Wird sie die Nanny für Baby Sussex? Das Geheimnis der beliebten Nanny Connie Simpson

Wer berühmt ist und es sich leisten kann, bucht direkt nach dem positiven Schwangerschaftstest diese Frau: Connie Simpson, die Lieblings-Nanny der Promis. Ende April zieht sie möglicherweise bei Prinz Harry und Herzogin Meghan ein, um das Royal Baby zu schaukeln. Welche Erziehungstipps Meghan und Harry von Connie Simpson erwarten dürfen.

Nanny Connie Simpson ist die Frau, der die Frauen vertrauen: eine große, runde, unerschütterliche Liebe und Gottvertrauen ausstrahlende schwarze Mittfünfzigerin, die sich als "stolzes Gewächs aus dem tiefen Süden" der USA bezeichnet, wo sie "Mitgefühl, Liebe und Geduld im Übermaß" mit der Muttermilch aufgesogen habe.

Nanny Connie, hilf!

Simpson wurde berühmt als "Babyflüsterin" (inklusive Instagram- und Facebook-Präsenz), weil sie Stars wie George und Amal Clooney, Jessica Biel und Justin Timberlake, Emily Blunt und John Krasinski sowie Brooke Shields und Jessica Alba samt Ehemännern geholfen hat, das Kind zu schaukeln. Bald wird sie auf Empfehlung der Clooneys ins britische Königshaus übersiedeln, um für den königlichen Nachwuchs von Meghan und Prinz Harry zuständig zu sein.

Ihr Erfolgsgeheimnis? Nun, Nanny Connie scheint tatsächlich das alte Sprichwort zu widerlegen, dass man Liebe nicht kaufen kann: Sie gilt in "ihren" Familien als das unverzichtbarste Mitglied auf Zeit. Sie ist herzlich, voller Mutterwitz, Mitgefühl und Wärme für Babys UND deren neugeborene Mamas, die sie – wie Brooke Shields oder Jessica Alba - gerne "my sweet baby" nennt, egal wie reich oder berühmt die sind. Nanny Connie scheint alles schon mal gesehen zu haben und weiß eine patente Lösung dafür. Manches davon entspricht vielleicht nicht mehr den neuesten Forderungen der Pädagogik, aber es scheint zu funktionieren.

Für uns alle, die sich so einen wunderbaren Service nicht leisten können, gibt es ihre gesammelten Weisheiten aus dreißig Jahren Übermutter-Erfahrung als Buch (bisher nur auf Englisch: "The Nanny Connie Way: Secrets to Mastering the First Four Months of Parenthood"). Durchsetzt ist es mit huldigenden Zitaten "ihrer" Prominenten, zum Beispiel Jessica Biel: "Sie war Trost und Rückhalt für meinen Mann und mich, als wir, gequält durch schlaflose Nächte, nur noch Zombies unseres ehemaligen Selbsts waren".

Verführen lässt sich Connie Simpson nicht

Das Titelbild haut gleich ganz schön auf die Kacke: Auf einem prallen Windelpo prangt provokativ "Have no fear" – hab’ keine Angst! Ha, leicht gesagt, wenn man genug Geld und Platz hat, sich mit dem Baby gleich eine erfahrene Säuglingsschwester ins Haus zu holen, die sich bis zu mehreren Monaten Tag und Nacht wortwörtlich um jeden Scheiß kümmert. Die dazu dem frischgeborenen Vater nett, aber knallhart klarmacht, dass er vergeblich darauf warten oder drängen wird, endlich seine kinderlose Frau von früher wieder zurück (ins Bett) zu kriegen. Dazu ist Connie Simpson in jeder Hinsicht das Gegenstück zum Typ süßes Kindermädchen, das liebend gerne auch die Bedürfnisse des Hausherren stillen würde, wie einst bei Ethan Hawke oder Jude Law.

Zusammengefasst kann man sagen: Trotz all des Celebrity-Drumrums basiert das Buch auf kostbarem, längst unter Stapeln von Ratgebern und Konzepten verloren gegangenem Geheimwissen – dem gesunden Menschenverstand. Mit Organisation, Essen, Umarmungen, Schlaf, Humor, Anti-Blähungstropfen, Liebe und Gottesglauben löst Nanny Connie jedes Problem. Unterteilt ist ihr Buch in die Zeit der Vorbereitungen auf die Geburt, Geburt und Wochenbett und dann die ersten vier Monate mit dem Baby. Überraschung: Hier wird bedürfnisorientiert erzogen. Allerdings nicht nur nach den Bedürfnissen des Säuglings, sondern vor allem nach denen der Mutter, was in Deutschland schon fast als Kindsmisshandlung gilt. Bei Nanny Connie gilt als Erstes: "Put the baby on a schedule", gewöhn dem Baby einen Rhythmus an. Etabliere einen Zeitplan und Rituale. Stillenden Müttern rät sie, auf jeden Fall tagsüber Milch abzupumpen, damit jemand anderes als die Mutter das Baby nachts füttern und die Brustinhaberin durchschlafen kann.

