schwer. Auch grundlegende Lebensfähigkeiten wie Geld- oder Zeitmanagement würden ihr Leben vereinfachen, gestalten sich aber meist als schwierig, da sie sich zuvor nie darum kümmern mussten. Die Erkenntnis, in vielen Bereichen Probleme zu haben, kann bei betroffenen Kindern – später eben Teenager:innen und Erwachsenen mitunter zu Angststörungen, Depression oder übermäßigem Alkoholkonsum führen. Viele wissen außerdem nicht, wie sie eigene Emotionen aus schlechten oder anstrengenden Situationen regulieren können.

Anzeichen, die für Überfürsorglichkeit sprechen

Die folgenden Situationen können (wenn sie regelmäßig auftreten) dafür sprechen, dass ein Kind zu sehr beschützt wird. 

  • Die Probleme des Kindes löst immer ein Elternteil
  • "Schwierige" Schulaufgaben werden von den Eltern gelöst
  • Kita-Betreuer:innen oder Lehrer:innen bekommen Anweisungen, wie sie mit dem Kind umzugehen haben, denn die Eltern haben kein Vertrauen in ihre Kompetenzen
    Beispielsweise: Eine Anleitung an die Kita, wie das Kind anders in den Mittagsschlaf begleitet werden muss – oder: ein Elternteil, der unbedingt mit auf Klassenfahrt muss, da sich das Kind sonst "einsam fühlen könnte"
  • Der Elternteil entscheidet, wohin das Kind darf und wohin nicht
  • Helikopter-Eltern umsorgen das Kind im eigenen Haus meist vom Essenkochen über das Putzen und Zimmeraufräumen bis zum Wäscheaufheben und -waschen – das Komplettpaket eines:einer Haushälter:in
  • Sie beschützen ihr Kind zu sehr, sagen Nein, wenn es etwas ausprobieren will (beispielsweise ein neues Hobby oder etwas, das für andere Kinder in der Klasse ok war)

Forschenden einer Studie zufolge unterstützen die Vermutung, dass Kinder von Helikopter-Eltern mit dem Älterwerden Schwierigkeiten bekommen können. Das zeigt sich sowohl emotional als auch in ihrem Verhalten. Depression und Angststörungen wurden ebenfalls oft als mögliche Folgesymptome herausgearbeitet. Allerdings brauche es in diesem Bereich weitere Forschung, die sich um diese Entwicklungen im Zeitverlauf von Kindern und Erwachsenen beziehen.

Verwendete Quellen: aok.de, psychologytoday.com, kita.de, apa.org, frontiersin.org

lkl Brigitte

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