Hund und Kind? Das rät die Expertin

Wenn Familien mit Kleinkindern sich einen Hund zulegen – oder Hundebesitzer ein Baby bekommen – ist das eine gute Idee? Eine Expertin gibt Rat.

Spätestens seit der jüngsten "Kampfhund"-Debatte debattieren Eltern und Kinderlose wieder eifrig: Kinder und Hunde – wie passt das zusammen? Gar nicht, sagen die einen. Hervorragend, finden die anderen. Recht hat am Ende keiner so richtig – denn wie so oft kommt's drauf an. Wir haben nachgefragt bei Hundetrainerin und -verhaltensberaterin Perdita Lübbe-Scheuermann. 

BRIGITTE.de: Frau Lübbe-Scheuermann, was raten Sie Hundebesitzern, die ein Baby bekommen haben?
Perdita Lübbe-Scheuermann: Ich würde schon früher, zu Beginn der Schwangerschaft, anfangen – und den Hund daran gewöhnen, dass er nicht mehr allein im Mittelpunkt steht. Er sollte lernen, dass es auch Tabuzonen gibt, zum Beispiel, indem ich eine Tür zwischen mir und dem Hund zumache. Oder schon mal etwas auf dem Arm herumtrage und dem Hund signalisiere: Nee, jetzt nicht. Wenn das Baby da ist, ist allerdings wichtig, dass der Hund nicht außen vor gelassen wird.

Das heißt?
Tatsache ist: Frauen schütten während der Schwangerschaft ein Hormon aus, quasi ein "Nachwuchspflege-Hormon". Das überträgt sich oftmals auch aufs Tier. Deshalb geht auch der Hund in diese Stimmung über: Viele nette Hunde werden unentspannter, wenn das Kind plötzlich da ist, weil auch sie in diesen "Pflege-Modus" schalten und das Kind beschützen wollen. Aber auch Eifersucht kommt bei Hunden vor.

Was können Eltern tun, wenn das Tier in den "Pflege-Modus" schaltet?
Dem Hund die Zuständigkeit abnehmen. Klarmachen: Du bist nicht verantwortlich, ich kümmere mich. Und das eben auch schon vorher. Ich gebe die Regeln vor, ich sage wohin und wann. Das gilt dann auch beim Baby. Grundsätzlich aber: Hund und Kind nie alleine lassen! Egal, wie lieb der Hund ist, welche Rasse – Hund und Kind müssen immer unter Aufsicht sein. Hunde können kippen und Kinder auch.

Sollten Familien mit kleinen Kindern dann nicht lieber komplett auf Hunde verzichten?
Überhaupt nicht! Ich kenne viele Familien, in denen das wunderbar klappt. Und ich mag keine Pauschal-Aussagen. Das hängt vom Individuum ab. Es gibt auch Familien, die überfordert sind. Wichtig ist: Das Kind muss vor dem Hund und der Hund vor dem Kind bewahrt werden. Wenn man das beachtet, sind Kind und Hund zusammen das größte Glück.

Gut – sagen wir, eine Familie mit Kindern möchte sich einen Hund anschaffen. Was gilt es da zu beachten?
Das ist sehr abhängig vom Alter des Kindes. Tendenziell sollten Hunde in Familien mit Kindern sehr aggressionsfrei sein und kein Beutefangverhalten haben. Familien sollten also darauf achten, dass der Hund wenig Jagdpassion hat und nicht zu grob ist. Sonst kann es gefährlich werden.

Hängt das von der Rasse ab? Oder sollten Familien sich vielleicht lieber keinen Hund aus dem Tierheim holen?
Ob der Hund aus dem Tierheim stammt, spielt dafür keine Rolle. Bei uns gibt es bissige Labradore genauso wie lammfromme Staffordshire Terrier. Ich kenne eine Familie, die ihren fünfeinhalbjährigen Labrador abgeben musste, weil das Tier plötzlich nach dem Baby geschnappt hat.

Wenn der Hund dann da ist: Worauf müssen Eltern beim Umgang von Kind und Hund achten?
Dass jeder seinen Raum hat – und keiner eifersüchtig sein muss. Jüngere Kinder sollten Hunden deshalb auch keine Kommandos geben oder wenn, nur im Beisein der Mutter. Denn der Hund merkt – zum Beispiel, wenn die Mama das Kind zum Zimmer aufräumen schickt – wer hier das Sagen hat. Wenn es richtig gemacht wird, gibt es doch nichts Schöneres für ein Kind, als mit einem Hund groß zu werden. Und auch der Hund wird unfassbar geliebt und genießt das häufig. Wie gesagt: immer unter Aufsicht.

Manche Experten raten zu PC-Spielen, die Kindern den Umgang mit Hunden vermitteln sollen. Was halten Sie davon?
Nichts. Hunde lernt man durch den Kontakt mit Hunden kennen. Genauso Sozialkompetenz. Jeder ordentliche Hundetrainer und jedes Tierheim unterstützt das – deshalb gibt es oft Angebote, bei denen sich Kinder mit Tieren beschäftigen können. Wir als Trainer wollen schließlich, dass keiner Angst vor Hunden hat. Dass der Hund kein Spielzeug ist, ist klar. Aber wir wollen, dass Hunde "Kumpels" sein können.

Perdita Lübbe-Scheuermann arbeitet seit 1987 mit Hunden, 1994 gründete sie die "Hunde-Akademie". Ihr Ziel: ein "harmonisches Miteinander" von Mensch und Hund. Basis dafür sei Vertrauen, sagt die 52-Jährige. Sie betont aber auch: Hund und Mensch seien nicht gleichgestellt – die Rollenverteilung müsse klar sein. 

"Start ins - neue - Leben" - ein Projekt der Hunde-Akademie Perdita Lübbe ... eine Chance für Hunde ohne Perspektive Es...

Gepostet von Start ins - neue - Leben am Sonntag, 14. Januar 2018

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