Urteil: Vater darf Kind impfen lassen – gegen Willen der Mutter

Was passiert, wenn sich Eltern übers Impfen des Kindes nicht einig werden? Darüber hat der Bundesgerichtshof jetzt ein Urteil gefällt.

Es ist ein Urteil, dass vielen Impfgegnern nicht schmecken dürfte. Der Bundesgerichtshof (BGH) musste darüber entscheiden, was passiert, wenn sich Eltern über das Impfen der Kinder streiten. Wer setzt sich am Ende durch – das Elternteil, das impfen will, oder das Elternteil, das nicht impfen will?

Baby mit Tasse

Abfuhr für Impfgegner

Die Bundesrichter entschieden sich für die Seite der Impfbefürworter. In solchen Fällen könne ein Familienrichter durchsetzen, dass das Kind geimpft werde. Grund: Der Impfschutz sei für das Kind von erheblicher Bedeutung. Und die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission werden vom Gericht als medizinischer Standard anerkannt.

Eltern aus Thüringen konnten sich nicht einigen

Grund für das Urteil war ein Fall aus Thüringen. Die getrennt lebenden Eltern haben eine fünfjährige Tochter, die bei der Mutter lebt. Der Vater wollte, dass sie insgesamt neun, ärztlich empfohlene Impfungen bekommt. Die Mutter hingegen ist Impfgegnerin und skeptisch gegenüber Ärzten und der Pharmaindustrie eingestellt. Sie wollte das Kind nicht impfen lassen.

Da sie sich nicht einigen konnten, landete der Fall vorm Oberlandesgericht, das dem Vater Recht gab. Dieses Urteil hat der BGH nun bestätigt.

Wann darf ein Elternteil eigentlich allein entscheiden?

Nun kann man sich wundern, warum die Mutter das nicht allein entscheiden konnte – wo doch das Kind bei ihr lebt. Doch allein entscheiden dürfen Elternteile nur bei "alltäglichen Angelegenheiten" wie das Essen, Hobbys oder die Fernsehzeit. Das Impfen stuften die Richter aber als eine Sache "von erheblicher Bedeutung" ein. Und da müssen sich beide Elternteile einigen. Können sie das nicht, muss ein Gericht entscheiden.

In Italien gibt es nun die Impfpflicht

Um das Thema Impfen gibt es immer wieder viel Streit. Impfbefürworter werfen dabei den Impfgegnern vor, mit ihrer Skepsis auch andere Kinder und Erwachsene zu gefährden, die sich bei nichtgeimpften Kindern anstecken können. Erst vor ein paar Tagen ist in Essen eine dreifache Mutter an den Masern gestorben. Im Gespräch ist darum auch immer wieder eine staatlich verordnete Impfpflicht.

In Italien wird die Impfpflicht demnächst eingeführt. Eltern, die ihr Kind in den Kindergarten oder zur Schule schicken wollen, müssen dann nachweisen, dass es gegen zwölf Krankheiten geimpft ist. Darunter Masern, Hirnhautentzündung, Tetanus, Kinderlähmung, Mumps, Keuchhusten und Windpocken. Wer schulpflichtige Kinder nicht impfen lässt, muss dann hohe Strafen zahlen.

miro
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