Das passiert, wenn wir unsere Kinder zu viel loben

Zu viel Lob in der Kindheit führt zu Arroganz und Selbstverliebtheit? Von wegen! Wer sein Kleines mit gutem Feedback überhäuft, erschwert ihm damit, ein gesundes Selbstvertrauen aufzubauen.

Dass die Erziehung von Kindern keine einfache Aufgabe ist, müssen wir euch wohl nicht sagen. Was erschwerend hinzukommt: Gefühlt haben drei Experten fünf unterschiedliche Meinungen, wie es richtig geht – und alle leuchten irgendwie ein. So erscheint es total plausibel, dass zu viel Kritik Kinder verunsichern und in der Entwicklung ihres Selbstwerts beeinträchtigen kann. Doch den gleichen Effekt kann laut Pädagogen ebenso zu viel Lob haben – auch wenn das zunächst mal überrascht.

Bewertung ist Kindern fremd

Intuitiv würden wir wohl denken, wer als Kind viel Lob und Wertschätzung erfährt, würde dadurch zu Arroganz und Narzissmus neigen. Aber genau das stimmt nicht, sagt Familientrainerin Uta Allgaier im Interview mit der "Berliner Zeitung". "Kleinkinder wollen nicht bewertet werden, wenn sie sich den Eltern bemerkbar machen", so die Expertin. "Mit unserer Bewertung bringen wir das Kind erst auf die Idee, es könnte etwas falsch oder schlecht machen."

Klettert unser Kleines zum Beispiel auf ein Gerüst oder bringt seine Windel zum Müll und ruft uns dann freudestrahlend "guck mal, Mama!" zu, führen Reaktionen wie "super gemacht, mein Spatz!" laut Allgaier eher zu Verunsicherung – weil das Kind dadurch anfängt, sich selbst und sein Handeln zu hinterfragen. Wenn es "guck mal, Mama!" ruft, möchte unser Kind in erster Linie wahrgenommen und in seinem Dasein bestätigt werden. Dass menschliches Verhalten bewertet und ein Mensch an seiner Leistung gemessen werden könnte, auf die Idee würde ein Kind nie kommen.

Die Folge der lobreichen Erziehung: Bleibt die ausdrückliche Wertschätzung mal aus, wird das Kind (oder später der Erwachsene) dadurch extrem verunsichert. Selbstvertrauen und eigene Selbsteinschätzung sind dann nämlich so sehr an die Bestätigung von außen gekoppelt, dass der Mensch von gutem Feedback abhängig wird.

Werden Kinder für jede Kleinigkeit gelobt, ohne dass das Feedback wirklich von Herzen kommt (zum Beispiel wenn wir "super gemacht" sagen, während wir mit etwas ganz Anderem beschäftigt sind), kann es zudem passieren, dass sie sich nicht ernst genommen fühlen und dadurch verlernen, aufrichtiges und verdientes gutes Feedback anzunehmen. 

Wie können wir Wertschätzung anders signalisieren?

Wenn jetzt aber sowohl Lob als auch Kritik der Selbst-Entwicklung unseres Kindes schaden, stellt uns das natürlich vor ein Problem – denn Ignorieren ist jawohl auch keine Lösung. Dabei könnte es so einfach sein, wären wir als Erwachsene nur nicht so eingefahren auf unserem "Das ist gut und das ist schlecht"-Trip. Ruft unser Kind zum Beispiel vom Klettergerüst "schau mal, Mama!", könnten wir auch einfach winken oder zurückrufen "Hey, du bist ja hoch" oder Ähnliches. 

Allgaier rät zudem, Kindern häufiger zu danken, wenn sie zum Beispiel die besagte Windel zum Müll bringen oder uns sonst auf ihre Art versuchen zu helfen. "Anderen Erwachsenen danken wir ja auch", so Allgaier. "Lob, vor allem für Kinder, kommt eher von oben herab. Danken ist ebenbürtiger, es macht den Beitrag klar, den der andere für mich geleistet hat."

Wie gesagt: Der eine Experte sagt A und die andere Expertin sagt B und beide haben auf ihre Weise Recht. Sicher machen wir alle Fehler bei der Erziehung unserer Kinder, aber wir machen noch viiiieeel mehr richtig. Eine Grundregel, die für die Erziehung wie für alle Lebensbereiche gilt, ist wohl: Extreme vermeiden und am mittleren Weg orientieren. Denn auch wenn sie einen eher schlechten Ruf haben: Durchschnitt und Mittelmaß sind in Wahrheit gar nicht so verkehrt.

   

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