Simpson richtet ihren stillenden Müttern dafür überall im Haus kuschelige Nester ein, wo sie Ruhe, Musik, Gesellschaft und ein Bier bekommen, was laut Nanny Connie den Milchfluss so gut anregt wie sonst nichts. Noch mehr gute Nachrichten: Gerade wenn die Mutter stillt, sollte sie viel essen und massenweise Butter und Olivenöl zu sich nehmen, dazu Avocados, Nüsse, vollfetten Joghurt und Käse. Nur so werde auch ihre Milch entsprechend fett (ganz wichtig für die Entwicklung des Baby-Gehirnes), voller Nährstoffe und lange sättigend: "Brustmilch, die nicht reichhaltig genug ist, bringt dein Baby schneller auf Fertignahrung als eine Fliege auf einen Eselshintern!" Gerne erzählt Nanny Connie dazu, wie sie ihren Promimüttern ausreden musste, sich nach der Geburt schnell wieder ihre Top Figur zurückhungern zu wollen. Nur von Schokolade wird leider abgeraten – die sei blähend.

YOU are the parent!

Ehe Nanny Connie dann das Haus und die Familie wieder verlässt, will sie die Eltern Routine und Selbstvertrauen im Umgang mit dem Baby lehren und sie seelisch gegen täglich niederprasselnde Ratschläge abhärten. Diese solle man sich einfach mit einem höflichen "Interessant! Danke!" am (Baby-)Arsch vorbeigehen lassen. "YOU are the parent"-Elternschaft wird hier als Chefposten rehabilitiert. Nein, wenn man keinen Besuch sehen und keine Haare waschen will, dürfen auch Schwiegereltern, Onkels, Tanten und Freunde nicht einfach "kurz vorbeikommen, nur eben gucken". Man muss nicht die strahlende Darstellerin in dem neuen Familienfilm geben, die instinktiv alles richtig macht und total entspannt bleibt. Grenzen setzen: Nein, du darfst das Baby mit deinen bakterienverseuchten Händen NICHT anfassen. Warum? Weil ICH es sage!

Und das ist die wichtigste Aussage des Buches: Jede Mutter muss selber bemuttert, getröstet, geschont, bekuschelt, massiert und gut gefüttert werden und vor allem so viel wie möglich unbesorgt schlafen dürfen. Sie hat Leben auf die Welt gebracht, nun muss sie körperlich wie seelisch von Schwangerschaft und Geburt heilen. Bei Nanny Connie wird dafür viel umarmt, den Müttern der Rücken gerubbelt und die Füße massiert. Liebevoller Körperkontakt ist eben nicht nur für Babys lebensnotwendig.

Es ist nicht nur die Aufgabe der Mutter

Leider ist es in Deutschland der Ausnahmefall, dass eine Säuglingsschwester einer neugeborenen Mutter über Wochen oder Monate beisteht. Man bekommt ja kaum eine Nachsorgehebamme, deren wenige Hausbesuche sehnsüchtig erwartet werden. Und statt als traumhaftes Privileg wird es eher als totale Kapitulation und pädagogischer Offenbarungseid aufgefasst, wenn man sich für das Baby professionelle Hilfe holt. Allgemein wird erwartet, dass Eltern spätestens nach einer Woche stolz und glücklich Besucher durch die gute Kinderstube führen. Es gilt der gute Glaube: Der Mutterinstinkt wird’s schon richten. Wie auch beim Thema Sex denken viele, derart urzeitliche Dinge wie die Fortpflanzung würden allein durch Tun selbstverständlich, sonst wäre die Menschheit ja längst ausgestorben. Doch Biologie hin oder her – ein Baby ist nicht selbsterklärend. Es ist erst einmal total verwirrend und wahnsinnig laut, vor allem nachts. Deswegen sollte Mann auch auf jeden Fall einen Säuglingspflegekurs machen. Nanny Connie mahnt alle Väter streng: "Nehmt euch Zeit, um zu lernen, Windeln zu wechseln und selbstständig für euer Baby zu sorgen!" Das wäre auch der Königsweg zur ersehnten Intimität mit der Partnerin: Während er das Baby windelt, sollte sie sich pampern lassen.

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Brigitte MOM 1/2019

Wer hier schreibt:

Karina Lübke
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